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Selbstmanagement |
Nur wer sich selbst führen kann, der vermag auch andere zu führen. Alles zum Thema Selbstmanagement, Selbstcoaching, Zeitmanagement etc. |
Der Name ist Programm: Csikszentmihalyi ist der (!) Flow-Forscher. Jetzt will er uns verraten, wie wir alle Flow im Beruf erleben können. Na, wen interessiert das nicht?
Der Meister ließ Führungskräfte befragen, was für sie das Wichtige im Leben ist, warum sie wie arbeiten und warum nicht anders. Eine Exploration mit Tiefeninterviews also. 39 "visionäre Führungskräfte", namentlich aufgeführt, davon waren die meisten Männer im Alter zwischen 50 und 65 Jahren. Heraus kommt bei solcherlei Forschung in der Regel ein Wust an Zitatensammlung, unlesbar. Als Punkt eins bleibt daher zunächt festzuhalten: das Buch ist nicht langweilig geschrieben. Hier hat das Lektorat, der Ghostwriter oder wer auch immer richtig viel Mühe und Schweiß investiert, ein lesbares Buch zu verfassen. Es gibt drei große Teile: Flow und Glückserfahrung, Flow und Organisation, Flow und die Persönlichkeit. Die Teile sind in je zwei bis vier Kapitel unterteilt. Den Abschluss bildet ein Anmerkungsapparat, ein Literaturverzeichnis, ein Personen- und ein Sachregister - ein Hardcover, das schön in der Hand liegt.
Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht scheinen Geld und materieller Besitz oberhalb einer Mindestschwelle das Glück eines Menschen nicht zu steigern, so der Autor. Menschen suchen vielmehr intensive Beziehungen, Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Auch Optimismus, ein Job und stabile politische (demokratische) Verhältnisse scheinen Glück zu ermöglichen. Der Autor spendet viel Labsal für unterbezahlte Menschen... indem er sie aufwertet auf einen nichtmonetären Skala. Nur ein in einem Höchstmaß differenzierter und integrierter Mensch, ein komplexes Individuum, hat die besten Aussichten darauf, ein glückliches, vitales und sinnerfülltes Leben zu führen, so das Credo. Und, um erfolgreich zu sein, muss es einem Freude machen, sein Bestes zu geben und damit zugleich etwas zu leisten, das über die eigene Person hinausreicht.
Dann kommen die Geschichten von Leuten, die "ihr Ding" durchgezogen haben. Und das konnten sie, weil sie Flow erlebt haben, ganz bei sich waren und zugleich unbegrenzt aufgingen in ihrer Arbeit, wie die Extremkletterer beispielsweise, die Tüftler und Forscher, die Musiker: Sie haben ein Ziel, sie bekommen sofortige Rückmeldung im Tun, ihre Handlungsmöglichkeiten und ihre Fähigkeiten entsprechen einander, ihre Konzentration ist gesteigert, es zählt nur die Gegenwart, sie beherrschen die Situation, ihr Zeitgefühl ist verändert, das Ich-Bewusstsein setzt aus - dann herrscht Flow. Als Zusammenfassung seiner Theorie präsentiert der Autor eine Grafik, er trägt Anforderungen rechtwinklig gegen Fähigkeiten auf: Hohe Anforderungen bei niedrig wahrgenommenen Fähigkeiten erzeugt Angst. Umgekehrt: Hohe Fähigkeiten bei niedrigen Anforderungen führt zu Langeweile. Flow entsteht, wenn beide Dimensionen hoch ausgeprägt sind. Zwei weitere, differenziertere Varianten dieser Grafik dürften gar manchem Leser als Fazit dieses Buchs reichen. Doch da haben wir erst 100 Seiten hinter uns...
Neben den vielen Zitaten wichtiger Männer und Frauen, vom Sportler, über den innovativen Frickler bis zum Microsoft-Manager ist alles (gleichgültig) dabei, stellt und beantwortet der Autor so manche (laien-) philosophische Frage wie zum Beispiel: Wie kommt es, dass Menschen das, was sie glücklich macht, lieber nicht tun würden? Das liegt einerseits an unserer Kultur, die Spaß höher bewertet als Freude, anderseits liegt es an unserer Welt, an unseren Arbeitsplätzen, dass sie viel zu oft Langeweile oder Angst erzeugen, statt Flow ermöglichen. Das lässt sich jetzt wunderbar über viele Seiten als Teil 2 auswalzen, wie unsere Arbeitsplätze besser aussehen müssten, damit sie Flow fördern. Dito das Thema Persönlichkeit (Teil 3). Es wird dem Leser dabei nicht wirklich langweilig. Aber, wenn er sich mit den Themen Organisation, Arbeitsgestaltung, Personalmanagement et cetera auch nur ein wenig auskennt, wird er nicht wirklich Neues dabei erfahren - bis auf ein paar Pointen und Bonmots, die ja immer abfallen.
So langsam liest man sich so in eine tiefe Trance ein: das Leben könnte so entspannt - und spannend zu gleich - sein. Und vor allem: es ist gut. Ein zufriedenes, versöhntes Lächeln kann sich breit machen, dies hatte man bei der Lektüre von Malik - führen, leisten, leben - doch irgendwie vermisst...
Nun, Csikszentmihalyi hat ja noch ein halbes Dutzend Bücher geschrieben, in denen es auch immer um das gute Leben, um Sinn, Glück und Flow geht. Wenn man eins gelesen hat, kennt man wahrscheinlich auch die anderen. "Ganz entspannt im hier und jetzt" - ist nicht von ihm, aber ich würde das heute glatt noch einmal lesen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers, Chefredakteur "Wirtschaftspsychologie aktuell")
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(thw 18.07.2004) |
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