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Arbeitswelt |
Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen |
Rezension:
Im Mittelpunkt der überarbeiteten Dissertation von Martin Höpner steht die zunehmende Bedeutung des Shareholder Value Ansatzes für deutsche Unternehmen. Gerade das deutsche System, traditionell durch hohe Regulierung, zentrale Lohnfindung und ausgeprägte Mitbestimmung geprägt, scheint auf den ersten Blick wenig vereinbar mit einer vornehmlich am Aktionär orientierten Unternehmenspolitik. Der Autor zeigt nicht nur auf, warum eine Umorientierung der deutschen Unternehmenspolitik unvermeidbar und sinnvoll ist, er dokumentiert auch, dass viele befürchtete Interessenkonflikte ausbleiben, und es stattdessen zu einer Annäherung, beispielsweise von Unternehmensleitung und Gewerkschaften kommt.
Die Tatsache, dass diesem Buch eine wissenschaftliche Arbeit zugrunde liegt, impliziert bereits ein gewisses Niveau. Freunde einfacher Formulierungen sollten auf alle Fälle das Fremdwörterlexikon in Reichweite haben. Abgesehen davon erfreuen den Leser eine klare, logische Gliederung und eine hervorragend strukturierte, ausführliche Argumentation. So konnte auch die eher personalwirtschaftlich orientierte Rezensentin mühelos folgen.
Im ersten Teil entwickelt der Autor basierend auf 4 Indikatoren ein Verfahren zur Messung der Shareholder Value Orientierung deutscher Großunternehmen und stellt eine entsprechende Rangliste auf. Als Kennziffern spielen externe Unternehmenskommunikation und renditeorientierte Managervergütung eine zentrale Rolle.
Im zweiten Teil diskutiert Höpner die Ursachen für zunehmende Shareholder Value Orientierung in Deutschland und widmet sich zunächst externen Faktoren.
- Internationalisierung der Gütermärkte
- Druck zunehmend institutioneller Anleger, vornehmlich internationaler Fondgesellschaften
- Steigendes Übernahmerisiko, geprägt durch veränderte Gesetzgebung und sinkende Loyalität der Kapitalgeber
Im dritten Teil analysiert der Autor drei interne Faktoren, die eine Shareholder Value Politik prägen.
- Veränderung der Karrieremuster deutscher Topmanager, weg von Hauskarrieren zu einer Marktöffnung, zunehmend variable Vergütungsorientierung an Renditezielen
- Rückzug deutscher Banken aus Aufsichtsräten der Unternehmen, stattdessen Fokussierung auf den Investmentbereich
- Interessenverlagerung der Arbeitnehmervertretung weg von gesamtpolitischen Zielen zugunsten einzelwirtschaftlich unternehmerisch orientierter, Annäherung von Arbeitnehmern an Arbeitgeberziele
Zur Untermauerung seiner Thesen führt der Autor durchgehend sehr informative Beispiele aus der deutschen Unternehmenspraxis an, wie die lange Verdeckung der roten Zahlen beim Holzmann Konzern, ermöglicht durch das vielseitig anwendbare deutsche Bilanzierungsrecht. Höpner zitiert oder erstellt selbst diverse Statistiken zur Verdeutlichung seiner Darstellungen. Einzig seine Belege für eine Angleichung von Unternehmens- und Gewerkschaftsinteressen konnten mich nicht überzeugen. Die vermehrte Ausgabe von Belegschaftsaktien muss nicht zwingend mit einem Gesinnungswechsel einhergehen, wie Höpner es andeutet. Auch seine Ergebnisse von Umfragen in Unternehmen auf zukünftiges Handeln der Interviewten zu übertragen, ist gewagt. Hat doch die empirische Sozialforschung hinreichend bewiesen, dass Umfrageergebnisse keineswegs mit anschließendem Verhalten korrelieren müssen.
Insgesamt zeigt der Autor immer wieder interessante Verflechtungen auf, und es bieten sich dem Leser diverse Ansätze zum Nachdenken, wie zum Beispiel über die veränderten Qualifikationsansprüche an heutige Topmanager und Möglichkeiten, die deutsche Universitäten hier bieten, oder auch nicht. Inwieweit sich das von Höpner dargestellte Eindringen des Marktes in Produktion, Arbeit und Gesellschaft fortsetzt, bleibt abzuwarten.
Wer sich für die komplexen Zusammenhänge und Entwicklung deutscher Unternehmens- und Wirtschaftspolitik vor dem Hintergrund internationaler Einflüsse interessiert, sollte auf alle Fälle seine Zeit in dieses Buch investieren.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Melanie Cordini)
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(Melanie Cordini 03.09.2004) |
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