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Unternehmensorganisation |
Unternehmen brauchen Visionen, Strategien, Ziele und Planungen - und die hierfür geeignete Literatur. |
So wird der noch ungewohnte Begriff, der dem Buch seinen Titel gab, im Glossar erläutert: "Evolutionsmanagement: Herangehensweise an das Management von Organisationen, bei der die Vorgänge in der Organisation als Lebensprozess betrachtet werden, die nach den gleichen oder ähnlichen Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten wie andere Prozesse in der Natur ablaufen. Bei der Gestaltung von Organisationsprozessen wird aus vergleichbaren Naturprozessen gelernt."
Die Autoren geben fünf grundlegende Denkweisen vor, die den Übertragungsprozess von der Natur in die Wirtschaft ausmachen. Zitat:
- "Entwicklungen in und zwischen Organisationen laufen vergleichbar und nach ähnlichen Mustern wie Evolutionsprozesse in der Natur ab.
- Wir lernen aus spezifischen Vorgängen in der Natur für Organisationsprozesse so, wie die Bionik aus intelligenten Lösungen in der Natur für neue technische Lösungen lernt.
- Dem Menschen passiert die Evolution. Gleichzeitig hat er durch seine Bewusstseinsentwicklung die Möglichkeit, Evolutionsprozesse zu begleiten, sie dabei zu gestalten und weiterzuentwickeln.
- Der Evolutionsmanager überträgt Kenntnisse aus der Biologie auch auf die individuelle Ebene der Organisation und kann daraus auch für sein eigenes Führungsverhalten lernen.
- Evolutionsmanagement ist bestrebt, die gestaltenden Entwicklungen im Wirtschaftsleben in das biologische Geschehen der Evolution zu integrieren, z.B. mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit."
Hierzu werden in elf Kapiteln die folgenden Themen diskutiert:
- Was ist Evolutionsmanagement? Eine Einführung
- Kampf oder gemeinsame Weiterentwicklung?
- Entwicklung von Organisationen
- Was den Organismus zusammenhält – der Blick in die Organisation
- Innovationsentwicklung aus der Natur lernen
- Wir lieben Veränderungen und wir meiden sie
- Schwarmintelligenz
- Was hat die Neurobiologie mit Evolutionsmanagement zu tun?
- Früher war alles viel einfacher
- Führen und sich führen lassen in der Evolution
- Ausblick
Anhänge, Glossar und Literaturverzeichnis ergänzen den Text. Das Ziel ist, dem Leser eine Anleitung zu geben, "mit der ganz unterschiedliche Problemstellungen der Unternehmensentwicklung, wie beispielsweise der Umgang mit Komplexität gelöst werden können. Am Ende jeden Kapitels erhält der Leser konkrete Vorschläge, wie die gesetzten Ziele erreicht werden können."
Leider verfehlt das Buch diese Zielstellung auf ganzer Linie. Die Beschreibung der Vorgänge in der Natur erfolgt unstrukturiert und ist aus naturwissenschaftlicher Sicht teilweise sogar falsch. Die Verknüpfung mit Vorgängen in der Wirtschaft erfolgt undifferenziert, da wesentliche Rahmenbedingungen nicht dargestellt werden und die Übertragung so nicht wirklich nachvollziehbar ist. So entsteht der Eindruck von Mutwilligkeit. Dabei verletzten die Autoren immer wieder ihre eigenen Grundregeln. So werden Schlussfolgerungen gezogen, die als Meinung der Autoren gelten müssen, nicht jedoch als Anwendung von Prinzipien der Natur. Beispielsweise werden parasitäre Verhaltensweisen rundheraus abgelehnt und für kooperative Netzwerke plädiert. Warum? Parasiten sind in der Natur und der Wirtschaft ausgesprochen erfolgreich. Hier wäre eine Diskussion sinnvoll gewesen, wann welche der beiden grundlegenden Varianten erfolgreich ist und welche Schlussfolgerungen ein Manager daraus ziehen kann.
Auch die weiteren Tipps zeichnen sich eher durch folgende Qualität aus: "So gestaltet der Evolutionsmanager:
Ein guter Evolutionsmanager integriert die Meinungen und Lösungsvorschläge seiner Mitarbeiter in seinen Entscheidungsprozess. Dadurch erkennt er, in welche Richtung die Energien seiner Mitarbeiter fließen und sucht seinen Weg in ähnlicher Richtung. Er muss aber auch die Fähigkeit besitzen, sich abzugrenzen und, falls die Mitarbeiter wie Lemminge auf den Abgrund zurennen, gegenzusteuern." oder "Binden Sie möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven in die Umfeldbeobachtung mit ein und fügen Sie die Ergebnisse in einem Bereich zusammen."
Schade, dass ein derart spannendes Thema durch solche Plattitüden zerschrieben wird. Hinzu kommt, dass die Verständlichkeit durch ausschweifende und sprunghafte Darstellung nur bedingt verständlich ist. Weniger wäre mehr gewesen.
Von der Natur zu lernen, wie Unternehmen entwickelt und langfristig gesteuert werden (Untertitel) kann mit einem solchen Buch dann gelingen, wenn sich der Leser vom Text löst und die genannten unternehmerischen Fragen und natürlichen Prozesse nur als Anregung für eigene Überlegungen nutzt. Dann bietet das Buch einige Anregungen. Für diejenigen, die sich erstmals mit dem Thema befassen, insbesondere wenn sie über wenig naturwissenschaftliche Kenntnisse verfügen, gibt es deutlich bessere Literatur.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Reinhard Fukerider) |
(fukerider.coaching 03.02.2007) |
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