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Die Medien, das weiß ein jedes Kind, sind böse! Warnend erhebt sich der moralisierende Zeigefinger der Pädagogen. Und wenn vor nicht allzu langer Zeit gar ein spektakulärer Schüleramoklauf stattgefunden hat, dann ist auch klar: Das lag an den „Ballerspielen“ - und die gehören verboten...
Soweit die allgemeine Meinung. Sie löst allerdings kein Problem, sondern ist selbst eines, weil unreflektiert. Doch hier ist jemand angetreten, der es differenzierter und vor allem besser weiß. Ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet von der Universität des Saarlandes. Die Diskussion um schädliche Auswirkungen der Medien, zeigt der Autor, ist so alt wie die Medien selbst, und es gibt kein Medium, das nicht in den Verdacht geraten ist, durch Darstellungen von Gewalt die Gewalttätigkeit seiner Rezipienten zu fördern. Das gilt für das Buch, den Film, das Radio, den Comic, das Fernsehen - und heute eben für das Internet und Videospiele.
Obwohl Psychologen sich schon früh mit Medien beschäftigten - so der Pionier der Wirtschaftspsychologie, Hugo Münsterberg, mit dem Film - hat sich das Fach Medienpsychologie erst in den 1990er Jahren wirklich etabliert - und damit auch emanzipiert von der pädagogischen Dominanz und psychologisch-stiefmütterlichen Behandlung.
Der Autor beginnt daher zunächst mit einem kurzen geschichtlichen Abriss, der für den Leser schon etliche Aha-Erlebnisse parat hat. Relativiert sich doch gar manche unreflektierte Überzeugung, wenn man ihren zeitgeschichtlichen Kontext erkennt. Es folgen vier Kapitel zu den Themen Mediennutzung und emotionale, kognitive und verhaltensbezogene Medienwirkungen. In einem letzten Kapitel werden medienpsychologische Forschungsergebnisse bilanziert - dies ist offensichtlich die Frucht der zweiten Auflage. Ein Literatur-, Autoren- und Stichwortverzeichnis runden das Buch ab und machen es erschließbar.
Mit großer Kompetenz führt der Autor den Leser durch das weite Feld und beschert ihm gar manche Erkenntnis, beispielsweise diese, dass der Umfang der Forschung zu Gewalt im Fernsehen im Gegensatz zu prosozialem Verhalten bemerkenswert überproportional hoch ist. Ansätze wie die Agenda-Setting-Theorie oder die Kultivierungshypothese werden in ihrer geschichtlichen Bedingtheit verständlich, und der Forschungsstand dargelegt. All dies geschieht in leichtem, verständlichem Duktus und immer wieder auch mit köstlichem Witz, dass es angenehm ist, dem Autor zu folgen. Keine Sorge, man wird hier nicht mit empirischen Datenmaterial erschlagen, wie es sonst in psychologischen Fachbüchern gerne der Fall ist.
Für medienpsychologisch Interessierte in Bildungs- und PE-Abteilungen, aber auch für Studenten ist dieses Buch ganz klar zu empfehlen. Es gibt nur eine gleich junge Alternative zum Buch, das Lehrbuch von Roland Mangold und Kollegen, und dies ist über 800 Seiten dick... Trotzdem gibt es auch eine Schwachstelle, das angehangene sechste Bilanzkapitel. Es gehört in die anderen Kapitel integriert und nicht angehangen. Womit auch klar ist, eine dritte Auflage muss dringend her. Im Fachgebiet - und im öffentlichen Diskurs - geschieht dafür einfach zu viel.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers, Chefredakteur "Wirtschaftspsychologie aktuell")
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(thw 07.02.2007) |
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