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Dienen statt Herrschen



Unternehmenskultur und Ordensspiritualität: Begegnungen – Herausforderungen - Anregungen
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Eckert, Johannes Claudius
(2000)
Schäffer-Pöschel, ISBN: 3791016768


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Schlagworte:
Kirche, Unternehmenskultur, Führung
Themenliste Literatur
Unternehmenskultur   Wenn die Kultur in einem Unternehmen nicht stimmt, bleibt der Erfolg aus. Bücher zu einem schwierigen Thema.

Rezension:

Eckert unternimmt in diesem Werk den interessanten und lohnenswerten Versuch, die Unternehmenskultur der bayerischen Motoren Werke AG (BMW) mit der Ordensspiritualität der Bayerischen Benediktinerkongregation (BBK) zu vergleichen mit dem Ziel, gegenseitig voneinander zu lernen.

In diesen „Unternehmenskulturen“ begegnen sich zwei Welten, die sich auf den ersten Blick diametral gegenüberstehen: Auf der einen Seite ein dynamisches, innovatives Wirtschaftsunternehmen, das für Mobilität, Sportlichkeit und Wirtschaftlichkeit steht und das sich in den letzten Jahren zu einem global agierenden Konzern entwickelt hat - auf der anderen Seite eine Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche, die im Urteil vieler Zeitgenossen als unbeweglich und rückständig gilt und nicht selten als ein Relikt aus dem Mittelalter betrachtet wird. Bei der bayerischen Motoren Werke AG steht die Produktion sportlicher Automobile und Motorräder im Vordergrund, bei den Ordensgemeinschaften ziehen sich Menschen bewusst aus der Gesellschaft zurück, um ihre Arbeit und ihr Gebet ineinander fließen zu lassen. Hier steht ein global agierender Weltkonzern, dort das benediktinischen Mönchtum, das auf eine 1500-jährige Geschichte und Tradition zurückblicken kann. Dass gerade der Vergleich eines Wirtschaftsunternehmens mit der benediktinischen Mönchstradition gezogen wird, ist nicht verwunderlich. Benediktinerklöster haben schon immer auf Wirtschaftsleute eine geheimnisvolle Faszination ausgeübt. Entsprechend häufig ist die Regel des Heiligen Benedikt mit modernen Managementgrundsätzen verglichen worden.

Die umfangreiche Untersuchung, die als Dissertation angenommen wurde, gliedert sich in drei Teile. Die ersten beiden bilden nach Ansicht des Autors das notwendige Fundament für die gegenseitige "Befruchtung" beider Unternehmenskulturen im dritten Kapitel.
Im ersten Kapitel werden BMW AG und die BBK mit Hilfe von soziologischen Untersuchungen in den größeren Gesamtkontext von Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft gestellt. Darin wird deutlich, dass der gesellschaftliche Umbruch der letzten vier Jahrzehnte sowohl in der Kirche wie auch in der Wirtschaft zu tiefgreifenden Veränderungen geführt hat. Das Resümee dieser Analyse ist, dass sowohl die Wirtschaft wie auch die Kirche eine Synthese leisten müssen zwischen den Ansprüchen des Individuums und zugleich seines Eingebettetsein in die Gemeinschaft.
Im zweiten Kapitel richtet sich der Blick auf den Menschen im Spannungsfeld seiner personalen Würde und seiner Sozialität. Auch hier, im Blick auf das Individuum, kommt der Autor zu der gleichen abschließenden These wie im ersten Kapitel, nämlich dass der Mensch einen Weg der Mitte zwischen Individualität und Sozialität gehen muss, weil sich zwischen diesen beiden Polen das menschliche Leben bewegt.
Im dritten Kapitel vergleicht der Autor dann konkret die Unternehmenskultur der bayerischen Motoren Werke AG mit der Ordensspiritualität der Bayerischen Benediktinerkongregation. Zunächst richtet sich der Blick auf die Unternehmenskultur bei BMW mit einer ausführlichen Analyse. Wichtige Schlagworte hierbei sind: Markt-, Kunden- und Prozessorientierung, vernetzte Team- und Gruppenarbeit, Führung durch Zielvereinbarung, flexible Arbeitszeiten, kontinuierlicher Verbesserungsprozess, Mitarbeiter als „Unternehmer“ und die Bedeutung der Führungskräfte. An den Ausführungen ist erkennbar, dass der Autor die bayerischen Motoren Werke AG aus einer Innenansicht kennt. Danach richtet sich der Blick auf die Ordensspiritualität der BBK. Die Analyse ist hier von folgenden Schlagworten geprägt: Kirche im Kleinen, Mönchsein in Gemeinschaft, Leitungskompetenz, Partizipation und Integration und Hören als spirituelle Grundhaltung.

In einem letzten Schritt stellt der Autor dar, an welchen Punkten BMW und die BBK voneinander lernen können. Hierbei werden die unterschiedlichen Zielsetzungen und Eigenprofile beider Organisationen nicht verwischt. Der Autor zieht vielmehr dabei interessante und teilweise überraschende Verknüpfungen, ohne dabei einer vorschnellen Harmonisierung zu erliegen und ohne lehrmeisterlich das eine Konzept dem anderen vorzuziehen. Beispielsweise sieht der Autor Anknüpfungspunkte zwischen einer Kundenorientierung und dem Gehorsamgelübde, zwischen KVP-Aktionen und einer Ecclesia semper reformanda sowie Gemeinsamkeiten im Führungsverständnis.

Das Buch ist für alle, die sich eingehender mit dem Vergleich dieser beiden zunächst sehr unterschiedlich erscheinenden Organisationskulturen beschäftigen möchten, sehr lesenswert. Die Stärke des Buches liegt darin, dass sowohl die Unternehmenskultur der bayerischen Motoren Werke AG sowie die Ordensspiritualität der Bayerischen Benediktinerkongregation sehr sachkundig beschrieben werden. Man muss nicht allen Schlussfolgerungen des Autors folgen, interessante Anregungen liefert die Lektüre des Buches allemal. Die verständliche Sprache sowie die Zwischenzusammenfassungen des Autors machen das Buch zudem sehr leserfreundlich. (MWonline zur Verfügung gestellt von Michael Fischer.)

(Michael Fischer 22.04.2003)

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wird dem Buch nicht gerecht 

 

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