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  Buchbesprechung


Arbeitspsychologie in Krankenhaus und Arztpraxis
Arbeitsbedingungen, Belastungen, Ressourcen

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Ulich, Eberhard
(2003)
Huber Bern, ISBN: 3456839073


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Arbeitspsychologie, Krankenhaus, Gesundheitswesen

Themenliste Literatur
Arbeitswelt   Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen

Die arbeitspsychologischen Standardwerke befassen sich nach wie vor hauptsächlich mit Fragen industrieller Arbeit. Dabei war das Diktum von der "totalitären Organisation" Krankenhaus ja lange schon Grund, sich jene einmal genauer anzuschauen. Schließlich ist das Gesundheitswesen einer der größten Arbeitgeber. Es sind offensichtlich nur "eine Handvoll" Forscher, die sich mit der Materie beschäftigen. Und das sollte nachdenklich stimmen.
Unter der Herausgeberschaft des "Altmeisters der Arbeitspsychologie", Eberhard Ulich, wird hier nun ein fundiertes Überblickswerk geboten. Keine leichte Kost! Aber für Krankenhaus-Berater, -Manager, -Verbände und Gesundheitssystempartner ein grundlegendes Muss. Das Buch gliedert sich in drei Teile: (1) Ärztinnen und Ärzte, (2) Arbeit in der Pflege und (3) Krankenhaus und Arztpraxis.

Im ersten Teil wird zunächst der Arztberuf mit seinen sich in der Zeit wandelnden Herausforderungen an Qualifizierung und Kompetenzentwicklung nachgezeichnet und konstatiert, dass die Ausbildung den Anforderungen deutlich hinterher hinkt. Im Wege steht zudem ein antiquiertes, überforderndes Ärzteleitbild. Schockierend dann die Ergebnisse über die Ärztegesundheit! Die Ärzte selbst sind offenbar ein kranker Stand. Und statt Menschen zu behandeln, behandeln sie statt dessen allzu oft Krankheiten.

Teil 2 legt die Situation der Pflege dar. Der Wandel von der Funktions- zur Bereichspflege beispielsweise. Die Belastungsfaktoren des Pflegeberufs sind hinreichend bekannt. Wenn dann Burnout doch deutlich weniger vorkommt als vermutet, liegt es wohl daran, dass es einen starken Exodus aus dem Beruf gibt. Groß ist eine resignative Haltung unter den Pflegekräften.

Im letzten Teil steht die Analyse von Organisationssystemen im Vordergrund. Hier ragt die Arbeit von Büssing und Glaser hervor, die Mitarbeiter- und Patientenorientierung stringent auf einander beziehen. - Und zum Schluss kommt dann auch noch ein Beitrag zur Organisationsdiagnose in der Arztpraxis vor.

Womit dieser Teil weit hinter seinen konzeptionellen Möglichkeiten und geweckten Ansprüchen bleibt. Denn nach der Analyse sollte die Synthese kommen. Auch ein Ausblick auf ein "gesundes" statt Krankenhaus fehlt bedauerlicherweise. Damit steht dann die Grobgliederung zur Disposition: Warum diese Einteilung? Sagen nicht die Autoren unisono, dass isolierte Aussagen keinen Sinn machen? Dass das, was im Krankenhaus stattfindet, eine hochkomplexe Interaktion zwischen Patienten und ärztlichen sowie pflegerischen Personal in einem besonderen Raum- und Zeitarrangement ist? Diese wichtigen konzeptionellen Aspekte, Methoden und Modelle werden "unterwegs" abgehandelt, hätten aber einen prädestinierten Platz verdient gehabt. Die Gefühlsarbeit, das uno-actu-Prinzip - Produktion und Konsumption der Dienstleistung können nur gleichzeitig stattfinden - oder Baduras "Ko-Produktions-These" - der Patient als Ko-Therapeut, all das findet sich im Buch, aber es ist nicht systematisch aufbereitet. Jeder Forscher leistet seinen Beitrag, benutzt teilweise unterschiedliche Instrumente, teilweise überschneiden sich die Ausführungen aber auch, es gibt Redundanzen. Wenn es "ohne Patient" nicht geht - wie systemisch (!): Warum schlägt sich das nicht in der Gliederung wieder? Statt Gemischtwarenladen hätte eine straffere konzeptionelle editorische Handschrift diesem - zweifellos wichtigen, ergiebigen und lehrreichen - Buch gut getan.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers, Chefredakteur der Wirtschaftspsychologie aktuell)

(thw 31.01.2005)

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