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Unternehmertum |
Diese Rubrik umfasst alle Titel, die sich mit dem Dasein als Unternehmer befassen, solchen "in Gründung", den bereits aktiven, aber auch jenen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, Unternehmer im Unternehmen sein zu können. |
Bei diesem Buch handelt es sich nicht um ein Nachschlagewerk, sondern um einen Ratgeber, der "neuen" Geschäftsführern auf die Sprünge helfen will. Bei einem Ratgeber erwartet der Leser einen praktischen Nutzen. Außerdem sollte der Text klar, anschaulich und verständlich formuliert sein.
Beginnen wir mit der Sprache. Im Vorwort schreiben die Autoren: "Wir sind uns sicher, dass Sie, wenn Sie die in diesem Buch aufgeführten Ratschläge, Modelle und Vorgehensweisen
beherzigen und nutzen, nicht wirklich falsch liegen."
Das ist zwar etwas holprig ausgedrückt, klingt dafür aber vielversprechend. Auch von einem Fachbuchautor verlangt niemand, dass er sich ausdrücken kann wie Heinrich Heine oder Arthur Schopenhauer. Aber gerade im Management hat sich eine Ausdrucksweise breit gemacht, die umständlich und aufgeblasen daherkommt, auch in diesem Buch:
- "Lässt sich die verwendete Software updaten?"
- Ihre primäre Aufgabe ist es, Handlung und Bewegung zu ermöglichen.
- Liegt ein Fehlverhalten eines Ihrer Mitarbeiter vor, so ist es an der Zeit, eine adäquate Sanktion zu wählen.
- Bei einem anschlussorientierten Mitarbeiter ist eine vorübergehende Desintegration aus der Gemeinschaft (Versetzung oder Einzelaufgabe) und eine zeitweise Interesselosigkeit an der Person besonders wirkungsvoll.
Das Lieblingswort der Autoren ist offensichtlich "kommunizieren":
- Greenpease verstand es hervorragend, seine Ansicht durch öffentlich-wirksame Weise zu kommunizieren.
- Kommunizierte Kultur und gelebte Kultur sind zwei paar Schuhe.
- Wie kann die Vision den unterschiedlichsten Bedürfnissen Ihrer Mitarbeiter entsprechend kommuniziert werden?
- Wie lässt sich kommunizieren, dass der Unternehmenserfolg auf den bereits durchgeführten Veränderungen zurückzuführen ist? (Es gäbe noch mehr Beispiele)
Kommunikation bedeutet laut Duden "Verständigung". Der Stillehrer Wolf Schneider (Deutsch, Reinbek 2005) hält das Wort "Kommunikation" für einen Oberbegriff von Werbung und PR.
Nun zum Inhalt: Es werden Themen angesprochen, die für die Arbeit eines Geschäftsführers wichtig sind: Strategisches Management, Finanzielle Planung und Steuerung, Führung und Kommunikation, juristische Aspekte (Haftung etc). Das Kapitel "Finanzelle Planung und Steuerung" kommt mit 88 Seiten am besten weg. Offensichtlich haben die Autoren an alle Geschäftsführer gedacht, die keine Betriebswirte sind. Das Kapitel "Führung und Kommunikation", von den Autoren als "Königsaufgabe des Geschäftsführers" bezeichnet, kommt mit 70 Seiten recht kümmerlich weg, wenn man berücksichtigt, dass allein die Checklisten 21 Seiten ausmachen. Die Autoren verweisen recht schnell auf weiterführende Literatur. Aber die Leser lernen nichts Handfestes, wie etwa: Wie führe ich ein Einstellungs-, Beurteilungs-, Kritik- oder Trennungsgespräch?
Der Leser gewinnt recht schnell den Eindruck, als sei Management eine Schönwetter-Veranstaltung. Es ist nicht die Rede von innerer Kündigung, Personalabbau und möglichen Alternativen. Man erfährt nichts über schwierige Verhandlungen mit dem Betriebsrat, wenn es um Interessenausgleich und Sozialplan geht. Aber es gibt jede Menge Ratschläge für frischgebackene Geschäftsführer, die alle daherkommen, als wären sie eine Antwort auf die Frage: Ich habe wenig Zeit. Sagen Sie mir ganz schnell, was ich tun muss, um Erfolg zu haben!
Ich möchte pars pro toto einen Ratschlag herausgreifen, der lautet: Seien Sie ein Vorbild für Ihre Managementkollegen. Ich bin der Auffassung, dass Führungskräfte selbstbewusst genug sind, um ihren eigenen Weg zu finden und eigenständige Urteile zu fällen. Sie brauchen keine Vorbilder, jedenfalls keine lebenden. Wer das Bedürfnis nach Leitbildern verspürt, könnte sich an Figuren aus der griechischen Mythologie orientieren, wie an dem Halbgott Herkules. Er hat den Auftrag des Königs Eurystheus übernommen, wonach er zwölf schwierige Arbeiten ausführen musste. Er musste u.a. den Nemeischen Löwen erwürgen, Anttäus im Ringkampf besiegen, den Wachhund Zerberus fangen, die vielköpfige Hydra töten und den Stall des Augeias ausmisten. Führungskräfte von heute sind vor allem von dieser Tat angetan. Herkules musste an einem einzigen Tag die Aufgabe bewältigen, den Stall von Augeias auszumisten, immerhin den Mist von dreitausend Rindviechern. Als Lohn winkte ihm ein Zehntel des Viehbestandes. Herkules riss den Boden des Stalls auf einer Seite zu einem Kanal auf, leitete die beiden Ströme Alpheios und Peneios durch den Kanal, und der ganze Mist wurde mit großer Wucht weggeschwemmt.
In den Augen heutiger Führungskräfte gilt diese Tat als Symbol des Wandels, des Neuanfang und als Musterbeispiel gelungener Projektarbeit: Herkules löste die Aufgabe wie ein Unternehmer: Mutig (er kannte das Risiko), entschlossen und voller Energie. Die Symbolik haben Führungskräfte von heute verstanden: Ausmisten, ausräumen, Neuanfang. Eine saubere Lösung.
Fazit: Das Buch liefert Informationen, keine Frage. Allerdings knapp, mit vielen Checklisten. Eine neue Methode? Management by checklists.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz List
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(letter 22.09.2005) |
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