|
| Themenliste Literatur |
 |
Karriere |
Wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, ist hier richtig: von der Bewerbung bis zu schwierigen Entscheidungen an wichtigen Weichen des eigenen Werdegangs |
Vorsicht, Führungskräfte, Manager und andere gestresste und überforderte Zeitgenossen! Überlegen Sie sich genau, ob Sie sich dieses Buch anschaffen: Es könnte Sie auf Gedanken bringen, die Ihr Leben möglicherweise grundlegend verändern! Oder haben Sie, wenn Sie Ihr Leben mal vom Ende her betrachten, schon überlegt, wie Ihre Antwort auf die Frage ausfallen würde: ’Alter Mann, wozu hast Du gelebt?’ Um diese zentrale Frage menschlicher Existenz, welche einmal auf S. 131 und als Schlussfrage auf S. 183 gestellt wird, kreisen die Beiträge dieses Buches.
Czwalina, seines Zeichens Theologe und selbstständiger Berater, und Walker, seines Zeichens promovierter Wirtschaftsgeograph, Mitarbeiter einer schweizer Großbank und Buchautor, legen keine wissenschaftliche Abhandlung zu dem im Titel genannten Spannungsfeld vor. Sie bezeichnen ihr Buch als begleitende, quasi ‚Nachttischlektüre’ (S. 14), welche eine Essenz aus eigener Beratungserfahrung, Vortragstätigkeit und Literaturrecherche darstellt.
Meiner Meinung nach handelt es sich um eine gehaltvolle, leicht lesbare, in ihrem radikalen Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu menschlicher Existenz zur Auseinandersetzung anregende Lektüre, die durch viele Zitate aus Literatur, Philosophie, Wissenschaft und von Führungskräften angereichert ist.
Teil 1 ‚Der Manager im Spannungsfeld zwischen Karriere und Familie’ beschreibt die beiden Pole Karriere und Familie und die zwischen diesen Polen auftretenden Spannungen. Häufig gewählte Fluchtwege wie Nebenfrau, Sucht, Suizid, Materialismus, Aussteigertum, sexuelle Ausschweifungen, Arbeitssucht und gesundheitliche Schädigung werden als destruktive Lösungen dieses Dilemmas entlarvt, hinter welchen oft ein Entweder-oder-Denken steckt. Die Autoren regen zum Nachdenken an, wie ein Sowohl-als-auch umgesetzt werden könnte, um zu einem erfüllten menschlichen Leben zu gelangen. Dazu geben sie u.a. auch konkrete Hinweise an den Manager selbst wie beispielsweise sich eine Auszeit nehmen, zu Ende denken, Karrierepausen und Kurskorrekturen in Erwägung ziehen, das eigene Selbstwertgefühl nicht ausschließlich von Leistung und Geld abhängig machen etc.
Die Hinweise für die familienbewusste Ehefrau des Managers werden bei selbstbewussten und berufstätigen Frauen auf Widerspruch stoßen, da sie zu einseitig auf das Verständnis für den Mann ausgerichtet sind (S.49-54). Die Impulse für das Verhalten beider Partner beschränken sich vom Volumen her auf eine Buchseite und die zentrale Aussage: ‚Den Partner kannst Du nicht ändern, ändern kannst Du nur Dich selbst’( S. 54), was zwar richtig ist, aber natürlich genauso gut zum Totschlagargument von veränderungsresistenten Partnern umgemünzt werden kann.
Die Ausführungen in Teil 2 ‚Karriere und Charakter’ kreisen um die Forderung, ‚Führungsentwicklung …’ müsse ‚...wieder Persönlichkeitsentwicklung werden und Manager sind dazu aufgefordert, die Unternehmenskultur in verantwortungsvoller Weise mitzugestalten’ (S.87f). So kommen die Autoren zur Forderung, die Führungspersönlichkeit der Zukunft dürfe kein reiner Manager sein, der seinen Job als technische Aufgabe und Steuerung eines Systems verstehe, optimal funktioniere und sich totaler Gewinnmaximierung und seiner eigenen Karriere verschrieben habe, sondern ein Leader. Die Autoren lehren uns ganz nebenbei, das Verb ‚to manage’ bedeute lt. Oxford-English-Dictionary ‚die Pferde einreiten’ (S. 79). Im Gegensatz zum ‚Pferdeeinreiter’ zeichne sich ein Leader aus durch ein gesundes Selbstwertgefühl, das auch Schwächen zulassen kann, durch Vertrauensfähigkeit, Glaubwürdigkeit, Belastbarkeit und Leidensfähigkeit, Kommunikations-, Kritik- und Konfliktfähigkeit sowie durch die Fähigkeit zu dienen und zu herrschen (S. 88-104).
Zwei Checklisten zum persönlichen Werteprofil und dessen Umsetzung im wirtschaftlichen Kontext (S. 106-114) fördern das Nachdenken zu diesem Themenbereich.
Abschließend fordern die Autoren, Ethik, verstanden als die ‚Lehre vom Gebrauch der Freiheit und der Macht’ (S. 123-127), müsse in Zukunft deutlicher in der Persönlichkeitsentwicklung von Führungskräften Platz haben.
Teil 3 ‚Die Sinnkrise als Herausforderung an den modernen Manager’ ist voll und ganz dem Thema Sinn, Sinnkrise und Identitätsbildung gewidmet. Nach einem kurzen historischen Ausflug in die Abteilung ‚Philosophische und theologische Antworten auf die Sinnfrage’ beschreiben die Autoren den Menschen als zur Transzendenz fähiges Wesen, das seine ureigenste Antwort auf die Frage nach dem Sinn seines Lebens sucht. Über die Beschreibung der Erfahrungen, die zur Sinnkrise führen (Verlust, Versagen, Überdruss und Übersättigung, Vergänglichkeit), sowie Wegen und Irrwegen im Umgang mit der Sinnkrise stellen sie die Chance der Sinnkrise klar heraus, nämlich zur eigenen Identität zu finden.
In den letzten Kapiteln legen die Autoren die Übernahme des christlichen Menschenbilds und christlicher Werten als Möglichkeiten dar, die Sinnkrise zu bewältigen und zur eigenen Identität zu finden. Als Paradigmata wählen sie das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15, 11-32), das Leben Jesu allgemein und die Bedeutung der Kinder in der Bibel als Wegweiser zu Gotteserfahrung (Matthäus 18, 1-4; Markus 10, 14f).
Die Überschrift des letzten Kapitels ‚Sinnorientierung vor Umsatzorientierung’ klingt wie der Appell eines Rufers in der Wüste zur Umkehr.
Wenngleich ausschließlich und etwas einseitig zu guter Letzt die christliche Antwort auf die Sinnfrage in den Vordergrund gestellt wird, kann das Buch auch für Nichtchristen weiterführende Denkanstöße liefern.
Sieben Jahre nach der zweiten Auflage passt es zu den neuerdings in verschiedenen Publikationen im wirtschaftlichen Kontext auftauchenden Fragen nach Sinnerfahrung, Führungs-, Unternehmens- und Wirtschaftsethik. Ein ehrliches Buch!
(MWonline zur Verfügung gestellt von Reinhard Fukerider)
|
(Fukerider.Coaching 12.03.2005) |
|