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  Buchbesprechung


Grundwissen für die berufsbezogene Eignungsbeurteilung nach DIN 33430


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Karl Westhoff et al. (Hrsg.)
(2004)
Pabst Science Publishers, ISBN: 3899671252


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Personalauswahl, Potenzialanalyse, Diagnostik

Themenliste Literatur
Potenzialanalyse   "Der richtige Mann am richtigen Ort" lautet das Ziel eines jeden diagnostischen Verfahrens. Hier gibt es Bücher, die sich mit dem Versuch beschäftigen, Potenzial zu erfassen und zu bewerten.

Die DIN 33430 beschreibt Anforderungen an Verfahren der berufsbezogenen Eignungsbeurteilung und soll der Verbesserung der Qualität in Personalauswahl und Personalentwicklung dienen. Die Norm versucht die Brücke zwischen wissenschaftlichen Standards der Eignungsdiagnostik auf der einen und der vielgepriesenen Menschenkenntnis und dem Bauchgefühl von Personalern und Beratern auf der anderen Seite zu schlagen. Ob eine DIN dafür geeignet ist, soll hier nicht diskutiert werden, da es hier nicht um die Sinnhaltigkeit einer solchen Norm gehen kann, sondern ein Buch besprochen werden soll, welches die Wissensgrundlagen für die berufsbezogene Eignungsdiagnostik systematisch darlegen will. Immerhin sei zum Hintergrund der DIN kurz erwähnt, dass der Antrag zur Norm bereits 1995 bei der DIN e.V. vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen gestellt wurde und das vorliegende Buch vom Testkuratorium der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen herausgegeben wurde. Dementsprechend fühlt sich der Leser, soweit er ein Diplom-Psychologiestudium hinter sich gebracht hat, auch gleich in das Grundstudium zurückversetzt: Deskriptive Statistik, Methodenlehre, Testtheorie, etc.

Wie ist das Buch nun aufgebaut? Nach einer trockenen und klaren Einführung (Kapitel 1) in die rechtlichen Rahmenbedingungen zur DIN und den Qualitätsstandards verschiedener Interessensverbänden, die eine wichtige Rolle in der Diskussion um die Eignungsdiagnostik spielen, geht es gleich um die Grundlagen der empirschen Sozialforschung: Verhaltensbeobachtung und Verhaltensbeurteilung heißt daher das zweite, ca. 50 Seiten starke Kapitel. Dabei geht es u.a. um so grundlegende Dinge wie die Unterscheidung zwischen Wahrnehmung, Registrierung und Beurteilung über Fragen der Operationalisierung, Dokumentation, verschiedene Formen der Ratingverfahren (5- oder 7-stufige Skala?), bis zu Beobachtungsfehler und Gütekriterien. Die einzelnen Themen werden knapp und einfach beschrieben. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob ein in den empirischen Sozialwissenschaften geschulter Leser diese Auffrischung wirklich braucht bzw. ob ein nicht so geschulter Leser mit den knappen Erläuterungen die Relevanz und die Konsequenzen abschätzen sowie die Anwendung dieses Wissen in der Praxis leisten kann. Dabei gibt es sicherlich Themen, die auch ohne größere methodischen Kenntnisse eingängiger sind (z.B. das Kapitel über Ratingverfahren), und andere Themen (z.B. Intervallskalenniveau und die Konsequenzen auf die Bewertung von Beobachtungen), die in der Praxis häufig genug auch von Profis geflissentlich ignoriert werden. Das Kapitel 3 (ca. 15 Seiten) beschäftigt sich mit dem Einstellungsinterview und stellt verschiedene Formen des Interviews sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen für Einstellungsinterviews vor. Hier dürfte es dem Praktiker leichter fallen, die Anforderungen mit seiner täglichen Praxis zu vergleichen. Das vierte Kapitel ist dann wieder etwas komplexer, da es hier um das weite Feld der Arbeitsanalyse (= Merkmale der Aufgaben bzw. des Arbeitsplatzes) und Anforderungsanalyse (= personenrelevante Voraussetzungen) in der Eignungsbeurteilung geht. Die DIN 33430 geht zum Beispiel davon aus, dass eine Arbeitsanalyse eine Voraussetzung für die Eignungsbeurteilung darstellt. Welche verschiedenen Methoden es für beide Analysen gibt, wird gewohnt einfach und klar dargestellt. Ziel an dieser Stelle kann natürlich nicht die Vermittlung der Fachkompetenz sein, die zur Durchführung entsprechender Analysen notwendig wäre. Ziel ist es eher den Blick auf die Möglichkeiten, Erfordernisse und die Qualitätsanforderungen an diesem Bereich der Eignungsbeurteilung zu richten.

Im Kapitel 5 (ca. 45 Seiten) geht es dann so richtig in die Vollen der emprischen Methodenlehre, da hier die psychometrischen Grundlagen der Eignungsbeurteilung behandelt werden. Hier wird zum einen einiges zum Thema Methodenlehre wiederholt, was bereits vorher im Buch kurz dargestellt wurde, zum anderen wird hier der Leser u.a. noch einmal im Schnelldurchgang durch die statistischen Grundlagen, die klassische Testtheorie sowie das Rasch-Modell geschleust. Das abschließende sechste Kapitel beschäftigt sich mit der Evaluation von Eignungsbeurteilung.

Falls Sie in der Rezension den Hinweis auf den Text der DIN 33430 vermissen, so liegt das daran, dass der Text (aus welchen – rechtlichen? - Gründen auch immer) nicht abgedruckt wurde – zumindestens nicht auf deutsch. Die englische Fassung der DIN 33430 dagegen ist als 28seitiger Anhang abgedruckt.

Wem sei nun dieses Buch empfohlen? Dem Praktiker? Dem Forscher? Dem Unternehmen? Die Hauptzielgruppe ergibt sich wohl am ehesten durch die eine kurze Passage am Anfang des Buches, in dem das bereits oben als Herausgeber erwähnte Testkuratorium über sich schreibt: "Das Testkuratorium hat eine Lizenzprüfungsordnung entwickelt, ... Damit kann nun jeder Eignungsbeurteiler die zentrale schriftliche Lizenzprüfung ablegen und so die Lizenz für die Arbeit nach der DIN 33430 erwerben, ..." Also sollten zumindest all diejenigen Personaler und Berater sich dieses Buch anschaffen sowie den ein oder anderen erläuternden Kurs belegen, die sich als DIN-zertifizierte Eignungsbeurteiler den Lebensunterhalt verdienen wollen.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Jörg Middendorf, MWonline-Partner Personal Balance)

(jm 10.08.2004)

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