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Arbeitswelt |
Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen |
Dies von Andrea Birbaumer und Gerald Steinhardt herausgegebene Buch fokussiert die gesellschaftlichen Veränderungen der Spätmoderne und ihre Auswirkungen auf den Einzelnen und soziale Verbände. Die traditionellen Institutionen verändern sich, verschwinden gar – neue Freiräume entstehen und zugleich ist jeder großem Individualisierungs- und Flexibilisierungsdruck ausgesetzt. Wie wirkt sich dies auf das Individuum und seine Lebenszusammenhänge aus? Dieser Frage gehen die Artikel dieses Sammelbandes nach, der als Nachklang eines Workshop-Kongresses der Sektion Politische Psychologie des BDP in Wien entstanden ist und laut Herausgebern "einige interessante oder heftig diskutierte Beiträge" versammelt.
Der Blickwinkel ist hierbei politisch-gesellschaftskritisch, die Perspektive weit, fächerartig ausgebreitet, quasi ein Blick von oben, der sich dann und wann ans Konkrete zoomt. Die Texte haben zumeist Essaycharakter, stellen häufig philosophisch geprägte Diskurse dar. Ganz klar ist dieses Buch weder auf Praxiskonzepte noch auf ein hohes Maß an (quantitativer) Empirie ausgelegt – es stellt eher eine Auswahl von Hintergrundbeiträgen dar, die in ihrer gehaltvollen und oft kritischen Auseinandersetzung mit Phänomenen unserer Gesellschaft durchaus – in gekürzter Version – im Feuilleton von "Die Zeit" platziert sein könnten. Gelehrt kommt der Sprachduktus daher – anstrengend fände es vielleicht der Pragmatiker. Es gibt zwischen einzelnen Beiträgen jedoch deutliche Unterschiede –jedem Autor wurde sein Stil gelassen, wo doch an manchen Stellen eine glättende, integrierende Hand gut getan hätte.
Die Beiträge des Buches sind fünf Gruppen zugeordnet, die im Inhaltsverzeichnis jedoch nicht benannt sind und so aus den teils abstrakt anmutenden Titeln selbst geschlussfolgert werden müssen. Didaktisch also nicht gerade eine Höchstleistung. Besonders die Texte zum ersten Bereich "Subjektkonstruktion" haben theoretischen Aufsatzcharakter – die Beiträge zu den Themen "Arbeit" und "Gemeinschaftsbildungen" wirken anschaulicher und arbeiten häufig Ergebnisse qualitativer Untersuchungen ein; Interviewexzerpte oder Beobachtungen dienen als Illustrationsmittel.
Vielfach wird Bezug auf Tele- und IT-Arbeit genommen. Spannend ist etwa die Untersuchung sogenannter "latenter idealer temporaler Muster", die aufzeigt, dass diese Muster deutlich konservativer und herkömmlicher ausfallen, als dies in der Debatte um Zeitflexibilisierung immer wieder behauptet wird! Die "Jederzeit-bereit-Mentalität" sei eine Verkennung der menschlichen Natur. Auch die Wirkung medialer Ereignisse wie das Sendekonzept Big Brother auf die Selbstinszenierung gerät in den Blick. Am Puls der Zeit... und Medienkritik gehört zum Standardrepertoire intellektueller Diskurse.
Der politischen Dimension im engeren Sinne widmet sich Teil IV mit Fokus auf das Spannungsfeld nationaler Identitäten und globaler Herausforderung. Hierbei wird mehrfach auf die FPÖ in Österreich Bezug genommen, nicht zuletzt wohl, weil der Kongress in Kooperation mit dem Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der TU Wien stattfand. Teil V zu guter Letzt besteht aus einem einzelnen Kapitel, das einen Blick in die Zukunft wagt – Visionen des Individuums von morgen.
Insgesamt lässt sich Spannendes aus diesem Buch herauspicken, um den Blick für das große Ganze zu behalten. Nicht alle Beiträge sind gleichermaßen ansprechend, auch das Layout ist nicht gerade Leselust stimulierend. Dennoch ein für gesellschaftlich Interessierte facettenreiches und das Denken anregendes Buch.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Claudia Gerhardt, Redaktion "Wirtschaftspsychologie-aktuell")
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(cg 07.04.2004) |
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