Rezension:
Martina Offermanns und Andres Steinhübel haben ein Buch über "Coachingwissen für Personalverantwortliche" geschrieben. Allerdings stellt sich ärgerlicherweise auf den ersten Seiten heraus, dass unter Personalverantwortliche im Prinzip nur Verantwortliche der Personalentwicklung gemeint sind. Die Autoren haben auf Grund ihrer Erfahrung mit dem Thema und Interviews mit ausgewählten Personalentwicklern von großen, bekannten Unternehmen die Struktur dieses Buches entstehen lassen. Beide Autoren reduzieren den Begriff Coachingwissen allein auf die Implementierungsphase von Coaching im Unternehmen. Dafür haben sie folgende Strukturmerkmale definiert:
- Die ersten Schritte auf dem Weg zum Coaching
- Die beteiligten Personen im Coachingprozess
- Diagnose
- Konzept
- Implementierung – internes Marketing
- Durchführung
- Erfolgs- und Misserfolgsstories aus der Praxis
- Evaluation von Coachingprozessen
In allen Kapiteln werden eine Reihe von Checklisten oder typische Fragestellungen für den Leser angeboten, die er so oder abgewandelt für seinen Implementierungsprozess übernehmen kann. Ergänzt wird es noch durch ein oder zwei Mustervorlagen für Coachverträge.
Aus meiner Sicht hat mich das Buch etwas geärgert, weil der Buchtitel etwas verspricht, was im Buch selber nur sehr eingeengt dargestellt wird. Die Autoren definieren dieses Buch als eine Lektüre speziell für die Zielgruppe Personalmanager. So wird auf Seite 13 definiert: "Es gibt unendlich viele Bücher zum Thema Coaching. Dieses Buch ist allerdings speziell für die Zielgruppe der Personalmanger bestimmt und behandelt die damit verbundenen Fragen und Bedürfnisse. Denn in der Praxis wird immer wieder deutlich, dass viele Personalmanger in der bisherigen Literatur nicht alle Antworten auf ihre spezifischen Fragen bekommen. Dieses Buch soll die bestehende Wissenslücke schließen. Es bietet ihnen eine praktische Unterstützung für Ihren Coaching-Einführungsprozess." So lobenswert es ist, dass der Implementierungsprozess strukturiert dargestellt wird, so bedauerlich ist es aber auch, dass so wesentliche Themen fehlen wie
- Gibt es Informations-, Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates bei diesem Thema?
- Worauf ist bei Coachingprozessen in der Entstehung und in der Auswirkung zu achten oder womit muss man rechnen – siehe systemische Betrachtung?
- Welche typischen Schulen oder Denkansätze im Coaching gibt es – woran erkenne ich sie und welche sind in welchen Situationen wertvoll?
- Der Vorteil eines freien Coachings ohne Bezug zur Personalentwicklung.
Im Buch selber wird davon gesprochen, dass Coaching wohl nur in einer Vertrauenskultur funktioniert, gleichzeitig wird aber der Personalabteilung eher das Vertrauen abgesprochen, als Ansprechpartner für Coaching im Betrieb zu gelten. Im Buch wird einseitig die Priorität auf die Personalentwicklung als Bezugsinstitution bzw. Person gelegt. Dies finde ich sehr problematisch.
Des Weiteren finde ich es vom Tenor her sehr irritierend, dass Coaching als Instrument der Personalentwicklung dargestellt wird und zu Recht auf die notwendige innere Freiheit im Coachingprozess an verschiedenen Stellen des Buches hingewiesen wird, aber trotzdem der Eindruck entsteht, dass Coaching in diesem Sinne sich eher als ein ausführendes Tun von Fremdführung ( = ich entwickle Dich nach meinen Vorstellungen) darstellt.
Für Leser, die von der Thematik im Sinne des Einführungsprozesses von Coaching nun wirklich überhaupt nichts wissen, kann dieses Buch hilfreich sein. Dieses Buch aber einer Kompetenzgruppe "Personalmanager" als Fachbuch zum Thema "Coachingwissen für Personalverantwortliche" zu empfehlen, fällt mir in der Tat eher schwer.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dr. Rolf Meier) |