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Mehr-Generationen-Familienunternehmen
Erfolgsgeheimnisse von Oetker, Merck, Haniel u. a.

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Simon, F.B. / Wimmer, R. / Groth, T.
(2005)
Carl Auer Verlag, ISBN: 3896704818


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Familienunternehmen, Systemtheorie, Unternehmensstrategie, Geschäftsmodelle

Autor(en):
Simon und Wimmer: u.a. Professor für Führung und Organisation am Institut für Familienunternehmen der Universität Witten Herdecke und selbst als Berater tätig / Groth: Mitarbeiter an o.g. Institut.

Themenliste Literatur
Unternehmertum   Diese Rubrik umfasst alle Titel, die sich mit dem Dasein als Unternehmer befassen, solchen "in Gründung", den bereits aktiven, aber auch jenen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, Unternehmer im Unternehmen sein zu können.

Mit welchen Chancen und Risiken sind Familienunternehmen ausgestattet? Was ist ihr Schlüssel zum Erfolg und welchen Veränderungserfordernissen sehen sie sich gegenübergestellt, um zu überleben?

Die Autoren haben regelmäßig persönliche Gespräche mit den Beteiligten geführt, und gewissenhaft analysiert, was über Glück und Unglück eines Familienunternehmens mitentscheidet. Die lange Zeit eher altmodisch verschrieenen Familienunternehmen erleben in diesen Tagen eine Renaissance. Nach dem "Auf und Ab" der New Economy erinnert man sich wieder an traditionelle Werte, die in Familienunternehmen schon immer eine wichtige Rolle gespielt haben.

Was unterscheidet diese nun genau von anderen Organisationen? Mit welchen besonderen inneren und äußeren Bedingungen gehen die Menschen dort um und wie gelingt es ihnen, unterschiedliche Ansprüche einer Familie versus der des Unternehmens konstruktiv zu verbinden? Im Buch finden Sie erste Antworten!

Inhalt: Auf ca. 250 Seiten im Format DinA5 finden Sie neun Kapitel:
  1. Einleitung:
    Eher zufällig ergab sich das zu erforschende Thema, als die Autoren mit Familienunternehmern zusammensaßen und anfingen sich zu fragen, wie Familienunternehmen eigentlich funktionieren.
  2. Die wissenschaftliche Ausgangssituation:
    Das Dreiecksverhältnis: Familie – Eigentümer – Unternehmer bildete die Grundlage für die nachfolgenden Überlegungen. Erste Erkenntnis war: "Die Erfolgsgeheimnisse von Mehr- Generationen-Familienunternehmen liegen unseres Erachtens in ihrer Fähigkeit, Paradoxien zu managen." (S. 23)
  3. Paradoxie-Management in Familienunternehmen:
    "Im Familienunternehmen droht die Gefahr, sich in Paradoxien zu verstricken immer dann, wenn sachorientierte zu personenorientierten Entscheidungskriterien in Widerspruch geraten und es nicht klar ist, wie im Zweifel die Prioritätensetzung erfolgt." (S. 30)
  4. Die Familie:
    Hier wird zwischen folgenden Formen unterschieden und anhand von konkreten Beispielen aufgezeigt, wie sich Familien zu Unternehmen entwickeln:
    • Die Kernfamilie
    • Die Mehrgenerationen Familie
    • Die Re-Inszenierung der Kleinfamilie
    • Die Stammesorganisation
    • Das Mehr-Familienunternehmen
    • Die Großfamilie als Organisation
    Wichtige Erkenntnis hier: Je mehr Regelungen die Abläufe bestimmen, umso höher ist die Bindung der Beteiligten ans Unternehmen. Je mehr Freiheit, umso mehr wird eine gewisse Unverbindlichkeit ermöglicht, die durch offene Regeln mehr Spielräume für persönliche Innovationen lässt. Diese Korrelation entscheidet jedoch nicht automatisch über Erfolg oder Misserfolg. Es scheinen jedoch beide Faktoren zu unterschiedlichen Familien und ihren Rechtsformen besser oder schlechter zu passen. Als optimal wird von den Autoren ein Mindestmaß an Regelung gesehen, welches jedoch dem Einzelnen gewisse Freiheiten ermöglicht und so auch individuelle Potenziale fördert.
  5. Das Unternehmen:
    Folgende These leitete die Überlegungen: "Das Management von Familienunternehmen bzw. von Familien und Unternehmen ist mit Widersprüchen zwischen den unterschiedlichen Regeln und Werten von Unternehmen und Familien konfrontiert, die zu paradoxen Handlungsaufforderungen führen... die Langlebigkeit von Familienunternehmen ist möglicherweise dadurch zu erklären, dass sie die Paradoxien nicht durch die Spaltung der beiden Bereiche beseitigen, sondern dadurch, dass sie die Paradoxien am Leben erhalten und sich damit einem Dauerkonflikt aussetzen." (S. 127)
  6. Das Management von Paradxien als Erfolgsfaktor: Einige – von insgesamt sechs - Grundparadoxien seien hier beispielhaft benannt:
    • Familien und deren Spielregeln als Ressourcen für das Unternehmen vs. Familien und ihre Spielregeln als Gefahr für das Unternehmen
    • Die Idee der Gerechtigkeit in der Familie beruht auf Gleichheitserwartungen und Gleichbehandlung vs. Die Idee der Gerechtigkeit im Unternehmen beruht auf Ungleichheitserwartungen und Ungleichbehandlung. Eine Erkenntnis hier: "Mitglieder erfolgreicher, langlebiger Familienunternehmen müssen es aushalten, dass es normal ist, in jedem Feld anders bewertet zu werden. Familienmitgliedschaft ist kein Wert an sich.. und verschafft keine Privilegien im jeweils anderen Spielfeld." (S. 176)
    • Die Identität... der Familie wird durch Traditionen gewährleistet (Vergangenheitsorientierung) vs. Unternehmen bedürfen eines hohen Innovationsgrades, wenn sie materiell überleben wollen (Zukunftsorientierung). Eine wichtige Beobachtung zu diesem Thema: "Langlebige Familienunternehmen zeichnen sich alle durch die Fähigkeit aus, sehr genau unterscheiden zu können, an welchen gewachsenen Traditionen es festzuhalten gilt und in welchen Fragen der Unternehmensentwicklung ein hohes Maß an Flexibilität und Veränderungsbereitschaft gefordert ist." (S. 203)
    • Mehr-Generationen-Familienunternehmen – ein Modell für nachhaltig erfolgreiche Unternehmensführung: Leider widmet man sich nur auf sechs Seiten diesem Thema und bietet damit Platz für weitere Forschung und Literatur! Essenz: Hier scheint mehr der bescheiden und integer ausgestattete Persönlichkeitstyp als Führungskraft anerkannt zu werden.
    • Die andere Art des Kapitalismus? – das Shareholder-Value-Konzept als Gegenmodell zum Familienunternehmen: Das Share-Holder-Value Modell wird genauer unter die Lupe genommen und auch dessen potenzielle Gefahren angerissen (Bsp.: Was bedeutet es möglicherweise, die Strategie und Führung hauptsächlich an außenliegenden und sich kurzfristig veränderbaren Interessen wie denen des Kapitalmarktes oder Anteilseigner auszurichten?)
    • Schlussbemerkung und Literatur
Zielgruppe: In erster Linie werden sich natürlich Familienunternehmer angesprochen fühlen oder Personen, die in Familienunternehmen tätig sind. Für diese Personengruppe kann es hilfreiche Hinweise geben, die eigenen Strukturen und Kräfteverhältnisse auf den Prüfstand zu stellen und sowohl sinnvolle als auch notwendige Änderungen vorzunehmen. Auch die Gruppe der Berater kann wichtige Erkenntnisse gewinnen, um die Besonderheiten dieser Organisationen besser einschätzen zu können. Scheinbar auf den ersten Blick Unverständliches in solchen Firmen wird durch die Lektüre nachvollziehbar und auch "sinnvoll".

Resümee: Lesenswert! Ein Beginn, sich Unternehmen anders zu nähern als rein unter der Berücksichtigung der Bilanz; ein mutiger Schritt hinter die Fassaden der Unternehmen zu blicken. Hier auch mutig von den gefragten Familienunternehmern selbst, die sich auf das Risiko einließen, in gewissem Rahmen Internes preiszugeben, was – angesichts der Regeln dieses Unternehmenstypus – besonders erstaunlich ist. Der Rezensentin hat es Mut gemacht, sich durch scheinbar selbstverständliche Grundsätze auch in anderen Themenbereichen nicht abschrecken zu lassen, genau diese zu hinterfragen und nach möglichen – evtl. sogar sinnvolleren - Alternativen zu suchen.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Dagmar Wiegel)

(dwiegel 22.01.2006)

Diese Buchbesprechung ...
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ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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