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"Managen Frauen anders als Männer? Gibt es möglicherweise einen weiblichen Managementstil, der sich vom männlichen unterscheidet, müssen wir unsere Methoden umschreiben?" – so fragt von Kutzschenbach in der Einleitung (S. 5) zur zweiten aktualisierten und durch Statements von Politikerinnen wie Heide Simonis, Dr. Silvana Koch-Mehrin, Ute Vogt sowie ein Gespräch mit dem Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther erweiterten zweiten Auflage.
Er will sein Buch verstanden wissen als Anregung zur Diskussion über diese kontroverse Fragestellung im Rahmen des derzeit im Focus des Interesses stehenden Diversity-Managements. Kutzschenbach verfolgt mit seinem Buch folgende Ziele (S.13):
- Beobachtungen und Theorien über die Verhaltensweisen des männerdominierten Managements aufzeigen,
- Lösungsansätze für Frauen anbieten, die mit ihrer weiblichen Prägung in einer männlichen Kultur Karriere machen wollen,
- Männern im Management Hinweise geben, wo Potenziale weiblicher Führungskräfte liegen, die Männer möglicherweise gar nicht wahrnehmen.
Im zweiten Kapitel seines Buches entwickelt er ohne streng wissenschaftlichen Anspruch sein Erklärungsmodell für die wesentlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau im allgemeinen und als Manager bzw. Managerin im besonderen. Er verwendet dabei das evolutionsbiologische Modell der steinzeitlichen Urhorde, um grundsätzliche Unterschiede in den Rollen und Verhaltensweisen von Mann und Frau im Managementleben unserer Tage zu deuten. Auf S. 52 fasst er diese Unterschiede tabellarisch zusammen, geordnet nach folgenden Kriterien:
Sexuelle Attraktivität, Motivation, Kommunikation, Konfliktaustragung, Arbeit in der Gruppe, Verhalten in der Gruppe, Führung, Bewältigung von Aufgaben, Beziehung zum Körper, Gefühle, Arbeitsweise.
Dieses Erklärungsmodell wird in den folgenden Kapiteln vertieft:
In Kapitel 3 fordert er situatives Führen als den heutzutage erforderlichen Managementstil und bescheinigt weiblichen Managerinnen aufgrund ihres Gespürs für Stimmungen, ihrer Empathie und mehrdimensionalen Wahrnehmungsfähigkeit ein größeres Geschick als den männlichen Pendants mit ihrem eindimensionalen , fokussierten und machtorientierten Denkens.
Nach der Darlegung der entscheidenden Kriterien für Karriere in großen Organisationen (reibungslose Zielerreichung bzw. Übererfüllung/exzellenter Auftritt/Rückendeckung und Unterstützung durch einen Mentor/innovative Ideen und Initiativen) und einem kurzen Ausflug in neuzeitliche gruppendynamische Erkenntnisse beschreibt er in Kapitel 4 die Managerkonferenz, die "Königsdisziplin des Managens"(S.152), als einziges großes Hackordnungsgerangel und gibt zahlreiche taktische Tipps, wie sich weibliche Managerinnen verhalten sollten, um keinen Schaden zu nehmen, sich zu positionieren und ihre Ideen einzubringen. Von diesen Hinweisen und den Ausführungen zum Umgang mit Störern bei Präsentationen profitieren sicherlich auch Männer.
Das fünfte Kapitel , überschrieben mit "Teamkulturen, Netzwerke und Männergeheimbünde", liefert Hinweise, wie Frau diese Kulturen sowie deren Rituale durchschauen, sich in Netzwerke integrieren kann und wie sie es strategisch schafft, dass sie "...in der unterbewussten Registratur ihrer männlichen Kollegen nicht nur unter ‚F’ wie Frau abgelegt wird, sondern gleichzeitig auch unter ‚K’ wie Kompetenz (S.192)".
Dass Frauen und Männer anders sind, zeigt schlussendlich auch das sechste Kapitel des Buches mit der Beschreibung der Hürden und Chancen im Karrierewettlauf der Geschlechter in unterschiedlichen Lebensphasen. Im siebten Kapitel zieht Kutzschenbach folgende Schlüsse aus seinen Ausführungen, die ich hier mit meinen Worten wiedergebe:
- Frauen sind anders, Männer auch.
- Die Unterschiede und die darin begründeten Potenziale müssen gesehen, respektiert und integriert, keinesfalls verwischt werden. Es geht nicht um Gleichmacherei.
- Die Potenziale von Mann und Frau im Management zu nutzen, heißt effizient und zukunftsorientiert handeln lernen.
- Mann und Frau im Management müssen noch viel dazu lernen. Sie tun dies, wenn sie im Gespräch bleiben.
- Kluges Diversity Management kann einen wertvollen Beitrag dazu leisten.
Im Zuge seiner Darlegungen in den einzelnen Kapiteln zieht er vier Interviews mit Diversity-Managerinnen der Deutschen Bank (Aletta Gräfin von Hardenberg), der Lufthansa (Monika Rühl), der Deutschen Telekom (Maud Pagel) und von DaimlerChrysler (Isolde Scheer-Pauli) zur Untermauerung seiner Thesen heran.
Trotz oder vielleicht gerade wegen des Anspruchs des Autors keine streng wissenschaftliche Abhandlung zu schreiben, liest sich das Buch spannend. Zahlreiche plastische Beispiele und die Interviews lockern auf. Kutzschenbach hält Männern und Frauen aus seiner männlichen Sicht den Spiegel vor. Er will weder Frauen zu Amazonen noch Männer zu `Frauenverstehern´ erziehen, sondern er wünscht sich einen klaren Blick für die Potenziale des jeweils anderen Geschlechts und einen respektvollen Umgang untereinander. Er lädt ein, seine Thesen im Managementalltag zu überprüfen und den oft brutalen Kampf der Geschlechter in einen spielerischen Kampf zum Wohle des Einzelnen und des großen Ganzen überzuführen. Insgesamt betrachtet eignet sich das Buch gut für den lockeren und unverbissenen Einstieg in die Mann-Frau-Management-Debatte.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Reinhard Fukerider) |
(fukerider.coaching 16.07.2004) |
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