|
| Themenliste Literatur |
 |
Change-Management |
Veränderung wird großgeschrieben - aber wie soll sie bewerkstelligt werden? Bücher, die den Wandel erleichtern helfen. |
Wollen sie PowerPoint-Charts zeigen oder wollen sie über etwas Wichtiges reden? Dieser Satz fiel mir ein, als ich John P. Kotter’s neues Buch „The Heart of Change“ in die Hand nahm. Es gibt bereits unzählige Artikel zum Thema Change Management mit Prozesscharts, knackigen Kurzformeln und schönen Grafiken. John P. Kotter, Professor an der Harvard Business School und laut Business Week (10/2001) der „Nr. 1 Leadership Guru“, beschreibt den Kern des Veränderns von Organisationen aber nicht mit einem neuen Managementdreh, sondern kehrt zu den Ursprüngen menschlicher Veränderungskunst zurück. Vor tausenden Jahren - die Schrift, die Bücher, geschweige denn Charts waren noch nicht erfunden - zogen Wissende durch die Lande und erzählten Geschichten, berichteten von verzweifelten Versagern und mutigen Helden. Und die Leute, damals noch nicht platt und genervt von 100 E-Mails und 30 Fernsehkanälen am Tag, lauschten gebannt und in ihrem Herzen änderte sich was, denn die Gefühle sind der Schlüssel zu wirksamen Veränderungen.
Zu dieser zentralen Erkenntnis kehrt Potter zurück, indem er in seinem Buch statt einer neuen Managementtheorie einfach 34 Geschichten erzählt, die das Leben geschrieben hat. Anrührende, ehrliche, überraschende, manchmal durchaus schlichte Geschichten von Leuten, denen es gelungen war, Organisationen zu ändern, indem sie selbst die Gefühle ihrer Zuhörer ansprachen und diese „ansteckten“, Leute, die das was sie vorhatten auch persönlich sehr authentisch verkörperten. Diese „Veränderungsmanager“ waren keineswegs nur die Chefs an der Spitze, nein, es waren oft Manager in der Tiefe der Organisation, die Gleichgesinnte fanden. Im Kern folgen sie alle dem Schema „See, Feel, Change“, wie Kotter beobachtete: zuerst machten sie in besonderer Form auf ein gravierendes Problem, auf eine neue Lösung aufmerksam, meist in sehr ehrlicher, dramatischer, die Sinne heftig ansprechender Weise. Das hatte zur Folge, dass sich bei den Umstehenden Gefühle veränderten. Gefühle - die Änderungen entgegenstehen - wie Selbstzufriedenheit, falscher Stolz, Unsicherheit, Zynismus schwanden eher, andere Gefühle wie Vertrauen, Leidenschaft, Hoffnung und Zuversicht wuchsen statt dessen - und schufen eine emotionale Basis für Verhaltensänderungen.
Wer jetzt seinen Kotter vielleicht nicht mehr wiedererkennt, dem sei versichert, dass er die Geschichten entlang seines bekannten 8-Stufen-Schemas erzählt (Wachrütteln, Führungsteam aufbauen, die richtige Vision finden und unter die Leute bringen, Barrieren wegräumen, erste Erfolge weitererzählen, zäh am Ball bleiben und Änderungen verankern) und dass er bei jedem Kapitel ganz konkret besonders nützliche und wirkungslose Verhaltensweisen aufzählt. Natürlich hält er auch weiterhin kognitive Leistungen hoch, wie z.B. das Finden neuer Strategien, Systeme und Strukturen. Diese Hausaufgaben dürfen auch gemacht werden. Das Besondere an diesem Buch aber ist die Renaissance und der praktische Einsatz von Emotionen im erfolgreichen Änderungsmanagement. Ein wegen seiner Geschichten gut lesbares und wegen seiner klaren Aussagen besonders nützliches Buch für alle, die mitten in Veränderungsprozessen stehen.
Und eine sehr brauchbare Seite in Netz: www.theheartofchange.com
(MWonline freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von Dr. Josef Reisdorff)
|
(jr 13.01.2003) |
|