myMWonline Blog Seminare Marktplatz MW-News
Sitemap
  

Wer beherrscht die Unternehmen?



Shareholder Value, Managerherrschaft und Mitbestimmung in Deutschland
Buchbesprechung

Hier klicken für mehr Infos ...



Höpner, Martin
(2003)
Campus Verlag, ISBN: 3593372665


Unsere Bewertung:   

Hier klicken für mehr Infos ...
Schlagworte:
Shareholder Value, Unternehmensführung
Themenliste Literatur
Arbeitswelt   Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen

Rezension:

Im Mittelpunkt der überarbeiteten Dissertation von Martin Höpner steht die zunehmende Bedeutung des Shareholder Value Ansatzes für deutsche Unternehmen. Gerade das deutsche System, traditionell durch hohe Regulierung, zentrale Lohnfindung und ausgeprägte Mitbestimmung geprägt, scheint auf den ersten Blick wenig vereinbar mit einer vornehmlich am Aktionär orientierten Unternehmenspolitik. Der Autor zeigt nicht nur auf, warum eine Umorientierung der deutschen Unternehmenspolitik unvermeidbar und sinnvoll ist, er dokumentiert auch, dass viele befürchtete Interessenkonflikte ausbleiben, und es stattdessen zu einer Annäherung, beispielsweise von Unternehmensleitung und Gewerkschaften kommt.

Die Tatsache, dass diesem Buch eine wissenschaftliche Arbeit zugrunde liegt, impliziert bereits ein gewisses Niveau. Freunde einfacher Formulierungen sollten auf alle Fälle das Fremdwörterlexikon in Reichweite haben. Abgesehen davon erfreuen den Leser eine klare, logische Gliederung und eine hervorragend strukturierte, ausführliche Argumentation. So konnte auch die eher personalwirtschaftlich orientierte Rezensentin mühelos folgen.

Im ersten Teil entwickelt der Autor basierend auf 4 Indikatoren ein Verfahren zur Messung der Shareholder Value Orientierung deutscher Großunternehmen und stellt eine entsprechende Rangliste auf. Als Kennziffern spielen externe Unternehmenskommunikation und renditeorientierte Managervergütung eine zentrale Rolle.

Im zweiten Teil diskutiert Höpner die Ursachen für zunehmende Shareholder Value Orientierung in Deutschland und widmet sich zunächst externen Faktoren.
  1. Internationalisierung der Gütermärkte
  2. Druck zunehmend institutioneller Anleger, vornehmlich internationaler Fondgesellschaften
  3. Steigendes Übernahmerisiko, geprägt durch veränderte Gesetzgebung und sinkende Loyalität der Kapitalgeber
Im dritten Teil analysiert der Autor drei interne Faktoren, die eine Shareholder Value Politik prägen.
  1. Veränderung der Karrieremuster deutscher Topmanager, weg von Hauskarrieren zu einer Marktöffnung, zunehmend variable Vergütungsorientierung an Renditezielen
  2. Rückzug deutscher Banken aus Aufsichtsräten der Unternehmen, stattdessen Fokussierung auf den Investmentbereich
  3. Interessenverlagerung der Arbeitnehmervertretung weg von gesamtpolitischen Zielen zugunsten einzelwirtschaftlich unternehmerisch orientierter, Annäherung von Arbeitnehmern an Arbeitgeberziele
Zur Untermauerung seiner Thesen führt der Autor durchgehend sehr informative Beispiele aus der deutschen Unternehmenspraxis an, wie die lange Verdeckung der roten Zahlen beim Holzmann Konzern, ermöglicht durch das vielseitig anwendbare deutsche Bilanzierungsrecht. Höpner zitiert oder erstellt selbst diverse Statistiken zur Verdeutlichung seiner Darstellungen. Einzig seine Belege für eine Angleichung von Unternehmens- und Gewerkschaftsinteressen konnten mich nicht überzeugen. Die vermehrte Ausgabe von Belegschaftsaktien muss nicht zwingend mit einem Gesinnungswechsel einhergehen, wie Höpner es andeutet. Auch seine Ergebnisse von Umfragen in Unternehmen auf zukünftiges Handeln der Interviewten zu übertragen, ist gewagt. Hat doch die empirische Sozialforschung hinreichend bewiesen, dass Umfrageergebnisse keineswegs mit anschließendem Verhalten korrelieren müssen.

Insgesamt zeigt der Autor immer wieder interessante Verflechtungen auf, und es bieten sich dem Leser diverse Ansätze zum Nachdenken, wie zum Beispiel über die veränderten Qualifikationsansprüche an heutige Topmanager und Möglichkeiten, die deutsche Universitäten hier bieten, oder auch nicht. Inwieweit sich das von Höpner dargestellte Eindringen des Marktes in Produktion, Arbeit und Gesellschaft fortsetzt, bleibt abzuwarten.

Wer sich für die komplexen Zusammenhänge und Entwicklung deutscher Unternehmens- und Wirtschaftspolitik vor dem Hintergrund internationaler Einflüsse interessiert, sollte auf alle Fälle seine Zeit in dieses Buch investieren.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Melanie Cordini)

(Melanie Cordini 03.09.2004)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

Andere Leser haben diese Rezension so beurteilt:
BewertungAnzahl
lässt keine Wünsche offen

Buchbesprechung versenden  Diese Buchbesprechung per e-mail versenden
  Diese Seite als PDF öffnen und optimal drucken oder versenden

Weitere Buchbesprechungen dieses Rezensenten:

Alexandra Düntgen Mitarbeiterführung und Wertewandel
Birkenbihl, Vera F. Kommunikation für Könner ...schnell trainiert
Blanchard, Ken / Stoner, Jesse Full Steam ahead – volle Kraft voraus
Covey, Stephen R. Die sieben Wege zur Effektivität
Elham, Sohel Interkulturelle Kompetenz im Unternehmen
Gassmann, Oliver (Hrsg.) Praxiswissen Projektmanagement
Grundmann, Dirk Der Turnover – Der freiwillige berufliche Wechsel
Kanter, Rosabeth Moss On the Frontiers of Management
Klein, Zamyat M. Das tanzende Kamel
Knapp, Peter Konflikte lösen in Teams und großen Gruppen
Knoblauch, Jörg / Kunz, Jürgen Die besten Mitarbeiter finden und halten
Myers, David G. Psychologie
Neuhold, Yvonne Innere Kündigung
Nowotny, Valentin Praxiswissen Coaching
Pinnow, Daniel F. Elite ohne Ethik?
Polt, Wofgang / Rimser, Markus Aufstellungen mit dem Systembrett
Schnarrer, J. Michael Arbeit und Wertewandel im postmodernen Deutschland
Schwuchow, Karlheinz / Gutmann, Joachim Jahrbuch Personalentwicklung 2005
Templeton, Tim Networking, das sich auszahlt
Warschburger, Petra Beratungspsychologie
Wegener, Robert / Fritze, Agnes / Loebbert , Michael Coaching entwickeln
Wunderer, Rolf / Dick, Petra Personalmanagement – Quo Vadis?
Wölkner, Matthias So reden Chefs