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Unternehmensorganisation |
Unternehmen brauchen Visionen, Strategien, Ziele und Planungen - und die hierfür geeignete Literatur. |
Die drei Autoren legen ein Buch über ein dauerhaft aktuelles Thema vor. Zwischenbetriebliche Zusammenarbeit auf Zeit zur Realisierung von Zielen, die ein Unternehmen allein überfordern würden, ist an sich ein sinnvolles Vorgehen. Die Praxis zeigt trotzdem, dass Kooperationen häufig scheitern – vor allem wegen unzureichender Vorbereitung und Planung oder fehlendem kulturellen, persönlichen oder strategischen "Fit". Es gibt also Bedarf an einem fundierten "ganzheitlichen Konzept zur Professionalisierung des Kooperationsmanagements", das einen praktischen Leitfaden für Kooperationsvorhaben liefert. Das jedenfalls ist das Ziel der Verfasser, und diesem Ziel wird ihr Buch auch gerecht.
Wie gehen sie das Thema an? Das Buch lässt sich grob in drei Teile gliedern: Einen Grundlagen-, einen Lehr-/Lernteil und einen Teil mit Praxisbeispielen. Der Grundlagenteil im Umfang von 83 Seiten umfasst außer der Einführung zwei Kapitel mit Basiswissen, z.B. mit Begründungen dafür, "warum alleine nichts mehr geht". Ausgehend vom Slogan "Collaborate or Die" werden Nutzen und Sinn von Kooperationen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, wobei das Urteil aus Sicht der Informations- und Kommunikationstechnologie am deutlichsten ausfällt. Zitat (S. 18): "Die modernen Kommunikationssysteme lassen... die Organisation der heutigen Unternehmen als Relikt der Vergangenheit erscheinen. Neue Formen der Unternehmensorganisation müssen an die Stelle der alten treten." Die Organisationsperspektive lässt dagegen auch Probleme von Kooperationen erkennen. Zitat (S. 24): "Eine Grundproblematik... stellt ihre inhärente Instabilität dar. Die in der Idealvorstellung sich dauernd neu konstituierende, aus egalitären Partnern bestehende Organisation widerspricht der Grundeinstellung des Unternehmers." – Weitere Themen sind u.a. die Unterschiede im Management von eigenständigen und kooperierenden Unternehmen sowie eine Typologie von Kooperationen mit den dabei jeweils möglichen Konfliktursachen.
Der zweite, oben als Lehr- und Lernteil bezeichnete Abschnitt mit seinen 88 Seiten präsentiert die von den Autoren entwickelte Vorgehensmethodik "für ein effektives und effizientes Kooperationsmanagement". Diese basiert nicht – wie sonst üblich – auf einem Lebenszyklusmodell mit klar voneinander abgegrenzten, planbaren Phasen, sondern auf dem Prozesscharakter und der internen Dynamik von Kooperationen, die sich im Verlauf der Zusammenarbeit ständig selber weiter entwickeln. Das vorgeschlagene Modell beinhaltet drei, sich gegenseitig beeinflussende Kooperationsprozesse:
- Das Identifizieren von Kooperationspotenzialen (was auch über die generell möglichen Partner entscheidet),
- das Vereinbaren des Kooperationsrahmens (als Ergebnis der Kooperationsverhandlungen)
- das Gestalten des operativen Designs.
Dazu kommt ein eigener Kooperationsprozess "Kooperationsanbahnung", der in acht Schritten vom Erstkontakt über drei Arbeitstreffen zur Implementierung der Kooperation führt. Die Einzelbausteine dieser Prozesse werden ausführlich beschrieben und durch zahlreiche Grafiken, Struktogramme, Tabellen und Praxisbeispiele veranschaulicht. Beim Thema "Kooperationsrahmen" findet sich auch eine Zusammenstellung der Hauptpunkte eines Kooperationsvertrages (S. 132-134).
Der Leser, der diesen Abschnitt tatsächlich durcharbeitet, bekommt ein umfassendes Rüstzeug für eigene Kooperationsvorhaben vermittelt. Klar gemacht wird ihm auch, dass Kooperationen kein Selbstzweck und keine stand-alone-Strategie darstellen, sondern "integraler Bestandteil des strategischen Managements erfolgreicher Unternehmen" sind und ihre Ziele sich aus den strategischen Zielen des Unternehmens ableiten (müssen).
Der dritte Buchteil – von den Autoren als "Anhang: Empirische Grundlagen" bezeichnet – stellt auf den letzten 26 Seiten reale Kooperationen von Industrieunternehmen sowie ein Apotheken-Netzwerk aus Österreich vor, darunter auch Fälle von Kooperationskonflikten.
Alles in allem: Ein hervorragendes Fachbuch, das aus der Literaturflut über Allianzen, Kooperationen, Netzwerke usw. deutlich hervorragt. Dass es hauptsächlich Beispiele aus der produzierenden Industrie heranzieht, wirkt nicht als Nachteil. Die präsentierte Methodik ist allgemein übertragbar, insbesondere auch auf die Dienstleistungsbranche.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Hansdieter Matthes) |
(hdm 30.09.2005) |
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