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  Buchbesprechung


Führen mit Mediationskompetenz?
Eine Analyse des erforderlichen und adäquaten Einsatzes von Mediationskompetenz

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von Au, Corinna
(2006)
Verlag Dr. Kovac, ISBN: 3830022190


Unsere Bewertung:   

Schlagworte:
Mediation, Konfliktmanagement, Führung

Autor(en):
Langjährige Führungskraft, Hochschullehrerin und Mediatorin

Themenliste Literatur
Konfliktmanagement   Konflikte können das Salz in der Suppe sein und sogar Innovationen hervorbringen - aber sie können auch verheerende Wirkung haben. Wie man mit ihnen umgeht....

Das Buch ist eine erweiterte Form der Masterarbeit der Autorin im berufsbegleitenden Studiengang "Master of Mediation" an der Fern-Uni Hagen. Wissenschaftlich korrekt geht Frau von Au (saubere, allerdings für meinen Geschmack zu viele Zitate im Verhältnis zum Gesamtumfang von 150 Seiten; Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnis, ausführliches Literaturverzeichnis, klares Untersuchungsdesign, Zusammenfassung der Hauptthesen im Schlusskapitel) folgenden Fragen nach:
  • In welchem Verhältnis steht die neuerdings viel gepriesene Mediationskompetenz zu den traditionellen Führungskompetenzen?
  • Kann eine Führungskraft als klassischer Mediator agieren bzw. wie kann eine Führungskraft mediative Kompetenzen sinnvoll und effektiv einsetzen?
In Kapitel B beschreibt sie die traditionellen Kernkompetenzen einer Führungskraft (Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz) und vergleicht sie mit Goleman’s Modell der "Emotionalen Intelligenz". Die Autorin belegt mit zahlreichen Zitaten aus der einschlägigen Fachliteratur, dass
  1. Goleman mit seinem Modell das Rad nicht neu erfindet, sondern lediglich auf die Kernkompetenzen "Persönliche Kompetenz" und "Soziale Kompetenz" fokussiert und diese differenziert,
  2. Konfliktmanagement traditioneller Weise und auch bei Goleman zum Bereich der Sozialkompetenz gezählt wird.
Das Kapitel C beschreibt Wesen, Bedeutung, Typen, Verlauf und Stärke von Konflikten und beleuchtet Konfliktlösungsalternativen für horizontale und vertikale Konflikte in Organisationen. Zur Selbsteinschätzung des individuellen Konfliktlösungsverhaltens streift die Autorin kurz das hinlänglich bekannte Riemann-Thomann-Modell (kurz: Riemann’sches Kreuz).

Kapitel D ist dann dem Thema Mediation gewidmet. Nach einem kurzen historischen Abriss über Bedeutung und Herkunft und die Prinzipien (Neutralität bzw. Allparteilichkeit des Mediators, Freiwilligkeit und Selbstverantwortlichkeit der Medianten, Informiertheit, Vertraulichkeit) von Mediation stellt Frau von Au als eine verbreitete Struktur für den Mediationsprozess das fünfstufige ALPHA-Modell vor:
Auftragsklärung – Liste der Themen – Positionen und Interessen – Heureka = Lösungssuche und –bewertung – Abschlussvereinbarung.
Danach geht sie auf Einsatzmöglichkeiten der Mediation im organisatorischen Kontext ein, um sich anschließend mit dem Mediationsansatz von Anita von Hertel auseinanderszusetzen. Sie schildert ausführlich das von von Anita von Hertel entwickelte MIKADO-Modell, das sechs Ebenen mediativen Handelns beschreibt und Führungskräften als Raster zur Auswahl des jeweils richtigen Rollenverhaltens dienen kann:
Mediation (klassisch) - Innersystemische Mediation – Kombinationsmodelle mediativen Verhaltens – Anwaltlich-mediatives Handeln – Dialogisch-mediatives Handeln – One Party Mediation.

Frau von Au kritisiert, dass sich die Fachliteratur nicht ausführlich genug – es gebe lediglich unterschiedliche Hinweise auf die Rollenkonfusion und Interessenskonflikte von Führungskräften, die mediativ tätig werden - mit der Frage auseinander gesetzt habe, ob bzw. unter welchen Bedingungen Führungskräfte als "klassischer Mediator" tätig werden können. Daher führt sie in Kapitel E orientiert an den Grundprinzipien der Mediation (siehe oben!) den Nachweis, dass eine Führungskraft in der Regel nicht als "klassischer Mediator" im eigenen System agieren könne.
Besitzt eine Führungskraft allerdings Mediationskompetenz, kann sie entscheidend zur Entwicklung einer Konfliktkultur in der Organisation beitragen, Konflikte früher erkennen und einschreiten; sie lernt zu unterscheiden, welche Form der Konfliktlösung gewählt werden muss und wann Unterstützung durch Externe geboten ist. Mediationskompetenz ist demnach keine neue Kernkompetenz für Führungskräfte, sie eröffnet Führungskräften allerdings eine neue Dimension des Konfliktmanagements.

Das Buch genügt wissenschaftlichen Ansprüchen und besticht durch die Analyse der Fachliteratur. Führungskräfte erhalten hier anregende Impulse zur Rollenklärung bei Konflikten und zur Entwicklung einer mediativen Grundhaltung. Wer allerdings praktisches Handwerkszeug für seinen Mediatorenkoffer sucht, wird hier nicht fündig.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Reinhard Fukerider)

(fukerider.coaching 09.07.2006)

Diese Buchbesprechung ...
lässt keine Wünsche offen 
ist interessant, könnte aber ausführlicher sein 
ist wenig aussagekräftig 
wird dem Buch nicht gerecht 

 

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