|
| Themenliste Literatur |
 |
Führung |
Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden. |
Wer denkt, dass er nach der Lektüre den "Durchblick" zum Thema Führung und Innovation hat, dem kann ich vom Kauf abraten. Aber wer verstehen will, welche Kräfte beim Zusammenspiel von Führung und Innovation wirken, dem verspreche ich, dass er nicht enttäuscht sein wird. Mit der Aufbereitung des Grundlagenwissens zum Thema Führung verschafft der Autor dem Leser einen guten Einstieg. Es fällt nicht schwer zu erkennen, dass hier kein Patentrezept für Führungsverhalten angeboten wird. Vielmehr scheint es darauf anzukommen, dass Führungsstil und Situation zueinander passen, also den richtigen "Fit" haben. Je größer der Fit, je größer der Erfolg und desto mehr Raum für Innovation.
Dieser Raum ist für jedes Unternehmen absolut notwendig, um in der heutigen schnelllebigen Zeit mit immer stärker werdendem Wettbewerb zu überleben. Denn Innovationen führen zur Verbesserung von Produkten und Dienstleistungen, die der interne und externe Kunde immer stärker fordert.
Nun stellt sich der Leser sicher die Frage, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um die Umsetzung neuer Innovationen zu ermöglichen. Diese Frage lässt Gebert nicht unbeantwortet: Für den Geführten bedeutet dies, dass er die Situation im ersten Schritt als veränderungsbedürftig und im zweiten Schritt als kontrollierbar erkennen muss. Wichtig sind außerdem personale Faktoren wie handlungsbezogenes Selbstvertrauen. Aber nicht nur das Vertrauen in sich selbst, sondern auch das Vertrauen in den Führenden, die Wahrnehmung von Fairness und Gerechtigkeit sind von zentraler Bedeutung.
Besonders interessant finde ich Geberts Überlegungen, wie Führende mit Dilemma-Konstellationen umgehen sollen. So soll Führung Neues erproben, aber an Alt-Bewährten festhalten. Oder es soll aus Effizienzgründen Personal abgebaut werden, anderseits benötigt der Führende Personal, das über Erfahrung verfügt und sich aus Innovationsgründen mit der Arbeit identifiziert. Wie ist es möglich, solche - auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinenden - Anforderungen im Handeln auszubalancieren? Ist der Kompromiss oder eher die Strategie der Kombination sinnvoller? Auch hier werden mehrere Wege beschrieben, die zum Ziel führen können. Das Buch bietet dem interessierten und vielleicht sogar betroffenen Praktiker die Möglichkeit, sich näher mit der Problematik auseinander zu setzen und die Ausführungen des Autors - zum Beispiel: zum Sowohl-als-auch-Denken - zur eigenen Lösungsfindung zu nutzen.
Nachdem das Thema des Buches "Innovation und Führung" sehr ausführlich, gut ineinander verzahnt und für mein Empfinden abschließend dargestellt wurde, erscheint das nächste Kapitel an dieser Stelle etwas verloren. Die Thematik der transformationalen beziehungsweise visionär-charismatischen Führung gehört für mich zu den personalistischen Führungstheorien. Das Schlusskapitel über individuelles und organisationales Lernen, das die Grundlage für die Umsetzung von Innovation und Führung erläutert, hätte ich mir am Anfang gewünscht.
Fazit: Dieses Lehrbuch stellt den derzeitigen Stand der Wissenschaft dar, unterstreicht das Geschriebene mit Abbildungen und Tabellen - die aus meiner Sicht oft einer weiteren Erklärung bedürfen - und zieht Schlüsse für den Praktiker daraus. Alles in allem ein fundiertes Buch, dass seinem Anspruch "die Umrisse der Theorie einer innovationsförderlichen Führung als Ganzheit erkennbar werden zu lassen" sicherlich gerecht wird.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Heike Braun, Redaktion Wirtschaftspsychologie-aktuell)
|
(Heike Braun 08.04.2004) |
|