myMWonline Blog Seminare Marktplatz Redaktion
Sitemap
  Buchbesprechung


36 Strategeme für Manager


Hier klicken für mehr Infos ...



Senger, Harro von
(2004)
Hanser Fachbuchverlag, ISBN: 3446228446


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Unterhaltung

Themenliste Literatur
Unterhaltung   Auch Manager haben hin und wieder Zeit, Romane zu lesen. Unterhaltsames aus der Welt des Managements.

Der Titel des Buches "36 Strategeme für Manager" lässt den Interessenten zunächst einmal im Nebel stehen, verrät er doch nicht, um was es sich handelt. Nach dem Klappentext handelt es sich um die Sammlung von 36 in China gebräuchlichen "List"-Techniken. Doch gleich der Buchdeckel verrät uns etwas für die Interpretation des Buchinhalts sehr Wesentliches: der Begriff "Strategem" bedeutet im Chinesischen je nach Kontext nicht nur "List" sondern auch "Weisheit".

Der Autor des Buches, Harro von Senger, ist Professor für Sinologie in Freiburg. Nachdem er über die Strategeme bereits 1977 in der FAZ berichtete, veröffentlichte er 1988 das Buch "Die 36 Strategeme" und legt nun eine Kurzfassung für Manager auf. Soweit dem Rezensenten bekannt, fand er auf Studienaufenthalten in den 70er und frühen 80er Jahren in China in einer Bibliothek den Katalog der 36 Strategeme, den Auszug aus einem Militärtraktat, welches einem Militärtheoretiker der Ming-Zeit (1368-1644) zugeschrieben wird. Bevor man also sein neues Buch bespricht, gilt es seine Forscherneugier wertzuschätzen und seinen Verdienst herauszustellen, dieses Wissen in für den Westen publizistisch aufgearbeitet zu haben.

Nun haben der Verlag Hanser und H. v. Senger also ein "tägliches Arbeitswerkzeug" für Manager neben die bereits vorliegenden Bücher gestellt und damit recht breite Aufmerksamkeit erreicht. Die Zeit dafür scheint günstig zu sein, suchen doch eine ganze Reihe Manager Gründe und Erklärungen für nicht ganz so glücklich laufende deutsch-chinesische Joint Ventures. Nach einer Einleitung zur Einordnung des Begriffes "Strategem" führt v.Senger gleich zu Anfang eine gut gemeinte Klassifizierung der Strategeme in sechs Gruppen ein, die ihm als Experten sicher logisch erscheinen mag, die dem Leser jedoch nicht immer nachvollziehbar ist und vor allem die Orientierung im Buch erschwert. Anschließend bereitet v.Senger jedes Strategem nach einer - wohl der Ur-Vorlage angelehnten - wiederkehrenden Struktur auf: Zu jedem Strategem liefert er eine Beschreibung, gibt einen Eindruck der Reichweite (Radius), rät Mittel zur Prävention, weist auf Risiken des Einsatzes hin und gibt letztlich Beispiele, an denen der Leser den praktischen Einsatz des Strategems nachvollziehen können soll.

Die in der Beschreibung erwähnten Beispiele spannen einen weiten Rahmen vom Krieg gegen Al Quaida, Star Trek bis zum (immer gerne) bemühten Transrapid-Projekt. Die Informationen zur Reichweite (Radius) sind ähnlich breit angelegt, und reichen von der Invasion der Alliierten, über Baron Rothschild bis zur Gründung der EWU. Spätestens nach den ersten Strategemen trat bei mir eine Irritation auf, die mit den vielen westlichen Analogien und Beispielen zu tun hat. Entweder nutzen wir die Strategeme im Westen so ähnlich (nennen sie vielleicht nur anders) oder der Verfasser verfügt einfach mehr über Kenntnisse des westlichen Kulturkreises und ihm fehlen so etwa prägnante Beispiele aus dem fernen Osten. Die Prävention der Strategeme wird leider meist sehr knapp abgehandelt, geht oft über eine Umkehr des Strategems nicht hinaus und bieten – ebenso wie die Hinweise zu Risiken - Lesern mit gesundem Menschenverstand so gut wie keine Aha-Effekte. Die Beispiele sind ein Potpourri, welches leicht "japanlastig" ist und sich ebenfalls gerne im Westen bedient. Die Beispiele machen jedoch in Ihrer Gesamtheit das klar, was wir über machiavellistische Techniken längst wissen: eine fernöstliche List ist nur im Kontext zu werten und steht an sich weder für Gutes noch für Böswilliges.

Auch wenn eine klare realistische Einschätzung seitens des Rezenenten zur tatsächlichen Relevanz der Strategeme im alltäglichen Leben in China fehlt, spricht man mit anderen China-Kennern (die bei den Strategemen beschwichtigend abwinken) oder frage ich eine vor mir sitzende Delegation aus China (die die 36 Strategeme nicht kennen), so kann man als Quintessenz vermuten: So wie jeder von uns tagtäglich machiavellistische Einflusstechniken unbewusst anwendet, so mag es auch im fernen Osten oder China gewisse alltägliche Verhaltensweisen geben, die dem ein oder anderen Strategem nahe kommen. Also keine Angst vor Chinesen, aber Vorsicht vor skeptischen Stereotypien!

Zusammenfassend muss ich sagen: das vorliegende Buch ist meiner Meinung nach keineswegs eine "alltägliche" Hilfe für Manager, sondern es ist eine unterhaltsame, teils komplizierte, teils flache Fluglektüre, die zwei besondere Dinge leistet: Erstens irritiert das Buch in Sachen "so könnte der andere denken" und wackelt damit sowohl am möglichen Ethnozentrismus als auch an der möglichen ICH-Bezogenheit eines Managers. Zweitens hinterlässt es ein gewisses Schulterzucken bei den Managern, die sich bereits mit Macht- und Einflusstechniken (so arbeitet der Rezensent z.B. mit Managern über Machiavellismus) auseinander gesetzt haben und die wissen, dass es auch in der westlichen Kultur häufig mehr auf die Beziehungs- als auf die Sachebene ankommt. So hinterlässt das Buch ein Vexierbild gleichermassen von Nähe und Andersartigkeit der Kulturen. Ob es das wollte?

Warten Sie nun mit mir auf den vom chinesischen Manager-Magazin beworbenen chinesischen Bestseller: die 24 Listen des Westens.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Christian Hohlweck)

(Hohlweck 24.10.2004)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

Andere Leser haben diese Rezension so beurteilt:
BewertungAnzahl
lässt keine Wünsche offen
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein
ist wenig aussagekräftig
wird dem Buch nicht gerecht

Buchbesprechung versenden  Diese Buchbesprechung per e-mail versenden
  Diese Seite als PDF öffnen und optimal drucken oder versenden

Weitere Buchbesprechungen dieses Rezensenten:

Gertrud Höhler (Hg.) TOP JOB 2005 - Top-Arbeitgeber im deutschen Mittelstand
Hauser, Eduard Human Power & Strategic Performance
Laufer, Hartmut Grundlagen erfolgreicher Mitarbeiterführung
Phillips, Jack / Schirmer, Frank Return on Investment in der Personalentwicklung
Schmid, Bernd (Hg.) Systemisches Coaching