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Arbeitswelt |
Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen |
Die Rolle der Familie vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umwälzungsprozesse wird in sechs Aufsätzen unter vielfältigen Gesichtspunkten diskutiert. Soziologische, pädagogische und politische Aspekte werden erörtert. Durch diese Vielfalt erschließen sich dem Leser neue Blickwinkel bei einem Thema, von dem jeder betroffen ist.
Die demografische Entwicklung zeigt Deutschland als ein schnell schrumpfendes Land. Nur fünf Länder weltweit reduzieren noch deutlicher ihre Bevölkerung. Kinder werden zu Minderheiten, was sich einerseits darin ausdrückt, dass Spielkameraden je nach Umfeld nicht mehr selbstverständlich sind. Andererseits spiegelt sich dies auch in Einstellungen und dem Verhalten gegenüber Kindern wider. Der Wertewandel führt dazu, dass Familie heute in unterschiedlichsten Formen gelebt wird. Patchwork, alleinerziehend, Arrangements bei Trennung und Scheidung verändern die bürgerliche Form der Familie. Die Individualisierung hat weit reichende Auswirkungen auf die Erziehung, bei der Kinder als Partner mit sinnstiftender und nicht ökonomischer Bedeutung zählen.
Der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft benachteiligt diejenigen, die Erziehungsarbeit leisten, am Arbeitsmarkt. Flexibilität und Mobilität als Forderungen der Arbeitswelt kollidieren mit der dauerhaften Verpflichtung Familie.
Zu diesen Hauptpunkten erhält der Leser in sechs Aufsätzen viele Informationen und Hintergrundwissen. Angefangen bei der Entwicklung der Familie von der agrarischen Haushaltsfamilie über die bürgerliche Familie, die industriell geprägt war, bis zur heutigen postmodernen Familienwelt wird die Entwicklung aufgezeigt. Die Kriterien, die eine Familie ausmachen und die unterschiedlichen Formen der postmodernen Familienwelt werden interessant dargestellt. Dabei kommen auch Schlussfolgerungen nicht zu kurz. Der Leser gewinnt eigene Erkenntnisse für seine Form des Familienlebens.
Die weibliche Lebensplanung zwischen Kindern und Beruf wird in einem zweiten Aufsatz besprochen. Unter Auslassung einer emanzipatorischen Darstellung werden der weibliche und der männliche Lebensentwurf verglichen und Folgerungen für die Gesellschaft und die Frauen abgeleitet. Kultureller Wandel, Ansprüche der Arbeitswelt und (nicht vorhandene Betreuungsmöglichkeiten) werden den Wünschen nach Familie und Kindern gegenübergestellt.
Eine Studie über Vaterschaft in Deutschland diskutiert die Rolle der Väter. Wunsch, Wirklichkeit und Möglichkeiten werden vom Vater der Väterforschung W.E. Fthenakis anhand einer Studie unter Vätern, Müttern und Jugendlichen besprochen. Die Aspekte der sozialen, ökonomischen und instrumentellen Funktion sowie die Bereitschaft des Vaters, auf Karriere zu verzichten, fließen in die Formen des "Vaters als Erzieher" und des "Vaters als Brotverdiener". Widersprüche bei Wunsch und Wirklichkeit werden über die Zeit (kinderloser Mann, werdender Vater, Vater mit schulpflichtigem Kind, Väter von Jugendlichen) in der Studie ermittelt. Dabei freut vor allem die Erkenntnis, dass Männer gute Väter sein wollen. Eine Orientierung am eigenen "guten Vater" oder das "Bessermachenwollen" bei eigenem "schlechten Vater" sind als Ursachen erforscht worden.
Diese unterschiedlichen Aspekte werden im Aufsatz über die Konflikte zwischen Beruf und Familie zusammengeführt. Familienpolitik, die neuen Realitäten mit ihren Folgen für die Familie und die neue Balance zwischen Familie und Beruf bieten Anlass zur Reflexion.
Aus der Sicht des Kindes in einer Wissensgesellschaft wird eine pädagogische Erörterung geführt. Bedeutungen für Erziehung, Wissenschaft und Schule werden – im Gegensatz zu den anderen Aufsätzen leider sehr wissenschaftlich – abgeleitet.
Das Buch mündet in Forderungen an die Familienpolitik. Einerseits werden dabei sehr deutlich Missstände aufgezeigt, andererseits revolutionäre Auswege beschrieben (Familienwahlrecht, Familiensplitting statt Ehegattensplitting bei der Steuer, Einbeziehung der Kindererziehungszeiten in die Arbeitslosenversicherung, Beiträge der Sozialversicherung an der Einkommenssteuer ausrichten statt am Bruttogehalt).
Insgesamt ein Buch, das interessant ist und dem "Nicht-Soziologen" viele neue Erkenntnisse bringt. Die Anforderungen und Entwicklungen werden verständlich und stehen nach der Lektüre für den Leser in einem nachvollziehbaren Zusammenhang. Auch für Personaler in Unternehmen bietet es eine interessante Lektüre. Das deutliche Aufzeigen der Wechselwirkungen zwischen Berufs- und Familienentwicklung gibt viele Argumente für eine familienfreundliche Personalpolitik.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Marcus Schmitz, IGS Organisationsberatung) |
(ms 31.05.2005) |
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