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Führung |
Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden. |
Der Autor geht mit seinem Buch der Grundfrage nach: Was zeichnet eine Führungskraft als Führungspersönlichkeit aus und welche Wege ermöglichen es, eine solche zu werden? (S.17). Diese Frage spitzt er in der Einleitung zu seinem Buch (Brauchen Manager heute Philosophie?) in der These zu: "Die Führungskraft der Zukunft ist eine Führungspersönlichkeit... Ein Karrierist kann keine Führungspersönlichkeit ausbilden, weil diese nicht gemacht werden kann" (S.29). Die Rezepte zur richtigen Führungstechnik stellt er deutlich in Frage, wenn er schreibt: "Die Werkzeuge machen nicht den Meister, aber ein Meister kann mit Werkzeugen umgehen." (S.31).
Ferdinand Rohrhirsch (Jg. 1957, Privatdozent für Philosophie an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt; Vortrags-, Seminar- und Beratungstätigkeit in Profit- und Non-Profit-Organisationen mit den Schwerpunkten Führungs- und Unternehmensethik) legt hier ein Buch vor, das sich m. E. wohltuend von der Masse an Büchern über die richtige Führungstechnik abhebt: Wohltuend deshalb, weil der Leser gezwungen wird, inne zu halten und sich den tiefgründigen philosophischen, das Wesen des Menschen betreffenden Gedanken auszusetzen.
Den Leser erwarten jedoch keine langen und ermüdenden philosophischen Abhandlungen. Rohrhirsch legt keine trockene wissenschaftliche Arbeit zum Thema vor. Er versteht es, seine Thesen in einer präzisen und provokanten Sprache zu formulieren, Bezüge zum Führungsalltag herzustellen und animiert somit zum Nachdenken über die eigene Person als Führender und Geführter.
Oberflächliche Erfolgsversprechungen von Büchern über die neueste oder die richtige Führungstechnik enttarnt er als wechselnde Modetrends und kaum nachhaltigen Erfolg sicherndes Blendwerk.
Mit der ihm eigenen philosophischen Penetranz hinterfragt er Begriffe, Selbstverständlichkeiten und vordergründige Plausibilitäten auf ihren Gehalt.
Seine philosophischen Gewährsleute sind dabei im wesentlichen Immanuel Kant und Martin Heidegger. Zitatensammler kommen diesbezüglich auch auf ihre Kosten.
Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel:
- Was ist der Fall? "Selbstverständliches" Führungswissen verschwindet, dafür blühen die Philosophien im Menschenbild. Seine Thesen:
- Die moderne Führungskraft entspricht dem Ideal des gerade gültigen Menschenbildes. Allen Führungsratgebern liegt ein entsprechendes Menschenbild zugrunde, das erhellt werden muss, um zu entdecken, wes Geistes Kind der Autor ist.
- Der Mensch wird heutzutage als ‚homo oeconomicus’ definiert, d.h. Planbarkeit, Herstellbarkeit, Nutzbarkeit und Verfügbarkeit sind die wichtigsten Denkkategorien in diesem Menschenbild.
- Als Ideal des modernen Menschen könnte ein Kind von Lara Croft (Zeichentrickfigur, jung, clever, attraktiv, durchsetzungsstark, mobil, erfolgreich, altert nicht, wird nicht krank, stellt keine Sinnfragen sondern nur Erfolgsfragen) und Markus Koch (früherer Börsenguru des Senders n-tv als optimaler Typus für den ökonomisch agierenden Teilnehmer in einer ökonomisch geprägten Welt) angesehen werden.
- Führung ist machbar – meint man. Seine These:
‚Macchiavelli-Ratgeber’ und der Entwurf eines modernen Menschenbildes, das die Endlichkeit des Menschen ausklammert, fördern Karriere, aber nicht die Ausbildung von Führungspersönlichkeiten.
- Führung und Wissenschaft – weiß man. Seine Thesen:
- Die betriebswirtschaftliche Sicht des Menschen als Mittel zum Zweck (Ökonomische Ziele vor individuellen Zielen) ist ein Motivationskiller erster Güte.
- Die Psychologie verobjektiviert den Menschen und fragt nicht nach seinem Wesen.
- Wer wissenschaftlich führen will, verhindert Führung methodisch konsequent.
- Führung und Philosophie – staunt man. Seine Thesen:
- Führung hat mit Personen zu tun und Personen kommen in der Wissenschaft nicht vor, wohl aber in der Philosophie.
- Philosophisches Nachdenken über die Unterschiede zwischen den Begriffen Mensch und Person, Wert und Würde, Wissen und Bildung, machen und handeln sowie (Ge-) Rede und Gespräch liefert Hinweise auf das, was eine Führungspersönlichkeit ausmacht.
- Was sollte der Fall sein? Das Selbstverständliche gründlicher sehen. Seine Thesen:
- Sprache ist das entscheidende Werkzeug einer Führungspersönlichkeit: nicht als Mittel zu Motivation, sondern zum Offenbaren der Sache.
- Als Führungskraft Gespräche mit Mitarbeitern zu führen, heißt, im Gesprächspartner die Person zu sehen, ohne hierarchische oder funktionale Unterschiede zu leugnen; und das setzt wiederum Persönlichkeit voraus.
- Gespräch stellt Gemeinschaft her: die Mitarbeiter zu bloßen Informations- und Befehlsempfängern zu degradieren, rhetorische Tricks anzuwenden oder oberflächliches Gerede, verhindern Motivation für und Identifikation mit der Sache.
- Mitarbeiterentwicklung sollte als Persönlichkeitsentwicklung praktiziert werden.
- Die Annahme der eigenen Begrenztheit ist der Anker für geglückte Führung. Seine Thesen:
- Führungskonzepte müssen die Begrenztheit menschlicher Existenz als Grunddatum berücksichtigen. Diese Realität durchzieht Berufs- und Privatleben.
- Die Begrenztheit des menschlichen Lebens als Bedingung für Sinn und Glück begreifen lernen.
- Stärkenorientierte Förderung von Personen nimmt den Menschen in seiner Begrenztheit ernst.
- Die wesensmäßige Gleichheit muss von Führenden und Geführten anerkannt und in der funktionalen Aufgliederung eines Unternehmens gelebt werden, d.h. die Putzfrau hat die gleiche Würde wie der Vorstandsvorsitzende, sie unterscheiden sich in Qualifikation und Funktion.
- In der Selbstverantwortlichkeit liegt die Würde des Menschen, d.h. in seiner Freiheit und Autonomie. Reduktion der Selbstverantwortlichkeit bedeutet Reduktion der Motivation und Leistungsbereitschaft.
- Delegation von Verantwortung ermöglicht selbstverantwortliches Arbeiten und ermöglicht nachhaltiges Wirtschaften.
- Schaffung ‚anspruchsvoller’, d. h. mit Sinn und Achtung verbundener Arbeitsplätze und eine sorgfältige Personalauswahl sichern unternehmerischen Erfolg, d. h. es gibt keinen unbedeutenden Arbeitsplatz und die Besetzung der Stelle einer Schreibkraft muss mit der gleichen Sorgfalt betrieben werden wie die Besetzung eines Vorstandspostens.
Die Schlussbemerkung enthält in komprimierter Form seine Thesen:
- Führung und Moden schließen sich aus.
- Anzüge gibt es von der Stange – Führungspersönlichkeiten nicht
- Selbsterkenntnis und Selbstannahme bilden wichtige Voraussetzungen dafür, sich zu einer Führungspersönlichkeit zu entwickeln.
- Wenn Führende und Geführte sich als Personen verstehen und in Würde und Achtung vor dem Personsein des Gegenübers mit einander umgehen, können Ziele erreicht werden, die bloße Führungs- und Motivationstechniken niemals erreichen werden.
Ich hoffe, die Darstellung mit teils provokanten Thesen macht Lust darauf, sich mit dem Autor zu befassen. Jeder Führungskraft, jedem Unternehmer, jedem Personalverantwortlichen und jedem Coach, der keine Angst davor hat, aus einem eingefahrenen Trott gerissen zu werden, sich auf den Weg zu sich selbst zu machen und führen statt managen will, kann ich das Buch wärmstens empfehlen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Reinhard Fukerider)
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(Fukerider.Coaching 05.04.2005) |
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