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  Buchbesprechung


Shackletons Führungskunst
Was Manager von dem großen Polarforscher lernen können

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Margot Morrell / Stephanie Capparell
(2002)
Eichborn, ISBN: 3821839139


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Führung

Themenliste Literatur
Führung   Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden.

Ernest Chackleton, (1874-1922), war zu seinen Lebzeiten ein ähnlich populärer Polarforscher wie Scott und Amundsen. Seine heutige Bedeutung und Berühmtheit beruhen jedoch nicht auf seinen Erfolgen als Polarforscher, sondern auf der Leitung einer Antarktisexpedition, die fast in einem totalem Fiasko endete und keines ihrer Ziele auch nur annähernd erreichte.

Shackleton bricht im August 1914, am Vorabend des ersten Weltkrieges, von England auf. Das Ziel ist die vollständige Überquerung des antarktischen Kontinents – 1800 Meilen. Am 5. Dezember 1914 verlässt er mit einer Crew von 27 Wissenschaftlern und Seeleuten an Bord der Endurance Südgeorgien, ein von Walfängern bewohntes Stück Fels im Südatlantik. Im ungewöhnlich kalten antarktischen Sommer bleibt die Endurance eine Tagesreise vor ihrem Ziel im Packeis stecken. Im Oktober 1915 wird das Schiff trotz aller Bemühungen der Mannschaft vom Eis zerquetscht. Fünf weitere Monate kampiert die Crew auf dem Eis. Sie erreichen schließlich Elephant Island, eine unbewohnte Insel weit ab von allen Schifffahrtsrouten. Im April 1916 bricht Shackleton mit fünf Männern in einem Rettungsboot zu einer unglaublichen Reise von 800 Seemeilen zurück nach Südgeorgien auf, um Hilfe zu holen. Sie müssen weit abseits der Siedlung landen. Shackleton marschiert mit zwei Männern quer über die Insel. Sie erreichen die Walfangstation am 20 Mai 1916 am Ende ihrer Kräfte. Nach mehreren vergeblichen Versuchen schafft es Schackleton schließlich im August 1916, auch den Rest der Crew von Elephant Island zu retten. Er bricht nochmals auf und holt auch den unabhängigen zweiten Teil der Expedition ab, der auf der anderen Seite der Antarktis ebenfalls festsitzt.

Alle 28 Mitglieder der Endurance-Expedition überleben. Sie sind in bemerkenswert guter physischer und psychischer Verfassung. Weshalb haben sie unter unmenschlichsten Bedingungen überlebt? Andere Gruppen scheiterten oft mehr an ihren inneren Konflikten, an Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit als an äußeren Umständen. Für die Mannschaft gab es nur eine einzige Antwort: Shackleton.

So weit die Fakten. Nun gut. Als Männer noch Männer und Helden waren und so.... Weshalb schreibt heute jemand ein Buch mit dem Untertitel „ Was Manager von dem großen Polarforscher lernen können?“

Was von den Führungsmethoden Shackletons durch Tagebücher, Briefe und Veröffentlichungen überliefert ist, gehört mit zum Spannendsten, auf das ich im Zusammenhang mit dem Thema „Führung“ bisher gestoßen bin. Es gab über die Jahrzehnte eine hartnäckige Fangemeinde Shackletons und eine Reihe von Veröffentlichungen. In letzter Zeit gibt es einen kleinen Shackleton-Boom, der uns sagt, weshalb Chackleton gerade jetzt wichtig ist. Das handwerklich gut gemachte Buch gehört zur letzteren Kategorie. Es erzählt die Story. Jedem Kapitel folgen in Thesen die Folgerungen für Führung im Unternehmen. Danach kommt jeweils ein Bespiel für praktisches Management a la Shackleton. Die Beispiele aus Topmanagement, Raumfahrt etc. sind glaubhaft und wohl auch authentisch. Jemand kannte Shackleton und hat daraus gelernt.

„Dieses Buch hat versucht, die Erklärungen nachzuvollziehen, die Shackleton gerne zu seinen Erfahrungen und Leistungen abgegeben hätte", schreiben die Autorinnen. Mutig. Mich beschleicht bei der Lektüre ein langsam größer werdendes Unbehagen. Ein verzweifelter Überlebenskampf im Eis, aufbereitet und in kleine Lektionen portioniert als Anleitung für besseres Management in unserem vollklimatisiertem Büroalltag? Das trifft es nicht ganz. Was mich mehr ärgert ist der kritiklose Mainstream und die Banalität der Erkenntnisse, die das Buch präsentiert.
„Die Grundsätze der Demokratie... sind endlich auch an den Arbeitsplatz vorgedrungen. Hierarchien werden flacher; Formalitäten werden abgebaut. Selbst die ranghöchsten Chefs verzichten heute auf viele der Privilegien und Statussymbole, die ihnen ihre Stellung erlauben würde." Im Ernst? Stellen Sie sich doch bitte mal den Einzug der Grundsätze der Demokratie in Ihr Unternehmen vor – einschließlich Ihres eigenen Verantwortungsbereichs, versteht sich. OK, war ja nur ein Scherz.

„Shackletons Führungsstil ist alten, auf Befehl und Kontrolle basierenden Führungsstrategien diametral entgegengesetzt......“ Quatsch. Shackleton hatte einen klaren Führungsanspruch als „Boss“ der Expedition, den er ohne zu zögern durchsetzte. Er beherrscht das Thema Führung einfach intelligenter und flexibler und handelt mit absoluter Konsequenz. Weil die Crew seine Führungs- und fachlichen Fähigkeiten braucht und anerkennt, zieht fast nie jemand seine Autorität in Zweifel. Die ganze Geschichte der Endurance-Expedition erscheint mir eher ein Beleg dafür zu sein, dass eine Gruppe unter äußerem Druck freiwillig bereit ist, an eine Person, deren Fähigkeiten und Integrität alle vertrauen, kompromisslos Verantwortung und Entscheidungen zu delegieren. Das hat so seine Vor- und Nachteile, siehe ein paar tausend Jahre Geschichte.

Schauen wir mal kurz in die Ratschläge, die Shackleton uns nach Meinung der Autorinnen erteilt. Die Auswahl ist willkürlich:
„Opfern Sie sich selbst auf. Geben Sie alle verzichtbaren Privilegien auf.“ Wie bitte? Meinen Sie etwa mich? Ich möchte und erwarte auch nicht, dass sich irgendjemand für mich aufopfert, solange sich das irgendwie anders regeln lässt.

„Scheuen Sie sich nicht davor, Ihre Meinung zu ändern, wenn Sie erkennen, das Ihr Plan nicht funktioniert. Sie wirken nicht unentschlossen, wenn Sie die Logik Ihrer Veränderungen erklären.“ Tun wir doch laufend.

„Sorgen Sie für Ordnung und Routine am Arbeitsplatz, damit alle Mitarbeiter wissen, wo sie stehen und was von ihnen erwartet wird. Diese Disziplin gibt Ihnen das Gefühl, in fähigen Händen zu sein.“ Also das klappt vielleicht bei Ihnen. Ich hasse Routine.

Shackleton war von dem Thema Führung fasziniert. „Rückblickend ist dies die Seite, die mich am meisten interessiert.“ Die vielen Zitate – nicht nur von Shackleton - sind der gute Teil des Buchs. Shackleton im Original: „Ich habe oft darüber gestaunt, welch schmaler Grat Erfolg von Misserfolg trennt“ und, nach Aufzeichnungen eines Freundes: „Für mich ist das Leben das größte Spiel von allen. Die Gefahr besteht darin, es als triviales Spiel zu behandeln, als leichtfertiges Spiel, als Spiel, in dem Regeln nicht viel zählen. Die Regeln sind jedoch sehr wichtig. Das Spiel muss fair gespielt werden, ansonsten ist es kein Spiel. Das Ziel besteht nicht darin, das Spiel überhaupt zu gewinnen. Das eigentliche Ziel ist, es ehrenhaft und hervorragend zu gewinnen. Dazu braucht man verschiedene Eigenschaften. Eine davon ist Treue. Andere sind Disziplin, Selbstlosigkeit, Mut und Optimismus. Und Ritterlichkeit.“

Gegen die Idee, bei Shackleton nach Ideen und Anstößen für bessere Führung zu suchen, ist nichts zu sagen. Ich habe Shackleton im Original bestellt. „South“. Erstmals erschienen 1919.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Charlotte Venema )

(venema 07.02.2003)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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