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Arbeitswelt |
Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen |
In den letzten Jahren sehen sich Unternehmen immer häufiger mit moralisch motivierten Forderungen konfrontiert, die von außen an sie herangetragen werden. Beispiele hierfür sind etwa die Gleichbehandlung von Frauen, Umweltschutzmaßnahmen oder die Offenlegung und Rechtfertigung von Vorstandsgehältern. Für die Unternehmen stellt sich diese Situation als Konflikt zwischen ihren eigenen ökonomischen Zielen und den von der Öffentlichkeit formulierten moralischen Ansprüchen dar. Dabei machen Unternehmen immer öfter die Erfahrung, dass ihr Verhalten selbst in solchen Fällen, in denen sie im Einklang mit bestehenden Gesetzen gehandelt haben, nicht von moralisch motivierter Kritik verschont bleibt.
Dass eine rigorose Kritik, die Gewinnorientierung per se verteufelt, heuchlerisch ist, macht der Autor im ersten Kapitel schon klar. Denn wer wäre nicht von dieser Welt, müsste er nicht auch mindestens für das eigene leibliche Wohl sorgen, also egoistisch handeln? Ein solcher moralischer Rigorismus stellt die Motive, nicht das tatsächliche Verhalten in den Vordergrund. Er brandmarkt den Egoismus beim anderen und übersieht den eigenen (in Form eines guten Gewissens beispielsweise).
Die Moral ist eine List der Vernunft, die der selbstzerstörerischen Verfolgung absolut gesetzter eigener Interessen Einhalt gebieten soll und die kooperatives Handeln möglichst unabhängig von der Einsichtsfähigkeit und der Selbstbeherrschung des Einzelnen etablieren will, konstatiert der Autor und führt sodann recht verständlich durch eine kleine Geschichte der Moralphilosophie.
Dass hierbei Immanuel Kant der Großmeister schlechthin ist, wird schnell klar und es fällt auf, dass die nachgeborenen Kritiker Kants (Schopenhauer, Nietzsche, Weber, Adorno/Horkheimer, Habermas etc.) nicht wirklich zu Gehör kommen. Es fehlt auch völlig der Name John Rawls, dafür wird etwas ausführlicher - und dies ist löblich - auf die "Spieltheorie" eingegangen; die letzten Wirtschaftsnobelpreise wurden ja an ihre Vertreter vergeben. Doch moderne konstruktivistische Entwürfe fehlen ebenfalls, das ist bedauerlich. Stattdessen wird von "außermoralischen Standpunkten" und "Quasi-Moralen" gesprochen. Da wünscht sich der Rezensent, der Autor möge doch einmal "Teil der Welt" von Heinz von Foerster in die Hand nehmen.
Durch die Beschäftigung mit der Ethik investieren Unternehmen, so der Autor, in ihre Rahmenbedingungen, in ihre Reputation und in die Produktivität ihrer Mitarbeiter; und damit befassen sich die nun folgenden sechs Kapitel. Da geht es um die Nützlichkeit von Ethikkodizes und -audits, um Corporate Governance, Reputation und Citizenship. Hier wird so einiges zusammengetragen, wobei immer wieder irritiert, dass sich der Autor lediglich auf einzelne Beiträge aus F.A.Z. oder Die Zeit bezieht. So will der Eindruck tieferen Verständnisses und Durchdringens seitens des Autors beim Rezensenten nicht immer entstehen: Zum Stichwort Mediation oder Aufsichtsrat kann man andernorts leicht gediegenere und differenzierendere Informationen finden, um nur einmal Beispiele zu nennen.
Vermisst wird zudem eine wirklich kritische Diskussion, die mit empirischen Daten untermauert ist, um einschätzen zu können, was denn beispielsweise Ethikkodizes wirklich taugen, wo ihre Grenzen liegen oder - noch viel interessanter - wie man denn die hehren Ansprüche umsetzt, in Verhalten von Management und Mitarbeiter operationalisieren kann. Der Autor verbleibt stattdessen an der Oberfläche.
Schwer seicht wird es dann im Kapitel über die Produktivität der Mitarbeiter. Hier geht es nun um den Sinn des Lebens, um Glück und Work-Life-Balance. Matthias Horx und Horst Opaschowski sind hier die Gewährsleute und eine Sonderausgabe "Psychologie heute" aus dem Jahre 1999. Natürlich kann eine familienfreundliche Personalpolitik für Unternehmen zuträglich sein, aber muss man dies nun moralisch aufladen?
Der Autor selbst beklagt, dass das Thema Unternehmensethik viel zu oft über die Kategorie Sonntagspredigt nicht hinaus komme. Er selbst hätte zum Ziel, es besser zu machen, sieht man vielleicht vom ersten Kapitel einmal ab, auch noch mehr beitragen können.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers)
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(thw 14.08.2006) |
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