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  Unternehmensflexibilität


Analyse und Bewertung in der betrieblichen Praxis
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Bernard, Heike
(2000)
Gabler, ISBN: 3409116575


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Schlagworte:
Unternehmensorganisation, Unternehmensstrategie

Themenliste Literatur
Unternehmensorganisation   Unternehmen brauchen Visionen, Strategien, Ziele und Planungen - und die hierfür geeignete Literatur.

Rezension:

Sind Sie flexibel? Wer würde da schon "Nein" sagen wollen in diesen turbulenten Zeiten...! Aber was genau soll denn gemeint sein mit "Flexibilität"? Und woran erkennt man "flexible Unternehmen"? Heike Bernard, Wissenschaftlerin an der Uni Kassel, knüpft an die Debatte um die Lernende Organisation einerseits sowie an der in den 80er Jahren aufgestellten OECD-Definition anderseits an, die Unternehmensflexibilität in vier Bereichen beschreibt:
  1. Interne Flexibilität (Organisation): Veränderungen in der Arbeitsorganisation und dem Entgeltsystem, Potenziale durch Technikeinsatz, F&E, KVP, Benchmarking.
  2. Externe Flexibilität (Absatzmarkt): Marketing und Kooperationen, Produktvielfalt.
  3. Numerische Flexibilität (Personalstruktur): Je nach Arbeitsanfall variierende Mitarbeiterzahl, flexible Arbeitszeitmodelle, Outsourcing.
  4. Funktionale Flexibilität (Qualifikation/Weiterbildung): Organisation, Inhalte sowie Durchdringungsgrad der Aus- und Weiterbildung.
Ein umfangreicher Fragebogen, der von 140 deutschen Unternehmen verschiedener Branchen beantwortet wurde, belegt die Tauglichkeit des OECD-Konzepts und fördert vier Flexibilitätstypen zutage:
  1. Die Offensiven: Ihr Flexibilitätsgrad ist hoch und in allen vier Flexibilitätsdimensionen stark ausgeprägt. Schwerpunktmäßig handelt es sich um Großbetriebe aus der Branche der Automobilzulieferer. Sie erreichen Flexibilität durch eine ganzheitliche Konzeption, wobei der Bereich der Human Resources (Funktionale Flexibilität) eindeutig das "Standbein" darstellt.
  2. Die Etablierten: Diese kleine Gruppe von Großbetrieben, vorwiegend aus der Chemie- und Pharmabranche, hat insbesondere die interne, aber – im Quervergleich – auch die externe Flexibilität stark ausgeprägt. Neue Formen der Arbeitsorganisation sind weit entwickelt und etabliert, so dass sie einen mittleren Flexibilitätsgrad aufweisen.
  3. Die Übergänger: Bei diesen Unternehmen aus den Branchen Textil, Nahrung und Genuss sowie Banken, Versicherungen und Dienstleistungen sind die Flexibilitätspotenziale weniger stark ausgeprägt als bei den "Offensiven", liegen also im mittleren Bereich. Gegenüber dem letzten Flexibilitätstyp, den "Reaktiven", wird allerdings weniger hektisch an der "Personaleinsatz-Schraube gedreht", statt dessen strategisch in den Bereich der Human Resources (Funktionale Flexibilität) investiert.
  4. Die Reaktiven: Diese tendenziell eher Kleinbetriebe aus den Branchen Papier und Verpackung, aber auch Verkehr und Versorgung sowie Chemie und Pharma, weisen einen niedrigen Flexibilitätsgrad auf. Ihr Handlungsspielraum scheint gering zu sein, sie managen Flexibilität hauptsächlich durch den Faktor Personal (Numerische Flexibilität).
Im Branchenvergleich stehen die Unternehmen aus dem Bereich Automobilzulieferer klar an der Flexibilitätsspitze, gefolgt von der Textilindustrie und der Metall-, Elektro- und Maschinenbaubranche. Im Mittelfeld finden sich die Unternehmen aus den Bereichen Verlags- und Druckindustrie, Banken, Versicherungen und Dienstleister sowie die Nahrungs- und Genussmittel wieder. Abgeschlagen auf den hinteren Plätzen, was Flexibilität angeht, rangieren die Unternehmen aus der Verkehrs- und Versorgungsbranche, Papier- und Verpackungsbetriebe sowie solche aus dem Bereich Chemie und Pharma.

Die Autorin resümiert, dass externen Kriterien, wie Globalisierung und Kontakt zu anderen Märkten, (noch) nicht die zentrale Rolle zukommt – wie häufig behauptet wird. Sicher liefern die Daten nur Tendenzen, so dass eine tiefere Branchenanalyse sowie ein internationales Benchmarking deutscher Unternehmen zur Absicherung der Befunde noch erfolgen müsse. Auch Längsschnittstudien wären aufschlussreich. Allerdings wird an dieser Stelle nur allzu deutlich, dass die Wissenschaft mit ihren Methoden angesichts der rasanten Entwicklung auf den Märkten schnell an ihre Grenzen kommt: Weder Zeit noch Geld wären in ausreichendem Maße vorhanden. Und auch die Untersuchungsobjekte halten nicht still – im Gegenteil.

Trotz des wissenschaftlichen Hintergrundes liest sich das Buch doch angenehm zügig und informativ. Heike Bernard hat mit dieser wichtigen Arbeit ein neues Kapitel in der Flexibilitätsdiskussion angestoßen. Man wird sie lesen, zitieren und ihre Befunde diskutieren. Kann man sich mehr von einem Buch wünschen?

(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers, Redaktion "Wirtschaftspsychologie aktuell")

(thw 13.09.2005)

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