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Führung |
Führungskräfte haben es nicht leicht, sie sitzen immer zwischen den Stühlen. Da ist guter Rat teuer - und in diesen Büchern zu finden. |
Beginnen wir mit einem Zitat: "Serving Leaders führen, indem sie anderen dienen. Das klingt paradox, aber es funktioniert." Der Gedanke ist keineswegs neu und deshalb auch kein überraschendes Paradox. Gedanken wie "Der König ist der erste Diener seines Staates" oder die vergleichbare Erkenntnis, dass Führung am besten über das Beispiel funktioniert, gibt es in vielen Kulturen und Varianten. "Serving Leaders" versucht, diese Botschaft in Form eines lehrreichen und etwas belehrenden Romans zu verbreiten. Es ist ein todernstes Buch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Sohn und Tagebuch schreibende Ich-Erzähler, erfolgreicher Unternehmensberater, wird von seinem krebskranken Vater gebeten, ein Projekt zur Entwicklung eines neuen Führungssystems zum Abschluss zu bringen. Der Sohn arbeitet nicht nur den Konflikt mit seinem Vater auf, er findet die Antworten auf die wesentlichen Fragen der Unternehmensführung und bekommt auch noch sein Privatleben in den Griff.
Alles ganz schön, aber mit großem Ernst und viel Moral aufgeschrieben. Die augenzwinkernde Distanz und der Humor mancher anderen Management-Soap, wie etwa Da Marco’s "Der Termin", sind dem Buch völlig fremd. Es ist ein sehr amerikanisches Werk und erinnert an die Predigt eines Baptisten: unterhaltsam, dem Showeffekt nicht abgeneigt und bemüht, die moralische Qualität der geneigten Zuhörer zu heben. Die Charaktere der Geschichte sind standhafte Helden und Heldinnen, ernst und zielstrebig. Das Ergebnis des Lehrbuchs in Romanform ist ein Führungssystem, mit dem Sie garantiert Ihr Unternehmen und Ihre Kirchengemeinde auf die richtigen Füße stellen und Ihren Platz im Leben finden.
Ob einen das begeistert, ist Geschmackssache. Hätten Sie’s nicht auch `ne Nummer kleiner? Den ganzen Ernst und Anspruch sowie die Wurzeln des Unternehmens repräsentiert das Matthäus-Zitat „...wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht..."
Gegen die Inhalte ist nichts zu sagen. Der Wille zu Toleranz und Zusammenarbeit mit unterschiedlichen religiösen und gesellschaftlichen Richtungen ist erklärtes Programm des vom christlich-amerikanischen Weltbild dominierten Konzepts. Der Anspruch ist ein umfassendes Führungsmodell, das sich für soziale Einrichtungen, politische Gemeinwesen, Unternehmen und private Lebensführung gleichermaßen eignet. Die Quintessenz sind fünf Schritte:
- Auf die Stärken setzen
- Den Weg bahnen
- Die Latte höher legen
- Die Pyramide auf den Kopf stellen
- Einem großen Ziel verpflichtet sein
Wenn alle auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiten, dann wird es schon klappen. Gerade bei der Anwendung auf politische Systeme wie eine Großstadt, die hier beispielhaft beschrieben wird, ist Skepsis angebracht. Soziale Systeme funktionieren doch wohl eher als ständiger Balanceakt vieler divergierender und konkurrierender Interessen und Ziele. Ob die Pyramide nun Kopf steht oder nicht – als Modell für eine Gesellschaft ist sie etwas zu einfach, um die Realität abzubilden. Aber das Matthäus-Zitat ist wirklich einen Gedanken wert, scheint sich aber in der in letzter Zeit wieder häufiger zitierten "christlich-abendländischen Kultur" noch nicht so völlig durchgesetzt zu haben...
(MWonline zur Verfügung gestellt von Charlotte Venema) |
(venema 25.01.2006) |
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