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Wissensmanagement |
Ein neuartiger Begriff, der hoffentlich keine vorübergehende Modeerscheinung am Himmel der Managementthemen bleibt. Bücher zu einem spannenden Thema. |
Rezension:
Business und Competitive Intelligence (BI und CI) sind zur Zeit Boomthemen, die plötzlich zahllose Autoren, "Experten" und Berater aller Schattierungen anbieten. Der Anwender erfährt, dass eine erfolgreiche Unternehmenssteuerung nur mit BI-Tools für Abfragen, Berichte und Analysen möglich ist, es ihm aber an der richtigen Strategie bzw. dem "Masterplan" dafür gebricht. "Normalen" Endusern fällt es schwer, sich angesichts dieser BI-Lawine überhaupt noch vernünftig zu orientieren.
[Anmerkung des Rezensenten: "Intelligence" bedeutet nicht menschliche "Intelligenz", sondern so viel wie "tiefgehende Kenntnisse über und Einsichten in einen Sachverhalt".]
Ein Überblick von neutraler Seite über den Leistungsstand der "Intelligence"-Anwendungen und –Produkte und die Voraussetzungen ihrer Nutzung ist also sinnvoll. Das HMD-Themenheft 247 "Business & Competitive Intelligence" kann diese Mission insofern erfüllen, als mehrere Beiträge solche Übersichten enthalten: Hervorzuheben der einleitende Aufsatz von Hans-Georg Kemper und Henning Baars (Titel des Beitrages = Titel des Buches): Er klärt Inhalt und Herkunft der beiden Begriffe, erläutert das BI-Architekturprinzip (ein 3-Schichten-Modell), zeigt die Besonderheiten des BI-Teilgebiets CI auf und geht abschließend auf die Erfolgsfaktoren und Schwierigkeiten ("Herausforderungen") beim Implementieren von BI und CI ein. Ähnlich informativ der anschließende Beitrag über den "Status quo und zukünftige Entwicklungen" der Business Intelligence, der die Verteilung des BI-Einsatzes in Deutschland nach Anwendungsgebieten und Branchen behandelt. Auch darin: Ein Bericht über die Benchmarking-Studie von 2004 über den "Reifegrad" von BI-Anwendungen, beurteilt anhand der Merkmale Fachlichkeit, Technik und Organisation. Ihr Ergebnis: Die Telekommunikationsbranche ist am weitesten vorn, die Branchen Energie und Gesundheitswesen sind am weitesten hinten. Die Einordnung erfolgte anhand eines 5-Stufen-Modells namens "Business Intelligence Maturity Model", wohl in gedanklicher Anlehnung an das bekannte "Capability Maturity Model" (CMM) der Softwareentwicklung.
Der Beitrag "Competitive-Intelligence-Evolutionsphasen in der Praxis" informiert über ein Stufenmodell des CI-Einsatzes und veranschaulicht dieses am Beispiel der vier Unternehmen Lycos Europe, Infineon, Siemens COM und BASF Engineering Plastics, die sich (in dieser Folge) in den Evolutionsphasen "Lonely CI-Stars", "Guerilla-CI", "CI-Inseln" und "CI-Center" befinden. Die Merkmale dieser Phasen und ihre typischen Ausprägungen sind einer Tabelle am Schluss zu entnehmen. Der Leser kann damit – analog zum oben erwähnten 5-Stufen-Modell der BI-Reifegrade – versuchen, den CI-Status-quo in seinem Betrieb einzuschätzen.
Weitere Beiträge behandeln das derzeitige Angebot an Business Intelligence-Werkzeugen sowie Themen der Speichertechnologie (u.a. neue Konzepte für die Datenverwaltung und –nutzung, abweichend von den bisher vorherrschenden relationalen DB-Systemen), des Datenqualitätsmanagements und der Verarbeitung unstrukturierter Daten wie Text- und Internetinformationen (Stichwort Text Mining). Die Lektüre ist mühsam, da hier Spezialisten anderen Spezialisten ihr Know-how darlegen.
Am Ende des Buches finden sich noch zwei Aufsätze über Customer Relationship-Themen, obwohl gerade das CRM ein großes eigenständiges Arbeitsgebiet darstellt. Im Unternehmen hängt eben alles mit allem zusammen, so dass sich auch andere Aufgabenbereiche der "BI im weiteren Sinne" zuordnen lassen.
Alle Beiträge enthalten diverse Abbildungen, Grafiken oder Tabellen, durch die die Autoren die Texte beleben. Allerdings ist die Beschriftung mitunter so klein, dass sie nur mit Lupe zu lesen sind (das gleiche gilt für die Screenshots in den Aufsätzen über die Speichertechnologien und die Werkzeuge). Umfangreiche Literaturangaben, die Angabe der Verfasseranschriften und deren Email-Adressen sowie ein Glossar erleichtern bzw. ermöglichen die Weiterarbeit an dieser komplexen Materie.
Gesamteindruck: Als Zielgruppe des Buches kommen nur Leser mit Informatik-Background in Frage, denen Begriffe und Themen wie Enterprise Application Integration (EAI), Data Warehousing, Data Mining und OLAP geläufig sind. Wer schon BI-Projekte plant oder bearbeitet, kann von einigen Beiträgen durchaus profitieren. Eine Lektüre zum Einstieg ins Thema ist das Buch nicht (und sicher auch nicht als solche gedacht).
(MWonline zur Verfügung gestellt von Hansdieter Matthes) |
(hdm 18.05.2006) |
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