Um direkt herauszuplatzen: Hinter diesem griffigen Buch verbirgt sich ein richtiger Knüller. Lange hat mich ein Buch nicht so überzeugt. – Ein wichtiges Thema wird aufgegriffen, das liegt auf der Hand. Die neuen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sind eine stete Quelle für jedwede Form von Überforderung, Unsicherheit, kurz Stress. Daher kommt Stress- und Ressourcenmanagement eine hoch bedeutsame Funktion zu. Ein besonderer Fokus des Buches liegt dabei auf den aktuellen und künftigen Veränderungen der Arbeit und ihren Implikationen für Stressentstehung und -aufrechterhaltung. Ziel der Autorinnen ist es, hiermit Möglichkeiten zu eröffnen, Konzepte für Stress- und Ressourcenmanagement zu konzipieren, die auf diese Entwicklungen – wie zum Beispiel zunehmende Flexibilisierung und Individualisierung – zugeschnitten sind.
Die Grundlagen des Stressbegriffes werden zu Beginn sehr bündig und mit einem guten Händchen für die thematische Schwerpunktsetzung dargestellt. Denn der Stressbegriff ist ja geradezu dazu prädestiniert, ihn in jeder Hinsicht zu dehnen und so undifferenziert zu nutzen, dass ALLES Stress ist. Diese Falle umschiffen die Autorinnen souverän. Das Kapitel zu den Analyse- und Evaluationsmethoden startet mit wichtigen Fragen, die sich jede/r stellen sollte, der oder die ein entsprechendes Instrument einsetzen möchte (zum Beispiel: Was wird analysiert? Welche Theorie liegt zugrunde? Welche Gütekriterien sind anzulegen?).
Es folgt eine Übersicht über die wichtigsten Varianten, bevor gängige Interventionsmethoden vorgestellt werden. Die gängigen Trainings, aber auch Entspannung und Biofeedback finden sich hier neben integrativen und bedingungsbezogenen Interventionen wie Arbeitsgestaltung. Sehr hilfreich auch die Darstellung eines idealtypischen Prozesses eines betrieblichen Stress- und Ressourcenmanagements. Zum Schluss des Buches findet sich ein Szenario aus einem Call Center, welches das praktische Vorgehen verdeutlicht.
Das besonders Gelungene an diesem Buch ist das richtige Maß zwischen Fundiertheit und Wissenschaftlichkeit einerseits und Anschaulichkeit, Prägnanz und Praxisbezug andererseits. Es kommt selten vor, dass es so gut gelingt, Fach- und Führungskräften, Betriebsräten und Trainern – also Praktikern – gerecht zu werden, ohne ins zu Plakative abzudriften. Der Sprachstil ist angemessen differenziert, aber sehr verständlich – zahlreiche, gut gewählte Beispiele illustrieren die gemachten Ausführungen; es finden sich Zusammenfassungen, übersichtliche Kästen und auch gut gelungene Zeichnungen. Ein didaktisches Leckerchen.
Hervorzuheben sind auch die sehr informativen Anhangsmaterialien: Da findet sich ein kommentiertes Literaturverzeichnis mit Lesetipps zum Einstieg in das Thema Stress, in das Thema Ressourcen, zu Stress- und Ressourcenmanagement und der Wirksamkeit eines solchen, über Trainingsmanuale, Ratgeber – und das alles nochmals in einer Übersichtstabelle, die keine Wünsche offen lässt. Zudem sind wichtige Analyse- und Evaluationsinstrumenten wie Screeningschemeta, Instrumente zur Mitarbeiterbefragung und zur Analyse von Stressbewältigungsstrategien, in ihrem Ablauf und ihren Charakteristika übersichtlich zusammengefasst. Zu guter letzt bietet das Buch einen Anhang mit wichtigen Adressen.
Fazit: Auf der Skala Praxistauglichkeit hat sich das Buch eine 1+ verdient. Uneingeschränkt empfehlenswert!
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Claudia Gerhardt, Redaktion Wirtschaftspsychologie aktuell)
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