Auf 342 Seiten beschreiben Coaches ihre Werkzeuge. Die jeweilige Technik ist den Phasen des Coaching-Prozesses zugeordnet und dank der Übersicht leicht zu finden. Die Beschreibung der einzelnen Tools folgt einer leserfreundlichen einheitlichen Systematik. Neben einer ausführlichen Beschreibung, teilweise anhand eines konkreten Beispiels, werden pro Werkzeug sein Anwendungsbereich angegeben sowie seine Zielsetzung bzw. die zu erreichende Wirkung. Die technischen oder personellen Voraussetzungen für seinen Einsatz fehlen ebenso wenig wie persönliche Erfahrungen und Literaturangaben. Konkrete praktisch-technische Hinweise zu Zeitbedarf, Materialien, räumlicher Ausstattung etc. runden den Beitrag ab.
Wenn so viele Fachleute aus ihrem Nähkästchen plaudern, kann nur Vielfalt herauskommen. Und das genau ist die Stärke des Buches. Der Leser findet eine breite Palette an theoretischer Basis, von psychoanalytisch über kognitivistisch bis systemisch. Er findet sowohl Einzel- als auch Gruppen-Coaching-Tools, bis hin zu Werkzeugen, die in organisationalen Veränderungsprozessen einsetzbar sind.
Einige Werkzeuge zielen auf eine eng umgrenzte Ausgangssituation ("Stressabbau") bzw. auf eine ganz bestimmte Klientenpersönlichkeit ("sachlich orientierte Personen"). Andere wiederum sind nahezu universell einsetzbar und auch nicht auf eine bestimmte Prozessphase beschränkt.
Die einen sind sehr konkret und sofort einsetzbar beschrieben, andere wiederum bleiben im Abstrakt-Allgemeinen. Einige Techniken sind sehr therapienah, andere schlichte Interviewleitfäden. Einige Techniken bleiben innerhalb der Coaching-Sitzung, andere gehen darüber hinaus hinein in den Alltag der Klienten (wie die "Schattentage"). Einige zielen mehr auf den Verstand, andere mehr auf das Herz.
Vielfalt bedeutet auch Qualitätsvielfalt. Die meisten Autoren sind ausgewiesene Koryphäen und beschreiben souverän, kompetent, verantwortungsbewusst und verständlich. Andere Beiträge - erfreulicherweise nur verschwindend wenige - sind überflüssig: Wenn man beispielsweise meint erklären zu müssen, wie man an Coachingkollegen(adressen) kommt, nämlich über eigene persönliche Netzwerke oder über das Internet. Wer wäre darauf schon ganz von alleine gekommen?
Manche Autorensprache ist gewöhnungsbedürftig ("Im Sagen enthüllt sich der Mensch"). Manch fantasievoller markengeschützter Name für das Werkzeug, vor allem dessen Aussprache muss dem Leser erst einmal erklärt werden; wird das Werkzeug dadurch gehaltvoller? Manche Durchführungskonkretisierung ist sicher abwandelbar: Warum muss sich der Klient schon an Vorabend das Glas Wasser für das morgendliche Aufschreiben bereitstellen?
Dennoch oder gerade deshalb: Die 61 Tools sind eine Fundgrube. Eine Fundgrube für den Coaching-Neuling, der sich einen Insider-Überblick verschaffen möchte. Falls er der Meinung sein sollte, Coaching sei nichts anderes als miteinander Plaudern – am Ende des Buches dürfte er diese seine Meinung korrigiert haben. Falls er der Meinung sein sollte, Coachen könne mit ein bisschen Übung jeder – das Buch dürfte ihn eines Besseren belehren. Die Tool-Sammlung ist ebenso eine Fundgrube für den erfahrenen Coach, der sein eigenes Handwerkszeug und seine Erfahrungen abgleichen und anreichern kann.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Hagen Seibt, Pressesprecher des Verbandes zur Förderung der Wirtschaftspsychologie e.V., www.wirtschaftspsychologie-ev.de)
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