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  Buchbesprechung


Horse Sense
oder wie Alexander der Große erst ein Pferd und dann ein Weltreich eroberte

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Hendrich, Fritz
(2003)
Signum Wirtschaft, ISBN: 385436346X


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Führung, Führungstraining

Das Training von Führungs- und Kommunikationsfähigkeit mit Hilfe von Pferden ist ein relativ neuer Ansatz in der schon ziemlich artenreichen Personalentwicklungs- und Seminarszene. Wer begeistert von Führungskräftetraining mit Pferden erzählt, darf sich über Reaktionen, die von „Hääh?“ bis zu „Wohl völlig bekloppt geworden?“ reichen, nicht wundern. Deshalb zum besseren Verständnis hier eine kurze Einführung, worum es überhaupt geht:
Die Geschichte vieler (aber bei weitem nicht aller) Kulturen ist ohne das Pferd so, wie sie stattgefunden hat, nicht denkbar. Mensch und Pferd haben sich gegenseitig geprägt. Das Pferd war dabei in der Regel nicht der Gewinner. Es hat aber immer wieder Entwicklungen gegeben, in denen das Pferd zum wirklichen Partner des Menschen wurde. Meist war es der berittene Krieger oder Jäger, der aus blankem Überlebensinteresse nach Möglichkeiten zu einer effektiven und zuverlässigen Kooperation und Kommunikation mit seinem Transportmittel und Kampfgefährten gesucht hat. Wer zu einer zuverlässigen Verständigung mir einem völlig anders geprägten Wesen gelangen will, braucht Intuition, Verstand, Disziplin und die Bereitschaft, ein paar Risiken einzugehen. Alles Eigenschaften, die generell als ganz brauchbar gelten. So entstand das Modell der Verständigung und Harmonie zwischen Reiter und Pferd und die Erkenntnis, dass der Umgang mit Pferden und ihre Ausbildung für die Charakterschulung von Menschen geeignet sind. Aus einem gewalttätigen Idioten wird niemals ein guter Reiter. Was für den Jäger und Krieger überlebenswichtig war, ist für den Hobby- und Sportreiter immerhin wünschenswert. In letzter Zeit haben die so genannten Pferdeflüsterer diese alten Traditionen entweder wieder aufgegriffen oder, wie etwa Monty Roberts, neu entdeckt. Ein gut Teil der Arbeit mit Pferden besteht dabei nicht im Reiten, sondern in der so genannten „Bodenarbeit“ zur Festigung der Verständigung und Kooperation. Wer das mal ausprobiert hat und auf die leider oft üblichen Gewaltmittel verzichtet, merkt in der Regel schnell, dass das Pferd dem Zweibeiner unverblümt zurückspiegelt, was es von ihm hält. Das Herdentier Pferd ist ein Experte in Sachen Körpersprache.

Bei entsprechend durchdachten Übungen kann man so einen erheblichen Teil dessen, was ein Reiter aus dem Umgang mit dem Pferd lernen kann, auch dem Nichtreiter zugänglich machen. Probieren Sie es aus. Es lohnt sich – für Reiter und für Nichtreiter. Achten Sie nur darauf, einen erfahrenen Anbieter auszusuchen. Nicht jeder Reitlehrer, der ein Geschäft wittert, beherrscht dieses schwierige Terrain.

Von „Horse Sense“, was im englischen bezeichnenderweise ein Synonym für gesunden Menschenverstand ist, hatte ich etwas tiefere Erkenntnisse zu dieser speziellen Form des Führungs- und Kommunikationstrainings erwartet.
Fehlanzeige. Hendrich entwickelt am Beispiel Alexanders des Großen und seinem Pferd Bukephalos – hatten Sie bestimmt in Geschichte – eine ganze Führungsphilosophie. Der Führungsanspruch legitimiert sich aus der persönlichen Leistung, er wird getragen von einer Vertrauenskultur, Achtsamkeit und Respekt. Dagegen ist nichts zu sagen. Das Buch lässt sich gut lesen, die Sprache ist treffsicher und präzise. Gleiche oder entsprechende Inhalte finden Sie bei etlichen anderen Autoren. Man braucht diese Themen nicht aus dem Umgang mit Pferden abzuleiten, kann es aber ohne weiteres tun. Pferde, die unter artgemäßen, natürlichen Bedingungen leben, entwickeln in aller Regel eine Herdenstruktur mit einem eindeutigen Führer, dessen Autorität sich aus besonderen Fähigkeiten und dem Einsatz für das Wohl der Herde ableiten. Die Parallelen zwischen dem Sozialverband der Herde und menschlichen Organisationsstrukturen sind höchst aufschlussreich.

Ich würde mir generell von den Autoren solcher moralisch anspruchsvollen Führungskonzepte mehr Hinweise darauf wünschen, wie man mit diesen Konzepten in einer Umgebung umgeht, die ab und zu von etwas anderen Grundsätzen bestimmt ist. Soll ja vorkommen. Diese „Schnittstellenproblematik“, bei der sich unterschiedliche Menschenbilder und Führungsphilosophien begegnen, ist der spannende Teil, der aber nicht vorkommt. Meine Skepsis richtet sich auch gegen die – natürlich fiktive – „case study“ von Alexander und Bukephalos, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht. Die historische Überlieferung von der engen Freundschaft Alexanders mit seinem Reittier ist durchaus wahrscheinlich und glaubhaft. Auch dass der Reiter vom Umgang mit dem schwierigen Hengst gelernt hat, ist nicht unwahrscheinlich. Was sich wirklich zugetragen hat, wird man wohl nicht mehr rauskriegen. Ob Alexander wie viele Menschen nach ihm seine Erkenntnisse im Umgang mit Pferden auf den Umgang mit Menschen und umgekehrt übertragen hat, wie der Autor suggeriert, mag so gewesen sein – oder auch nicht. Wenn es aber so war, würde ich eher dafür plädieren, intelligente Machtmenschen in Zukunft von Pferden fernzuhalten. Alexander mag mit den unterworfenen Völkern geschickt und nachsichtig umgegangen sein und sich so deren Akzeptanz seiner Herrschaft gesichert haben. Er hat im Umgang mit seinen Soldaten und fremden Kulturen wohl viel Einsicht in die menschliche Psyche bewiesen. Kein Volk hatte aber darum gebeten, erobert zu werden.

Damit kommen wir zur nicht ganz unproblematischen Kehrseite der Fähigkeit, auf der Klaviatur von Dominanz, Vertrauen, Loyalität und emotionaler Bindung zu spielen. Man kann hier im Umgang mit Pferden einiges lernen, aber gerade das Lieblingsbeispiel des Autors, Alexander, beweist auch, das dies für die Umgebung dieser Meister nicht unbedingt positive Folgen haben muss. Diese Ambivalenz des Charakters Alexanders, so wie er in teils widersprüchlichen Beschreibungen überliefert wird, sieht der Autor durchaus. Schließlich hat Alexander nicht nur durch Kriege dafür gesorgt, dass Leben einiger Menschen zu verkürzen, sondern auch einige Leute in seiner Umgebung beseitigt, wenn ihm das wünschenswert erschien. Aber er hatte halt Erfolg – Erfolg kann man gut verkaufen. Also können Sie hier eine durchaus akzeptable Führungsphilosophie mal am Beispiel eines großen Feldherrn und seines Pferdes lesen.

Das Schlusskapitel über Charisma ist– wie die inhaltlichen Aussagen zum Thema Führung – durchaus sympathisch. Es nimmt ein bisschen die Luft raus aus diesem oft aufgeblasenen Begriff. Der Autor weigert sich entschieden, ein Rezept zu liefern. Auch die eingearbeitete Checkliste zur Wahrnehmung, Vertrauen und Respekt ist sinnvoll. Ein Zitat am Schluss beschreibt die ganze Problematik am treffendsten: „Es ist nicht so, dass wir nicht wissen, was zu tun ist. Wir tun nicht, was wir wissen.“ Eben.

Ein Exkurz zum Schluss: Solche Führungstrainings gibt es nicht nur mit Pferden, sondern auch mit Wölfen. Die Trainerin achtet allerdings darauf, allzu einseitig dominant auftretende Manager beim Training im Zwinger nicht zuzulassen. Wölfe reagieren auf einen aus ihrer Sicht zweifelhaften Dominanzanspruch entschieden verbissener als Pferde. Dann gibt es in Australien noch einen Taucher, der offensichtlich die Dominanzrituale und Körpersprache von Weißen Haien entschlüsselt hat und mit ihnen baden geht. Man dürfe halt keinen Fehler machen…….. Also das wäre doch mal ein innovativer und Karriere fördernder Ansatz.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Charlotte Venema.)

(venema 09.02.2004)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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