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Das Buch "Einführung in die Systemtheorie" erklärt die wichtigsten Grundlagen der soziologischen Systemtheorie mithilfe präziser Begriffsdefinitionen und vielfältigen Beispielen. Kaum ein Text von Luhmann ist so verständlich wie dieser, denn es handelt sich um die Transkription der in den Jahren 1991/92 an der Uni Bielefeld gehaltenen Vorlesung "Einführung in die Systemtheorie". Luhmann redete frei und trug nahezu druckreif vor. Der Herausgeber hat den Text lediglich um Füllwörter bereinigt. Der Fokus der Vorlesung lag eindeutig auf dem Einführungscharakter. Luhmann setzte bei seinen Hörern allerdings voraus, dass sie mit den Grundlagen der Soziologie bereits Kontakt hatten. Luhmann selbst, so der Herausgeber, hätte wahrscheinlich nie daran gedacht, die Transkription seiner Vorlesung zu veröffentlichen. Der Herausgeber hat es in seine Verantwortung genommen, diesen Text nach Luhmanns Tod 1998 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die Soziologie, so Luhmann, steckt in einer Theoriekrise. Die aktuellen Diskussionen finden, wenn auch nicht unkritisch, stets unter Rückgriff auf die Klassiker statt (Weber, Marx, Simmel, Durkheim). Luhmann führt in seine Theorie ein, indem er zunächst bislang in der Soziologie zu erkennende systemische Linien nachzeichnet. Grundlegend dabei ist der amerikanische Soziologe Talcott Parsons, der, um seinen Ansatz grob zusammenzufassen, von der Frage ausging: Was sind die Bestandsvoraussetzungen eines Systems, was muss für den Fortbestand gegeben sein? Er näherte sich also dem System von außen (in der Fachsprache würden wir dies struktur-funktionalistisch nennen) - eine gedankliche Richtung, die Luhmann später auf den Kopf stellte. Es wird bereits nach wenigen Seiten deutlich: Dies ist ein theoretisches Buch, dass in abstrakten Konzepten denkt. Vorgestellt werden die grundlegenden Begrifflichkeiten der Systemtheorie und ihre Herkunft aus verschiedene Strömungen (etwa der Kybernetik).
In wenigen Sätzen eine inhaltliche Zusammenfassung der Systemtheorie nach Luhmann zu liefern ist nicht möglich. Es lässt sich nur auf weitere gelungene Einführungen hinweisen (etwa Kneer/Nassehi: Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, UTB). Das vorliegende Buch ist insofern etwas Besonderes, als dass es die einzige Einführung von Luhmann selbst ist. An anderer Stelle wurde einmal geschrieben, die Systemtheorie sei dem, was Hermann Hesse als Glasperlenspiel beschreibt, am nächsten. Daher bleibt die Frage zu klären, ob das Buch einen Zugang, einen Anreiz zu der komplexen Gedankenwelt der Systemtheorie bietet. Sie ist labyrinthisch verwoben und öffnet sich durch die abstrakt verwandte Sprache nur den Eingeweihten. Eine soziologische Vorbildung ist bei nahezu allen Texten Luhmanns erforderlich und so befassen sich viele Einführungen immer mit dem Versuch, Zugang zu bieten auf den sich drehenden Kreisel, ohne gleich wieder abgeworfen zu werden von Satzungetümen. Luhmann war ein Meister darin, wenig Fremdwörter zu benutzen, aber in alltäglicher Sprache hochkomplex zu denken. Deshalb macht gerade der mündliche Charakter dieses Buch dem Leser zugänglich.
Es gibt keinen geraden Weg, keinen richtigen Einstieg in die Systemtheorie, man kann nur an einer Stelle aufspringen und irgendwann das Gefühl bekommen, etwas von dem faszinierenden Theoriegebäude verstanden zu haben. Nicht zuletzt gilt die Theorie der Systeme zur Zeit als der umfassenste Versuch, Gesellschaft zu beschreiben und ihre Gedankenansätze sind bis weit in die Beratung eingedrungen. Doch nur wer sich für grundlegende theoretische Konzepte interessiert, dem sei die lohnenswerte Anschaffung empfohlen. Die einzelnen Vorlesungen werden gut ineinander übergeleitet, dennoch wird einem das konzentrierte Lesen nicht abgenommen. Es ist kein Buch zum Zwischendurch lesen, sondern braucht Zeit und Konzentration, wer die nicht hat, sollte sich das Frustrationserlebnis ersparen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Daniel Wrede, www.danielwre.de) |
(Daniel Wrede 12.11.2004) |
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