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  Buchbesprechung


Karrierestrategien für freche Frauen


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Ley,Ulrike / Michalik, Regina
(2005)
Redline Wirtschaftsverlag, ISBN: 3636012614


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Selbstmanagement, Frauen, Karriere

Themenliste Literatur
Karriere   Wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, ist hier richtig: von der Bewerbung bis zu schwierigen Entscheidungen an wichtigen Weichen des eigenen Werdegangs

Der Titel macht Appetit. Wer möchte da als Mann nicht gerne einmal über den Zaun schauen? Gerade dann, wenn Sätze wie "es geht darum, die Regeln der Männer zu kennen, anzuwenden und sie für uns zu nutzen" die Zielgruppe des Buches doch etwas einschränken.

Dies ist ein flott geschriebenes Arbeitsbuch mit vielen Zitaten, Metaphern, Geschlechterstereotypen und vor allen Dingen ein Buch mit Unmengen von Tipps. Mehr als 80 von ihnen sind hervorgehoben in eigenen Kästchen, und dann gibt es noch die 7 Schritte zum Erfolg, die 10 Gebote für Netzwerkerinnen, die 7 Regeln für Spielerinnen, die 7 Fallen in Kooperationen, die 7 Brücken in Konflikten, die 6 Regeln zur Verbindung von Privat- und Berufsleben, etc.

Das muss man aushalten können, 230 Seiten mit Aufforderungen wie z.B. "Klären Sie Ihre Ziele - Geben Sie sich die Erlaubnis, sich durchzusetzen - Reden Sie wie eine gute Mutter: freundlich aber bestimmt - Suchen Sie sich eine Mentorin und seien Sie eine Mentorin...", so als stünden die Leserinnen in den Startlöchern - durch ihr Frauenerbe noch etwas verzagt und bescheidenheitsgehemmt - und warteten nur auf das erlösende Kommando "Lauft los, Mädels!" und auf die vielen anspornenden Tipps aus dem Megaphon der beiden Trainerinnen. Wer den Aufforderungsstil mag oder gewohnt ist, kann eine Menge brauchbarer Tipps entdecken.

Ulrike Ley (Sozialwissenschaftlerin) und Regina Michalik (Psychologin), beide als Coach in eigenen Unternehmen tätig, haben aus ihrer Arbeit mit Klienten, aus zahlreichen Interviews mit Frauen in Spitzenpositionen in Politik, Kultur und Wirtschaft (viele aufschlussreiche Zitate!) und aus der Literatur einen bunten Korb von Kurzgeschichten und praktischen Verhaltensrezepten zusammengetragen. Die Themenpalette ist weiblich weit (und nicht männlich "tunnelsichtig" eng): es geht der Reihe nach um Gesellschaftszwänge, die Bescheidenheitsfalle der Frau, Netze und Seilschaften, Lust an der Macht, Spielregeln der Männer, Mannschaftsspiele, Feiern und Feedback geben, Grundstrategien (Leistung, Offensive, Integration), Verhalten als Chefin, Privates und Beruf, Gefühle und Verstand, Frauen-Freundschaft und Frauen-Feindschaft, Kooperation und Partnerschaften, Mentoren und Vorbilder, Erfolgsrollen (Hosenrolle, Heilige, Iron Lady, Superfrau), Konkurrenz und Konflikte, Mobbing und Intrige, weibliche Waffen, Falten, Handtaschen und Brillis.

Erzählt wird knapp, handfest und aus dem Leben. Piktogramme am Rand (eine "Hand" bei den Tipps) sollen helfen, wichtige Aussagen nicht zu übersehen. Aber wozu dient ein Piktogramm (Bombe), wenn es im Text dann nicht gebraucht wird? Der volle Schwung der guten Absichten, der gesammelten Zitate und Tipps ist spürbar.
Vielleicht unvermeidlich beim Thema sind gelegentliche Ausflüge ins Holzschnittartige: "Und eher lernen Männer in Führungsseminaren Soft Skills, als dass Frauen für hohe Positionen eingestellt werden. Es gewinnt die Kopie, nicht das Original." Oder: "Männer sind anwesend und Frauen arbeiten.", letzteres erwähnt im Zusammenhang mit dem 24h-Anwesenheits- und Verfügbarkeitskult der Männer. Es gibt aber auch nüchterne Sätze wie "Rezepte für die weibliche Führung gibt es nicht." Und dazu passen dann gut Abschnitte, in denen eben kein eindeutiger Ratschlag gegeben wird. Beispielsweise: Wie viel Privates im Beruf? Wie viel Planung in der Karriere? Wann und wie mit weibliche Waffen? Wie viel Gefühle zeigen? Die Leserin erhält hier unterschiedliche Vorschläge. Abmischen darf sie selbst.

Das Arbeitsbuch lässt sich auch als reichhaltige Ideen- und Beispielsammlung lesen, die jungen Lesern (beide Geschlechter!) Stichworte für die eigene Reflexion gibt. Da Menschen so verschieden sind wie ihre Lebenswege, passt nicht jeder Tipp. Das ist aber kein Problem, denn Unpassendes lässt sich dank der knappen Kapitel rasch überlesen. Nützlich ist auch der Anhang mit der Bücherliste, der Filmliste und den Internetaddressen, die das Buch zu einem guten Ausgangspunkt machen. Und nicht zuletzt gibt es schöne Zitate: "Erst vor 5-6 Jahren bin ich endlich aus mir rausgekommen, endlich das geworden, was ich bin." (Hannelore Elsner) und "Man muss nur einmal mehr aufstehen als hinfallen." (Hildegard Knef).

Die Leidenschaft der Autorinnen, ihre "Schwestern" anzufeuern und mit praktischen Tipps zu versorgen, ist unverkennbar. Ohne Zweifel besteht noch Nachholbedarf. Nach neuesten Erhebungen (http://doku.iab.de/kurzber/2006/kb0206.pdf) gibt es in Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten nur 4% Frauen auf der 1. Führungsebene, aber immerhin werden 26% der Kleinstbetriebe (bis 9 Beschäftigte) von Frauen - wie unseren Autorinnen - geleitet.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Josef Reisdorff)

( 01.03.2006)

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lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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