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Beratung |
Alles für Berater und solche, die es werden wollen |
10 innovative Beratungskonzepte werden von einem illustren Autorenkreis vorgestellt, die da sind: integrierte Fach- und Prozessberatung, evolutionäre Organisationsberatung, Spiritualität, Organisationsaufstellung, Coaching, Supervision, Organisationsmediation, Kunst, Unternehmenstheater und Meta-Beratung. So innovativ im Sinne von neu sind diese Konzepte nun nicht, eher alter Wein in (teilweise) neuen Schläuchen. "Organisationsmediation" beispielsweise habe ich exakt wie beschrieben schon vor 25 Jahren gemacht, bei mir hieß es nur anders, nämlich Konfliktlösungsworkshop. Aber lassen wir die Etikettierungen der Konzepte beiseite, die teilweise mehr "Evolutionäres" versprechen als sie beinhalten. Lassen wir die teilweise aufgeblasene Wortwahl (wissen Sie, was Pertubationen sind?) beiseite. Lassen wir auch die teilweise verzweifelten Definitions- und Abgrenzungsversuche (Supervision ist etwas ganz anderes als Coaching) beiseite. Ob zur erfolgreichen Unternehmensführung unbedingt ein SQ, ein Quotient zur spirituellen Intelligenz, zielführend ist, sei ebenfalls dahingestellt.
Der Nutzen des Buches liegt weniger in der Darstellung der einzelnen Konzepte, obwohl auch diese einem Neuling im Beratungsgeschäft zweifellos zahlreiche Anregungen liefern. Der Nutzen liegt in der grundlegenden Ausrichtung von Unternehmensberatung, in der Öffnung des Blickes in jede erdenkliche Richtung, in der stärkeren Kundenorientierung. Das heißt auch: in der längst überfälligen Entthronung des – von Auslastungssorgen geplagten - omnipotenten Unternehmensberaters, der mit seinem Hammer jedes Kundenproblem als Nagel traktiert. Es gibt noch mehr Werkzeuge, die zu einem passgenauen Interventionsdesign notwendig sind.
In den richtungweisenden konzeptuellen Vorüberlegungen des Buches wird die traditionelle, nahezu ideologische Trennung in Fach- und Prozessberatung in Frage gestellt. Die klassische Unternehmensberatung a la McKinsey und Kienbaum war und ist Fachberatung. One-best-way-wissende Experten durchforsten nach festgelegtem Schema das Unternehmen, geben einen dicken Bericht ab, in dem steht, wie es geht, und verlassen das Unternehmen, bevor die eigentliche Umsetzungsarbeit anfängt. "Dagegen" steht die Prozessberatung. Systemische Organisationsentwickler, diese Softies, sind davon überzeugt, dass das gesamte Know-how im Unternehmen vorhanden ist. Es bedarf nur der externen Begleitung der notwendigen internen Kommunikations- Problemlöse- und Entscheidungsprozessen.
Die Autoren sehen die Zukunft von Unternehmensberatung zu recht nur in folgender Richtung: Der Weg führt weg von einer einzigen Beratungsrichtung und –überzeugung, weg von einem einzigen Denk- und Wertemodell, weg von Methodenegoismen und damit auch weg vom Einzelkämpfer, hin zu multikompetenten Anbieterteams, hin zu einem respektvollen Neben- und Miteinander im Interesse des Kunden. Einige Schritte auf dem Weg in eine gut organisierte multiprofessionelle Kooperation sind aufgezeigt. Inklusive der quantitativen und qualitativen Bestandsaufnahme und Evaluation von Beratung ("Berater werden als Feigenblatt eingekauft." "Gescheiterte Beratungsprojekte werden unter den Tisch gekehrt."). Aber es bleibt noch eine verdammt lange Wegstrecke zu gehen, damit Vielfalt nicht einem konzeptionslosen eklektischen Durchwursteln gleichkommt.
Ein Buch geeignet zum Selbstversuch gegen die übliche Beratungsresistenz der Berater.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Christa Rüssmann-Stöhr, Vizepräsidentin des Verbandes zur Förderung der Wirtschaftspsychologie e.V.)
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(crs 07.09.2005) |
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