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Arbeitswelt |
Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen |
Hemel legt hier keine trockene philosophische oder theologische Abhandlung zur Frage vor, ob Wirtschaft, Ethik und Religion zusammenpassen. Im Gegenteil! Aus der Perspektive des Praktikers und Topmanagers sowie des lehrenden Geisteswissenschaftlers greift er in den einzelnen Kapiteln praktische Fragestellungen aus dem unternehmerischen Alltag auf wie:
- Welchen Einfluss hat die Globalisierung auf ethisches Verhalten? Darf in einem Land produziert werden, in dem es Kinderarbeit oder die Todesstrafe gibt?
- Darf ein unrentabler Standort geschlossen werden, wenn das Unternehmen als ganzes wettbewerbsfähiger wird?
- Kann ich die Trennung von einem schlecht qualifizierten Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit verantworten?
- Wie kann ich meine persönlichen (religiösen) Werte als Manager mit den Werten des Unternehmens verbinden?
- Passen Gewinnstreben und religiöse Überzeugungen zueinander oder widersprechen sie sich?
In gekonnt dialektischer Manier klopft er diese und andere ethische Fragestellungen auf die Pro’s und Con’s ab, er lotet die Graubereiche und Ambivalenzen von Managemententscheidungen aus und zwingt den Leser zur inneren Auseinandersetzung und Positionierung. Plastische Beispiele für ethische Konflikte aus dem Unternehmensalltag liefert dabei die fiktive Geschichte der Firma ‚Transdyn AG’, einem in Deutschland ansässigen internationalen Logistikunternehmen mit weltweit mehreren tausend MitarbeiterInnen.
Hemel’s Ausführungen fußen auf folgenden im Vorwort (S. VIII) genannten Grundthesen:
- Persönliche Handlungsverantwortung ist unverzichtbar
- Ethische Orientierung eines Unternehmens bringt langfristig Erfolg
- Professionalisierung des Führungs- und Strategiemanagements ist ein ethisches Postulat
In fünf Kapiteln werden diese Thesen entfaltet:
- Kapitel I: Ethik im Rampenlicht
- Kapitel II: Ethische Werte im Kontext persönlicher Verantwortung
- Kapitel III: Religiöse und weltanschauliche Einflüsse auf ethische Entscheidungen
- Kapitel IV: Facetten von Erfolg und Scheitern
- Kapitel V: Ambivalenz, Universalität und die Produktivität der Hoffnung
Das letzte Unterkapitel in Kapitel V bildet sozusagen die Synthese seiner Erörterungen. Es trägt die Überschrift:
‚Der Traum: Ethische Mindeststandards in weltweiter Solidarität oder: Die Brücke zwischen gelebten Werten, wirtschaftlichem Erfolg und Demokratie’.
Hemel formuliert hier vier ethische Mindeststandards:
- Vertrauen ist die Grundlage jeder Geschäftsbeziehung, gekoppelt mit Grundwerten wie Sicherheit, Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit
- Transparente Kommunikation (Grundsatz:“Was jemand sagt, muss wahr und richtig sein – aber niemand ist verpflichtet, alles zu sagen, was er weiß.“ S. 283)
- Der ethische Imperativ der Strategie („Wer ein Unternehmen ohne Strategie führt, führt sein Unternehmen nicht gut. Das Wort ‚gut’ ist hier sowohl im professionell wertenden Sinn als auch im ethischen Sinn gemeint.“ S. 286)
- Das ethische Postulat optimaler Wertschöpfung („Optimale Wertschöpfung ist die stehe Suche nach dem bestmöglichen Kundennutzen beim höchstmöglichem Gewinn und möglichst kostengünstiger Leistungserstellung.“ S. 290)
Auf den letzten Seiten seines Buches diskutiert Hemel die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, Demokratie und Wohlstand. Er fordert: „Wir müssen es als unsere Aufgabe betrachten, für unser politisches und wirtschaftliches System besser zu werben. Es geht nicht um einen wilden Kapitalismus, sonder viel eher um eine ökologische und soziale Marktwirtschaft, bei der die Begründung wirtschaftlichen Handelns durch ethische Wertvorstellungen als Grenze und Orientierung für wirtschaftliche Akteure mit bedacht wird.“ (S. 305)
Die Einrichtung eines Welt-Demokratie-Index und die Gründung einer World-Democracy-Agency könnten dazu beitragen, den Traum von menschlicher Freiheit, ethischem Handeln, wirtschaftlichem Erfolg und demokratischer Entwicklung Realität werden zu lassen.
Hemel will mit seinem Buch Menschen, die ihr eigenes wirtschaftliches Handeln mit ethischen und religiösen Wertvorstellungen verbinden, ermutigen "...den eingeschlagenen Weg mit guten Gründen weiterzuverfolgen – denn Wirtschaft ist mehr als das ausschließliche Streben nach Macht und Geld." Das klingt missionarisch. Doch selbst ein Theologe wie ich mit einer ausgeprägten ‚Missionsallergie’ bekommt nicht das Gefühl, dass der Autor einem etwas überstülpen will. Nein, Hemel bezieht eine klare Position, an der man sich reiben kann, und beschreibt eine, nämlich seine aus abendländisch-christlicher Tradition stammende Vision einer besseren Welt!
Das Buch kann ich jedem Manager und Topmanager und natürlich auch allen anderen Interessierten ohne Einschränkung empfehlen!
MWonline zur Verfügung gestellt von Reinhard Fukerider)
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(fukerider.coaching 12.06.2006) |
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