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Training mit Theater


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Funcke,Amelie / Havermann-Feye,Maria
(2004)
Verlag managerSeminare, ISBN: 3936075174


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Training, Weiterbildung, Seminar, Unternehmenstheater

Themenliste Literatur
Training   Bücher für Menschen, die Gruppen trainieren. Hier finden Sie Grundwissen, aber auch praktische Tipps zum Umgang mit Gruppen.

Es tut gut, wenn sich ein vermeintlich neuzeitlicher und moderner Berufsstand auf seine archaischen Wurzeln besinnt, und es ist um so erfreulicher, wenn dies mit Sachverstand, mit Kurzweil und mit dem erforderlichen professionellen Abstand zum eigenen Handeln erfolgt. Hier ist es auf glückliche Weise gelungen: Der Verlag managerSeminare, mittlerweile bekannt für solide und anwendungsnahe Veröffentlichungen zum Thema Training und Beratung, hat zwei praxiserfahrene Autorinnen gewinnen können, um das Thema Training und Theater fundiert "auf die Bühne zu bringen". Das Buch wird mittlerweile als "Standardwerk" des neuen Weiterbildungstrends gehandelt (Financial Times Deutschland, 18.3.05, S. A3).

Theater im Training: Man kann es nicht deutlich genug sagen: Es tut wirklich Not, dass Menschen, die in lehrender und/oder beratender Form professionell tätig sind – ob als Trainer, Consultant oder Referent... – sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Denn öffentlich zu agieren, zumal vor einer Gruppe, verlangt zu allererst Gespür für Auftritt, für Wirksamkeit von Sprache und Körpersprache, für die Wirkung der eigenen Person und für das Eigenleben des Publikums. Mit gutem Grund forderte Lessing Schauspieltraining für Pfarrer, denn Lernen und persönliche Veränderung erfordert zwangsläufig das persönliche Erlebnis, (neudeutsch: einen "Anker"), und wo kein Erlebnis – weil es leider nichts zu erleben gab –, da auch kaum eine Chance auf Lernen und Veränderung.

So weit, so banal, mag der Leser meinen. Aber warum erleiden wir immer wieder "Fortbildungsprogramme", die aus lieblos aneinandergereihten Trainingseinheiten bestehen, die vielleicht sachlich in einem Bezug stehen, allerdings für die Teilnehmer kein sinnstiftendes Lern-Erlebnis bieten und oft im nachhinein als "beliebig" beschrieben werden? Warum bemühen so viele inhaltsfixierte Fachleute – zweifellos in ihrer Sache kompetent – an langen Trainingstagen endlos ihren Beamer? Im schlimmsten Fall werden sie von ihrem eigenen Medium erschlagen und landen als blasse Lese-Stimme im Schatten ihrer Kino-Darbietungen. So mancher gute Spezialist, der seinen Teilnehmern in aller Aufrichtigkeit "doch einfach nur beibringen wollen, wie es in der Praxis doch nun einmal wirklich ist...", erlag schon der Versuchung und servierte seinen Kunden je nach Temperament ein dröge-endloses Sach-Referat oder eine heiter-konfuse Anekdoten-Kiste.

Es geht also nicht um irgendwelche heiteren Übungen, um abschlaffende Gemüter nach der Kaffeepause aufzulockern, sondern um ein grundlegendes Verständnis von Veranstaltungskonzeption und Lernerlebnis. Denn was für eine Abendveranstaltung gerade noch hinlangen mag, versagt spätestens bei einem zweitägigen oder gar längeren Training. Hier ist der Trainer als Dramaturg gefragt, um den richtigen Spannungsbogen sorgfältig zu planen und aufzubauen.

All diese Dimensionen von Theater in Training und Beratung erschließen sich auf unterhaltsame Weise im Buch von Funcke und Havermann-Feye, von Gedanken-Anstößen, die nachdenklich machen, bis hin zu "handgreiflichen" Anleitungen. Was zuerst auffällt ist die Leserfreundlichkeit des Buches, für viele Bücher von ManagerSeminare inzwischen ein Markenzeichen. Dies betrifft nicht nur die konsequent durchgezogene "Theatersprache" (der Leser findet Akte und Szenen statt Kapitel, ein Platzanweiser gibt jeweils Empfehlungen etc.), sondern eine stimmige Gesamt-"Dramaturgie". Was auf der Bühne den Zuschauer erfreut, gefällt auch dem Leser: Das Buch ist wie ein Stück aufgebaut, besteht aus kleinen, jeweils für sich vollständigen Sinn-Abschnitten (Modulen). Dazu kommen die vielen Lesehilfen: Rand-Glossen und Pictogramme helfen, sich schnell zurechtzufinden, Zwischenüberschriften und Kapitel-Inhaltsverzeichnisse erleichtern die "Navigation". All das gibt Struktur und schafft die für Erkenntnisprozesse so notwendige Orientierung. Wie bei einem gut gebauten Stück kann der Leser schnell ein Bild vom Ganzen bekommen, über die Lektüre eines kleinen in sich abgeschlossenen Bereiches.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf dem Unternehmenstheater im umfassenderen Sinn des Wortes. Hier wenden sich die Autorinnen sowohl an Trainer bzw. Theaterleute als auch an die potentiellen Kunden, die Unternehmenstheater einkaufen wollen, beispielsweise Personalentwickler. Die gängigen Formen des Unternehmenstheaters werden ausführlich vorgestellt und auch das ganz praktische "Theatermachen" kommt nicht zu kurz, etwa mit dem Aufbau einer Szene und eines Stückes. Auch das "drumherum" wird bedient: Wie verkaufe ich Unternehmenstheater oder wie sollte eine vorbildliche Nachbereitung aussehen und worauf sollte ich als "Einkäufer" von Unternehmenstheater achten etc. Ein zweiter Fokus der Autorinnen gilt dem Einsatz von Theater im "normalen" Training. Hier findet der Leser eine Palette von Möglichkeiten, wie kleinere oder größere Elemente der Methodik in verschiedene mehr oder weniger typische Trainings eingebaut werden können.

Mit diesen beiden Bereichen ist eine Spanne beschrieben, die sich erstreckt von der reinen "Theater-Darbietung", der Vorführung von Unternehmensrealität durch Schauspieler für eine Mitarbeiter-Gruppe, über das klassische Seminar-Rollenspiel oder die scheinbar "harmlose" Aufwärm-Übung zwischendurch zur Steigerung der Auftrittspräsenz, bis hin zum kompletten Arrangement eines Theaterprojektes durch die Teilnehmer mit selbst inszenierten oder improvisierten Szenen.

Diese Spanne steht auch für die Bandbreite der Methodik: Während das klassische Rollenspiel im Seminar Veränderung über einen Prozess "von innen nach außen", durch eigenes Handeln, bewirkt, setzt das "reine" Theater auf die "An-Schauung", also auf die umgekehrte Wirkrichtung, von außen nach innen. Distanz zu schaffen durch Betrachtung eines inszenierten und auf Wirkung bedachten Spiels, der Rollen-Tausch vom Beteiligten bzw. Passiv-Erleidenden zum Zuschauer oder gar zum Regisseur – das kann gutes Unternehmenstheater bewirken, und dadurch wird es möglich, wirksame Lösungen zu finden statt "Probleme zu wälzen". Zwischen diesen Punkten die situations- und teilnehmeradäquate Feinjustage zu finden, ist ein wesentlicher Faktor guter Theaterarbeit im Seminar.

Die alte Debatte über die Funktion von Kunst zwischen den Extremen "l´art pour l´art" einerseits und der "Kunst als Waffe" am anderen Ende der Skala wird hier auf einer neuen Ebene auf spannende Weise lebendig. Es geht also um Theater als Mittel für Veränderung, diesmal aber nicht im politischen Sinne verstanden, sondern um anders zu "bewegen", sei es eine Organisation oder ein Individuum. Die vielen Theatermetaphern in unserer Alltagssprache (eine Szene machen, das war ein Akt, eine Rolle spielen...) verdeutlichen, wie wirkungsmächtig und tief verwurzelt die Methodik des Theaters in unserer Alltagswahrnehmung ist.

Neugierige seien aber auch gewarnt: Für gute Theaterarbeit ist generell viel Erfahrung notwendig, das heben die Autorinnen immer wieder deutlich hervor. Andernfalls besteht schnell die Gefahr, dass ein Seminar mit Theater-Elementen zur oberflächlichen "Klamauk-Bude" entgleist oder Theater-Übungen "gepusht", gezwungen und ohne Authentizität bleiben. Gerade deshalb ist auch beim Einsatz von Theaterübungen oder Szenen im Seminar den "Nebensächlichkeiten", den berühmten kleinen Tricks und Kniffen, der genauen Planung des Settings etc. und schließlich dem berühmten Fingerspitzengefühl ein hoher Stellenwert beizumessen. An dieser Stelle ist eben wirklich Praxiserfahrung gefragt, sprich: Ausprobieren und Erleben, Theater-Seminare besuchen. Denn eine Übung, die im Seminar eingesetzt wird, sollte der Trainer zuvor selber erlebt haben.

Über die umfangreiche Behandlung der Methodik des Unternehmenstheaters hinaus erwartet den Leser eine reichhaltige Fundgrube von grundsätzlichen Überlegungen zum Thema Theater in Verbindung mit Training bzw. Präsentation, die sich durch die beispielhafte Gliederung gut erschließen läßt. So bieten die "Bühnenweisheiten" ab S. 23 hervorragende Beispiele für lösungsorientiertes Reframing (systemisch gesprochen: "Referenztransformation"), wie es zum modernen Coaching-Repertoire gehört. Überall finden sich im Buch derlei interessante Parallelen der Theatermethodik zu den zentralen therapeutischen bzw. beraterischen Interventionsmethoden.
Fazit: Theater gehört ins Training, so wie das Buch ins Regal des Trainers gehört.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Martin Goerner, Dr. Goerner Organisationsberatung, Bonn, www.dr-goerner.de)

(eisberg-leiter 06.09.2005)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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