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Konfliktmanagement |
Konflikte können das Salz in der Suppe sein und sogar Innovationen hervorbringen - aber sie können auch verheerende Wirkung haben. Wie man mit ihnen umgeht.... |
Der schwedische Arzt und Psychologe Heinz Leymann hat 1993 Mobbing als Konzept populär gemacht. Die Reaktion auf die Veröffentlichung Leymanns war überwältigend. Mobbing fand vor allem Eingang in die Yellow Press. In Kürze publizierten mehrere Verlage bereits Ratgeberliteratur. Mobbing wurde nun zunehmend inflationär und verwässert, teilweise sogar als Kampfbegriff benutzt. Auffallend am öffentlichen Diskurs seitdem ist ein gelegentlich anschwellender missionarischer bis paranoider Unterton – mit dem Mobbing-Vorwurf kann man sich offenbar hervorragend als Opfer positionieren und gegen jedwede Kritik immunisieren. Daher scheint eine kritische Rezeption dringend angeraten und von Nöten zu sein.
Die wissenschaftliche Forschung hat es angesichts dieses populären Hangs zum Tunnelblick eher schwer, sich zu positionieren und gehört zu werden. Während von ihr schnelle Lösungen und Solidarität mit den Opfern gefordert werden, tut sie sich schon mit der Definition von Mobbing schwer. Viele der Mobbing-Handlungen für sich genommen können kaum als Mobbing bezeichnet werden. Des weiteren bestehen große methodische Schwierigkeiten: Es fehlen Längsschnittuntersuchungen, und Täter - so wird berichtet - ließen sich ungern befragen. Viele vermeintliche Befunde bleiben deshalb indifferent, weil das Ursache-Wirkungs-Dilemma nicht zufriedenstellend gelöst werden kann: Wird jemand beispielsweise gemobbt, weil er depressiv ist, oder wird jemand erst durch Mobbing depressiv?
Zunächst muss festgehalten werden, dass die vorverurteilende Wortwahl - Mobbing kommt von pöbeln (engl. to mob) – einer sachlichen Diskussion im Wege steht. Doch damit ließe sich womöglich leben, würde die Kritik nicht massive inhaltliche Vorbehalte äußern, die Mobbing als Konzept disqualifizierten. Oswald Neuberger, Augsburger Organisationspsychologe und zu den Koryphäen seines Fachs gehörend, ist einer der profiliertesten Kritiker, der sich seit Jahren mit der Mobbing-Diskussion beschäftigt hat. Er zeigt, dass es sich bei Mobbing mitnichten um ein wissenschaftliches Konzept handelt und der Kritik nicht stand hält. - Wenn auch Mobbing inzwischen in Deutschland via Arbeitsrecht durchaus justiziabel geworden ist...
Neuberger führt nicht nur eine wissenschaftliche Beweisführung, er zeigt auch an einigen Fallbeispielen anschaulich auf, wie subjektiv die Lage jeweils beurteilt werden kann. Für Neuberger ist das Mobbing-Modell eine Bewertung posthoc: Erst wenn jemand mit Angriffen nicht fertig geworden ist, nennen wir das Geschehen Mobbing. Und es ist doch seltsam, das manche mit so wenig fertig werden, andere mit soviel mehr... Nur durch diese willkürliche Beschränkung des Sichtfeldes auf die "Opfer" entstünde der Eindruck eines quasi zwangsläufig eskalierenden Viktimierungsprozesses. Mobbing folgt damit dem Muster einer sich selbsterfüllende Prophezeiung - wie es klassischerweise in der Labelling- oder Verschwörungstheorie beschrieben wird.
Damit könnte man die Sache damit auf sich beruhen lassen. Die "Zorros der Mobbingszene" (zum Beispiel: Anwälte, Gewerkschaften) wären damit als "Trittbrettfahrer und Kriegsgewinnler" entlarvt. Doch damit will Neuberger sich nicht begnügen. Er leugnet auch nicht, dass es solche schlimmen Verläufe geben kann und gibt, die manche Mobbing nennen. Aber er erweitert die Perspektive über das Opfer hinaus und lenkt den Blick auf den systemischen Kontext: Er unterscheidet Täter-Angriffs- und Opfer-Aktions-Repertoire sowie Ressourcen. Für den "Vater des Konzepts Mikropolitik" ist Mobbing ein (grausames) "Spiel". Es wäre weltfremd zu meinen, Mobbing ließe sich verhindern. Man kann eben nicht aus dem "Spiel" aussteigen. Aber es lassen sich doch Bedingungen und Spielregeln verändern. Alles, was beispielsweise ein Individuum zur Verbesserung seiner sozialen und persönlichen Kompetenz unternimmt, trägt mit dazu bei, seine Ressourcen zu stärken. Dito tragen Arbeitsorganisation, Leitbild und Führung et cetera dazu bei, Bedingungen zu verändern, zu verbessern. Nicht zu vergessen die Kommunikation per se, wozu auch der fleißige Gebrauch der Metaebene gehört.
Neuberger schließt hier nun keinen praktischen Ratgeber an, sondern überlässt es dem Leser, seine Konsequenzen zu ziehen, Fertigkeiten zu entwickeln, das Spiel zu analysieren und selbst in die Hand zu nehmen. Damit erweist sich dieses Buch als nicht unbedingt für den Endnutzer gedacht. Doch für all die zahlreichen (selbsternannten) Retter und (hilflosen) Helfer im professionellen Feld, auch für die Ratlosen und Irritierten in Personalabteilungen oder Betriebsrat, sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre gehören.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers, Chefredakteur der Wirtschaftspsychologie-aktuell)
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(thw 01.12.2005) |
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