Alexa Mohl, Autorin des "Zauberlehrlings", legt mit dem Meisterschüler die Fortsetzung ihres Bestsellers vor. Dr. Alexa Mohl arbeitet als selbstständige Beraterin, Führungstrainerin und Coach.
Im Zauberlehrling II findet der Leser Informationen über die Arbeit mit Trance, zur Verwendung hypnotischer Sprache, Metaphernarbeit, Time-Line sowie Vorgehensweisen für die Vermittlung bei Konflikten auf NLP- Basis. Entstanden ist das Buch, wie sein Vorgänger auch, indem die Kenntnisse und Erfahrungen, die die Autorin in Beratung und Ausbildung gesammelt hat, zu einem Lehrbuch zusammengefasst wurden. Einige Jahre nach dem ersten Teil hatte sich, so die Autorin, wieder so viel Stoff gesammelt, soviel Neues ergeben aus der Arbeit mit NLP, dass eine Fortsetzung nur konsequent war. Entstanden sind 6 Kapitel:
Kapitel 1 geht auf die Wahrnehmung von NLP in der Öffentlichkeit ein. Kritische Fragen von Philosophen und Wissenschaftlern werden aufgegriffen und ausführlich ohne Scheu vor Selbstkritik diskutiert. Daraus entwickelt sich eine gut zu lesende Einleitung, die eine anschauliche Debatte ausbreitet, dem Leser noch einmal die Grundlagen des NLP, sein Menschenbild, die Kommunikationsstrategien und die Prinzipien der Veränderungsarbeit darstellt. So ist der Zauberlehrling II auch ohne Kenntnis seines Vorgängers gut zu lesen.
Der erste inhaltliche Schwerpunkt (Kapitel 2) liegt auf der Arbeit mit Trance. In gewohnt einfühlsamer Weise begegnet Alexa Mohl gängigen Klischees und Vorurteilen auf diesem Feld und definiert Trance als: "Methode [...], um jemanden in einen anderen Bewusstseinszustand zu versetzen, in dem man persönliche Veränderungen auf eine sehr viel leichtere und wirksamere Weise erreichen kann als im bewussten Wachzustand." Der Trancezustand soll es dem Klienten ermöglichen, ohne bewusste Einschränkungen alle seine Ressourcen wahrzunehmen. Von entscheidender Bedeutung bei Arbeit mit Trancezuständen ist das im NLP "Milton-Modell" genannte Sprachmuster, mit dessen Hilfe indirekte Suggestionen = Verhaltensangebote (nicht Beeinflussungen) formuliert werden, um Einschränkungen des Bewussten zu umgehen. Die Anwendung dieser Muster wird in einer Vielzahl kurzer Übungen (für die man allerdings ein/zwei Partner benötigt) in kleinen Schritten vermittelt. Ein Aspekt ist bspw. die Entwicklung von Suggestionen, die im NLP verstanden werden als Angebote an das jeweilige Gegenüber.
Die Arbeit mit Suggestionen und Trance ist Ansichtssache, nicht zuletzt ist es sicherlich eine Frage des persönlichen Stils. Wer sich nicht für den Aspekt der Befragung des Unbewussten in der Klientenarbeit interessiert, der überblättert viele Seiten, denn es wird sehr ausführlich auf die Arbeit mit Trance, verschiedene Arten der Induktion, Umgang mit Störungen usw. eingegangen. Eine sicherlich weiterführende Technik stellt das Reframing (Umdeuten) in Trance dar, die ganz auf eine Kommunikation mit den unbewussten Teilen des Klienten zielt und keine Arbeitsform für Anfänger darstellt. Gerade beim Reframing, und das ist das Schöne am NLP, trifft man wieder auf alte Bekannte - Techniken aus dem Konfliktmanagement finden auch bei den Verhandlungen mit den inneren Teilen ihre Anwendung - etwa die Trennung von positiver Absicht und Verhalten. Leider wirft das Kapitel über Regressionen einen leichten Schatten über die ansonsten kongruente Darstellung. Die Rückführung in frühere Zustände anhand einer wieder kindlich gewordenen Handschrift nachzuweisen ist sicherlich nicht gerade geeignet, das Bild des NLP als effiziente Methode im Business-Bereich zu etablieren.
Kapitel 3 über die Arbeit mit Paaren stellt im Prinzip eine kürzere Form des Buches "Konflikte lösen mit NLP" von Lohmann dar (ebenfalls bei MWonline nachzulesen), da beide Darstellungen auf den gleichen Quellen beruhen. Anstatt zu wiederholen, wird an dieser Stelle auf die Lektüre der entsprechenden Rezension verwiesen, da gerade im Bereich der Konfliktarbeit die oft einfachen NLP-Methoden einige praktikable Formate bereithalten.
Kapitel 4 ist der Arbeit mit Metaphern gewidmet. Wie man (auch) an den immer wiederkehrenden Neuerscheinungen zum Storytelling sehen kann, muss diese Art des Umgangs mit Schwierigkeiten für viele Menschen einen Reiz ausmachen. Geschichten sollen, das ist auch der Tenor in diesem Buch, Probleme darstellen, Lösungen für diese Probleme aufzeigen und dem Zuhörer damit Möglichkeiten liefern, anders mit den schwierigen Dingen seines Leben umzugehen. Da Menschen sich aber ungern belehren lassen, bietet sich in Form der Arbeit mit Metaphern eine subtile, unaufdringliche Möglichkeit an. Man beachte nur den Erfolg einiger kleiner metapherös erzählter Bücher: "Who moved my cheese" und "Der Alchemist". Unter Metapher versteht man im NLP eine bildhafte Darstellung von etwas anderem, die dazu dient, den Zuhörer über einen Zusammenhang in Form von etwas anderem nachdenken zu lassen, um zu neuen Einsichten zu kommen. Da nicht direkt über das aktuelle Problem gesprochen wird, erzeugt das Erzählen (so die Annahme) einer Metapher weniger Widerstand. Drei Bedingungen sind beim Konstruieren einer Metapher zu beachten: Die Geschichte muss dem Problem strukturell ähnlich sein, es muss eine Lösung enthalten sein und sie sollte ökologisch, also dem Denkrahmen des Klienten angepasst sein. Im Folgenden wird in gewohnter Mischung aus Text/Übung auf die verschiedenen Arten und Formen von Metaphern eingegangen. Die Grundlagen zum Erstellen der ersten gezielten Metaphern werden anhand von Praxisbeispielen erläutert.
Über Sinn und Methode der Metaphernarbeit lässt sich streiten. Im Prinzip ist ja der Nutzen von Lösungsvorschläge, die von außen kommen, zu bezweifeln. Hier findet sich ein Mittelweg, nicht direkt Lösungen anzubieten, aber doch nicht sprachlos zu bleiben. Der eigene Vorschlag kommt in einer Metapher versteckt. Da Metaphern einen zentralen Aspekt in der Arbeit mit NLP einnehmen, doch in vielen Einführungen recht kurz behandelt werden, bieten sich die dezidierten Ausführungen von Alexa Mohl an, um sich eine fundierte Meinung zu bilden und sei es nur, um Tipps für die Erzählung der nächsten Gute-Nacht Geschichte zu bekommen. Es folgen eine Reihe von Beispielmetaphern, die allerdings, da eine Metapher individuell gestaltet sein soll, viele Seiten zum Überblättern anbieten und ein kurzes Kapitel über Metaphern im Berufsleben, die im Gegensatz zu therapeutischen Metaphern das Ziel haben, das Gegenüber zu überzeugen. Das ebenfalls eingeflochtene Persönlichkeitsmodell der Satir-Kategorien (nach Virginia Satir) geht in der Fülle eher unter und kommt zu kurz.
Kapitel 5 thematisiert das Bodenankern. Das Ankern, vor allem das kinästhetische Ankern, ist ein in der Öffentlichkeit eher problematisch wahrgenommenes Format des NLP, wenngleich es sehr erfolgreich eingesetzt werden kann. Mit Hilfe von Bodenankern ist es möglich, durch Einbeziehung von Positionen im Raum diese Arbeit zu erleichtern und zu intensivieren. Bestimmte Bodenpositionen stellen beispielsweise bestimmte Ressourcen dar, in die man "hineingehen" kann. So lässt sich etwa die relativ bekannte Walt-Disney-Strategie über verschiedene Plätze im Raum einüben. Weitere Formate mit Bodenankern beziehen sich auf die Arbeit mit den Neurologischen Ebenen. Neurologische Ebenen sind von Robert Dilts so benannte Verarbeitungsebenen des Gehirns. Mit ihrer Hilfe lassen sich Ressourcen, Ziele und Probleme genauer bestimmen. Den letzten Teil des relativ kurzen 5. Kapitels nehmen Übungen zur räumlichen Verankerung verschiedener Wahrnehmungspositionen ein.
Die Timeline-Arbeit (Kapitel 6) gibt den Grundsatz des NLP auf, nach dem es nicht darum geht, die Ursprünge eines Problems aufzudecken. Timeline-Arbeit versucht den Entstehungszusammenhang aufzudecken. Im Prinzip ist die Timeline ein Hilfsmittel, um einschränkende Erfahrungen in der Vergangenheit aufzufinden und Ressourcen für die Veränderungsarbeit in der Zukunft zu verankern. Dabei werden alle bekannten NLP Methoden herangezogen. Aber nicht nur die Vergangenheit, sondern auch zukünftiges Verhalten wird thematisiert. Unsere Zeitwahrnehmung ist sehr subjektiv. Wenn man Menschen bittet, ihre Zeitlinien zu visualisieren, lässt sich feststellen, dass es zwei unterschiedliche Grundformen gibt. Manche Menschen sehen den Zeitverlauf vor sich liegen und können von der Vergangenheit zur möglichen Zukunft blicken. Andere hingen sind "in der Zeit" d.h. die Zukunft liegt vor ihnen, die Vergangenheit hinter ihnen. Ausgehend von diesen Grundformen ergeben sich vielfältige Möglichkeiten mit der Zeitlinie zu arbeiten, die auf ca. 60 Seiten dargestellt werden.
Fazit: Der Meisterschüler ist ein Buch für Fortgeschrittene, das gut dargestellt Formate vertieft, die nicht Bestandteil der meisten Einführungen sind. Es beschränkt sich nach einem langen einleitenden Teil auf wenige Themen, was eindeutig ein Plus ist, denn im Gegensatz zu vielen anderen NLP Büchern wird man nicht sofort mit einer Flut von Modellen überwältigt und kann sich gut in die dargestellten Bereiche Trance, Arbeit mit Paaren, Metaphern, Bodenanker und Time-Line vertiefen. An manchen Stellen wirkt jedoch der immer gleiche Aufbau, der schnelle Wechsel von Text und Übung etwas ermüdend, so dass der Meisterschüler nur denen zu empfehlen ist, die bereits mit NLP arbeiten und sich gezielt für die Modelle des Meisterschülers interessieren. Vom Niveau der inhaltlichen Darstellung ist es seinem Vorgänger ebenbürtig.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Daniel Wrede, www.danielwre.de)
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