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Paul Ekman ist Professor an der University of California in San Francisco und einer der bekanntesten amerikanischen Psychologen und Emotionsforscher. Dieses Buch ist die Quintessenz einer 40-jährigen Forschungstätigkeit. Es schlägt eine Brücke von der Forschung zur Praxis und will dem Leser helfen, sich seiner Emotionen und derer anderer Menschen besser bewusst zu werden. Nicht im Jargon kryptischer Wissenschaftlichkeit geschieht dies, sondern ist leicht verständlich und nachvollziehbar.
Dazu trägt vor allem Eve bei. Sie ist Ekmans Tochter und der heimliche Star dieses Buches. Sie saß dem Vater geduldig Modell für zahlreiche Fotos. Ihr Gesicht zeigt Trauer, Zorn, Überraschung, Angst, Ekel, Verachtung, Freude und begleitet den Leser durch das ganze Buch hindurch. Schon zu Beginn fordert der Autor den Leser auf, einen kleinen Test durchzuführen. Im Anhang findet er mehrere ganzseitige Fotos von Eve vor. Der Leser soll sie spontan einem Gefühl zuordnen. Dafür bekommt er eine Auswertung bezüglich der Ausprägung seiner "emotionalen Kompetenz". Zum Schluss, nach der Lektüre des Buchs, kann er sich dann noch einmal versuchen.
Als Ekman in den 50er Jahren begann, sich mit Emotionen zu beschäftigen, interessierte ihn Mimik weniger, dafür aber Handbewegungen. Wie so oft war es der Zufall, der ihn zum Thema führte: Sollte die Mimik universell sein? Ende der 60er Jahre unternahm er eine Forschungsreise nach Neu Guinea. Das Volk der Fore lebte damals noch unberührt von anderen Kulturen. Er zeigte den Fore Fotografien von Gesichtsausdrücken und ließ sie erklärende Geschichten dazu erzählen. Ekman fand, dass es über 10.000 Gesichtsausdrücke gibt, aber in der Tat eben auch Universalien. Im Jahre 1978 veröffentlichte er seine Methode zur Messung von Gesichtsbewegungen, das Facial Action Coding System (FACS).
Wann und warum reagieren wir emotional? Emotionen haben sich in der Evolution entwickelt, so seine Antwort, damit wir rasch auf entscheidende, lebenswichtige Ereignisse in unserem Leben reagieren können. Im Gehirn laufen dann automatische Bewertungsmechanismen ab, über die wir heute erst beginnen, mehr und mehr zu lernen. Doch wie kommt es, fragte sich Ekman, dass diese Bewertungsmechanismen sowohl für Universalien anspringen als auch für kulturabhängige und individuelle Phänomene? Nicht jeder fürchtet sich womöglich vor Spinnen...
Die automatischen Bewertungsmechanismen durchmustern unsere Umgebung nach allem, was Ähnlichkeit mit den in unserer emotionalen "Alarmdatenbank" gespeicherten Inhalten aufweisen. Das, was durch die natürliche Selektion in uns verankert wurde, sind nicht notwendigerweise die Auslöser selbst, sondern gewisse Vorgaben, mit deren Hilfe bestimmte Auslöser sehr rasch in der Datenbank festgeschrieben werden. Die Datenbank ist also offen (individualisierend) konstruiert, ständig werden neue Informationen zugeführt. Weil wir unsere bewusste Aufmerksamkeit nicht darauf verschwenden müssen, ständig nach Ereignissen Ausschau zu halten, die zu Emotionsauslösern geworden sind, können wir die Prozesse unseres Bewusstseins darauf verwenden, andere Dinge zu tun - wie praktisch.
Vielleicht aber auch problematisch: Können wir beeinflussen, was uns emotional werden lässt? Die Emotionale Datenbank arbeitet schnell und effektiv. Einmal angeworfen fokussiert sie unsere ganze Aufmerksamkeit auf das Gefühl, schneidet uns von Informationen, auf die wir normalerweise zurückgreifen können, ab. Und sie hält erst einmal an. Doch wir können - mühsam - lernen, Gefühle von Handlungen zu trennen.
Vermutlich ist es in unserer Evolutionsgeschichte günstiger gewesen, wenn andere wussten, von welchen Gefühlen wir gerade beherrscht wurden, ohne dass wir von uns aus die Entscheidung treffen mussten, es ihnen mitzuteilen. Doch wir wissen womöglich, dass jemand wütend ist, nicht aber warum. Wichtig ist daher, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit zu lernen im Umgang mit Gefühlen. Das Ziel besteht nicht darin, Emotionen auszuschalten, sondern vielmehr darin, sich mehrere Alternativen offen zu halten, diese Gefühle auszuleben beziehungsweise mit denen, die wir bei anderen wahrnehmen, umzugehen.
Ekman stellt sieben Basisemotionen ausführlich vor: Trauer, Zorn, Überraschung, Angst, Ekel, Verachtung und Freude. Er startet zunächst mit einem typischen, realen Foto, erzählt die Geschichte dazu. Dann geht er auf die Emotion näher ein und erläutert seine Funktion. Da wir als Menschen ja so konstruiert sind, dass wir mit Emotionen auf Emotionen reagieren, lässt er uns im nächsten Schritt die Emotion nacherleben, beschreibt detailliert die Muskelstellungen und hebt sie - auch mithilfe von Fotomontagen - von anderen Emotionen ab. Dann folgen Hilfestellungen zum Umgang mit Emotionen, auch der Hinweis auf Risiken und Nebenwirkungen, denn jemandes Emotionen zu kennen, heißt noch lange nicht, ihm überlegen zu sein oder ihn steuern zu können.
Im Nachwort wird noch auf den Web-Site des Autors: www.emotionsrevealed.com sowie auf CD-ROMs verwiesen, die Trainingsprogramme enthalten. Ein Ausblick auf neuere Forschungen wird gewagt und hingewiesen auf die wichtige Rolle der Stimme bei Emotionen.
Diese Buch ist nicht nur für Profis im Bereich Psychotherapie und Beratung wichtig. Auch für Personalverantwortliche in Unternehmen ist es absolut erhellend. Aber Vorsicht, die eigentliche Arbeit beginnt erst nach der Lektüre dieses Buchs. Emotionale Kompetenz muss man sich selbst erarbeiten! Da Buch ist dafür ein Anstoß und eine gute Grundlage.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers, Redaktion Wirtschaftspsychologie aktuell)
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(thw 14.04.2005) |
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