Das Buch ist als der 2. Band einer fünf-bändigen geplanten Reihe erschienen. Band 1 "Systemische Professionalität und Transaktionsanalyse“ liegt bereits vor. Ein dritter Band zum Thema "Personal-, Organisations- und Kulturentwicklung" ist in der Verlags-Bearbeitung.
Um das Buch richtig einzuordnen ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass im Wieslocher Institut schon immer der Anspruch vertreten wurde, "Coaching integriert in oder zumindest vernetzt mit OE- und PE-Projekten zu vertreten" und "in diesem Sinne ist Coaching und sind Coachingausbildungen im Bereich Organisationen weit vielschichtiger, als dies bisher im Blickfeld präsent ist." Man beachte also, Schmid verfolgt mit seiner Reihe einen sehr breiten Ansatz von "Coaching".
Wer das im Vorfeld weiß, wundert sich weder über deutlich transaktionsanalytische Diskurse noch über Schilderungen aus Team-Entwicklungsmaßnahmen noch über Beispiele aus der psychotherapeutischen Praxis - im Gegenteil, er empfindet das als Bereicherung und als "Blick über den eigenen Zaun".
Und so ein Blick über den eigenen Zaun und das Greifen nach einer anderen Frucht wird einem gar nicht so leicht gemacht. Wie sagt es Schmid selbst so treffend in diesem Band – quasi als Hinweis auf Nebenwirkungen - "die Texte sind nicht unbedingt leichte Kost. Es lohnt sich, wieder und wieder auf ihnen herumzukauen".
Der vorliegende Band umfasst 332 Seiten und gliedert sich grob in drei Teile:
- Konzepte und Vorgehensweisen
- Coaching
- Entwicklung der Professionalität
Kurzer Einblick in Teil I
Die Unterkapitel sind in Essayform unter Mitarbeit von verschiedenen Ko-Autoren gehalten. Im ersten Teil werden vorgestellt:
- Antreiber –Dynamiken – Persönliche Inszenierungsstile und Coaching
- ICH-DU- und ICH-ES-Typen
- Symbiotische Beziehungen
- Zwickmühlen
- Komplexität, Dilemmata und Sinn
- Kontrolldynamik, Treibsand und fiktive Wirklichkeiten
- Wirklichkeitskonstruktive Traumarbeit
- Zur Architektur von Traumwirklichkeit
- Arbeit mit geleiteten Phantasien und Trance
- Umgang mit einschränkenden Identitätsüberzeugungen
- Geschlechtsidentität – eine seelische Perspekitve
Mit den Beispielen aus der Psychotherapie und aus der Organisationsberatung etc. bietet sich dem Leser ein Steinbruch von Konzepten, Ideen und Möglichkeiten, den er sorgfältig selbst untersuchen kann. Auch wenn hier zunächst der Eindruck eines losen, unzusammenhängenden Nebeneinanders entsteht, der Gewinn liegt im Detail und in der Auseinandersetzung mit den geschilderten Situationen, Konzepten und Modellen.
Kurzer Einblick in Teil II
Der zweite Teil bietet nun einen deutlichen Coaching-Bezug. Hier finden sich:
Die Aufzählung verdeutlicht, dass hier wesentliche Faktoren im Zusammenhang mit Coaching zur Sprache kommen. Dieser Teil von Schmid selbst liest sich im übrigen viel leichter und ist in sich wesentlich stringenter und logischer aufgebaut – er ist quasi leicht verdaulicher und enthält einen praxisrelevanten Erfahrungsschatz, der sich dem Leser auch leichter vermittelt.
Kurzer Einblick in Teil III
Der dritte Teil beinhaltet zum Titel "Entwicklung der Professionalität" eine sehr persönliche Reflexion der eigene Entwicklung einer ehemaligen "Transaktionsanalyse-Ausbildungskandidatin" von Schmid. Hat sich mir nicht sofort erschlossen, also noch mal lesen.
Gesamtbetrachtung
Das Buch gibt viele Anregungen, zieht verschiedene Theorien für Lösungsideen heran und öffnet dem ein oder anderen sicher so manche neue Perspektive. Was das Buch sicher nicht bietet, ist eine leicht gemachte Übertragung der dargestellten Inhalte auf die konkrete Coaching-Praxis.
Es ist eben auch kein leicht und kein schnell lesbares Buch, sondern wirklich ein Buch zum Eintauchen, zum Vertiefen, und auch zum "Dran-Reiben". Wer sich also von "Blicken in andere Gärten" nicht stören lässt, dem mag sich eine Erweiterung und Vertiefung der eigenen Möglichkeiten als Coach und Therapeut erschließen.
Übrigens:
Das Buch bietet auch einen mehr als spannenden Nebeneffekt, der mehr die Meta-Ebene von Coaching betrifft. Beim Lesen wird einem nämlich auch deutlich, dass jeder Coach oder Berater nicht unabhängig oder unbeeinflusst von seinem persönlichen Glaubens-, Werte- und Erfahrungshintergrund handelt. Im Gegenteil - das Buch zeigt insbesondere im ersten Teil, wie deutlich die eigenen Normen, Werte, Glaubenssätze und Ausbildungshistorien einen Coach bzw. einen Menschen, der über Coaching schreibt, prägen. Daraus ergibt sich inhaltlich eine breite Menge an Möglichkeiten, was also "Coaching" ist oder heißt.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Christian Hohlweck) |