Professor Gassmann, Direktor des Instituts für Technologiemanagement an der Universität St. Gallen, hat für die Beiträge in seinem Buch verschiedene Experten aus Wissenschaft und Praxis gewinnen können. "Praxiswissen Projektmanagement" richtet sich als Praxishandbuch und Nachschlagewerk direkt an Projektleiter.
In der Tat ist das Werk sehr praktikerfreundlich in verständlichen Worten aufgebaut, begleitet von anschaulichen (meist altbewährten aber nicht minder effektiven) Graphiken und Checklisten.
Das Buch ist in sieben Abschnitte gegliedert und arbeitet sich hier vom Allgemeinen zum Detail bzw. von den harten zu den weichen Faktoren vor.
- Erfolgsfaktor Projektmanagement (Bedeutung/Bausteine)
- Projektorganisation (Strukturen/Akteure)
- Projektprozess (Planung/Steuerung/Kontrolle)
- Projektentscheidungen (Bedeutung/Entscheidungsfindung)
- Führung in Projekten (Mitarbeiter/Vorgesetzte)
- Kreativität in Projekten (Einfluss/Techniken)
- Selbstmanagement im Projekt (Stress- und Zeitmanagement)
Kapitel 1 beginnt mit einer allgemeinen Betrachtung, warum die Bedeutung von Projektmanagement aufgrund wirtschaftlicher Tendenzen wächst. Es folgt eine Definition und die Erläuterung grundlegender Bausteine, des Projektmanagements wie beispielsweise Meilensteine und Zieldefinition. Sinnvollerweise besondere Beachtung findet hier und an späteren Stellen die Problematik der konkurrierenden und interdependenten Ziele: Qualität, Termine, Kosten.
Kapitel 2 beschäftigt sich zunächst mit der Definition möglichen Strukturen (von klassischer Stab- und Matrixorganisation bis zu virtuellen Projekten) und schildert sehr plastisch Vor- und Nachteile der entsprechenden Systeme. Ein kurzer abschließender Blick auf die Projektakteure fällt hier vergleichsweise mager aus. So helfen allgemeine Aussagen wie "Kompetenzen sind messbar und entwicklungsfähig" oder "Das Kernteam muss als wahres Team funktionieren" dem Praktiker bei der Umsetzung nicht wirklich weiter.
Das dritte Kapitel setzt sich intensiv mit den Projektprozessen auseinander und bietet dem Anwender hier mit Planungsschemata, Formularbeispielen, Checklisten und konkreten Vorschlägen zur Prozessoptimierung gut nutzbares Handwerkszeug. Einzig die Vorschläge zur Verbesserung der Teamleistung bleiben unkonkret.
Kapitel 4 befasst sich mit dem Prozess der Entscheidungsfindung, an deren Schnelligkeit und Qualität gerade in Projekten besonders hohe Anforderungen gestellt werden. Auch hier wird mit für den Leser anschaulichen Graphiken zum Entscheidungsfindungsprozess und der Anwendungsbeschreibung einer Präferenzmatrix zur Entscheidungsanalyse eng an der Praxis gearbeitet. Bei den Checklisten zu Entscheidungsanalyse beschleicht die Rezensentin allerdings der Verdacht, dass hier zu sehr instrumentalisiert wird, was zu einem guten Anteil auch persönliches Talent ausmacht. Bis zu welchem Grad ist Entscheidungsfähigkeit per Handbuch und Methodik trainierbar, und an welcher Steller muss man sich eingestehen, dass auch ein gewisses Maß nicht erlernbarer individueller Fähigkeiten erforderlich ist. Hier sind wir dann auch offiziell bei den weichen Faktoren des Projektmanagements angekommen.
Kapitel 5 betont zunächst sehr treffend das Dilemma der Projektleiter, die zwar ihre Projektmitarbeiter führen, aber meist nicht der disziplinarische Vorgesetzte sind und demzufolge als Projektleiter oft nicht die Autorität per Status wie der Linienvorgesetzte besitzen. Der Autor betont hier, dass gerade Projektleiter besonderes Führungswissen und –Techniken vertiefen müssen. Als Voraussetzungen hierfür plädiert er für Aufstiegschancen innerhalb der Projektlaufbahn, klare, den Bewerberkreis einschränkende Zugangsvoraussetzungen und festgelegte Ausbildungswege. Eine These, über die sich streiten ließe. Auf die gewünschten Führungskompetenzen wird folgend leider nicht näher eingegangen. Dafür werden Führungsaufgaben, -stile und Werkzeuge dargestellt und erläutert. Was die Problematik der Mitarbeitermotivation betrifft, so hält der Autor diese für "eine entweder vorhandene oder nicht vorhandene Eigenschaft des Mitarbeiters". Eine Aussage, die an späterer Stelle dieses Buchs wieder relativiert wird.
Abschließend wird noch auf die Möglichkeit Führung des Vorgesetzten hingewiesen, indem man diesen analysiert und entsprechend auf dessen Eigenarten eingeht.
In Kapitel 6 wenden wir uns wieder der direkten Umsetzung in die Praxis zu. Nach einer theoretischen Einführung in das Thema Kreativität werden dem erfreuten Leser diverse Modelle und Kreativitätstechniken mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt und detailliert und somit sofort anwendbar beschrieben.
Das letzte Kapitel gibt hauptsächlich Anleitungen für effizienteres Zeit- und Stressmanagement, wie Zeitaufwendungsanalysen, dem klassischen Eisenhower-Prinzip um dringendes und wichtiges zu trennen oder der ALPEN-Methode zur Aufgabenzusammenstellung. Bezüglich der eigenen Motivation wird das Erstellen einer persönlichen Balanced Scorecard empfohlen. Insbesondere, wenn unbewusste persönliche Motive und Projektziele auseinanderfallen, ist es oberstes Ziel für den Projektleiter, Motivationsblockaden im Team zu identifizieren und zu besprechen.
Insgesamt hält "Praxiswissen Projektmanagement" das, was es verspricht, eine anschauliche, gut strukturierte, praxisorientierte Hilfe für Projektleiter in der Praxis zu sein. Einzig die Abschnitte über Führung und Motivation bleiben für den Geschmack der Rezensentin im Vergleich zu den anderen Beiträgen etwas zu unkonkret und auf Standardisierung fixiert.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Melanie Cordini)
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