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Arbeitswelt |
Arbeitswelt steht hier als Sammelbegriff für alle Bücher, die sich mit Themen rund um Arbeit und Gesellschaft auseinandersetzen |
"Milton Friedman, 1912 in New York als Sohn jüdischer Einwanderer geboren, ist nach den Worten seines großen Gegenspielers John Kenneth Galbraith der wohl einflussreichste Ökonom der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und sicher auch – so wollen wir ergänzen – in dem genannten Zeitraum der einflussreichste US-amerikanische Ökonom in Deutschland." (S. 11)
So beginnt das vorliegende kleine Werk von ca. 155 Seiten, incl. ausführlicher Literaturhinweise.
Und so endet es:
"Hatten die monetaristischen Lehren Friedmans die bundesdeutsche Politik und Wissenschaft erobert, als die Inflationsrate über 7% lag und sich unabweisbar zu dem wirtschaftspolitischen Problem Nummer 1 entwickelt hatte, verloren sie an Gewicht und praktischer Relevanz, als das Gespenst der Inflation gebannt schien und eben nicht mehr unser vordringliches aktuelles Problem war. Diese Deutung liegt ironischerweise ganz im Sinne des methodologischen Ansatzes von Friedman, dass es in der Wissenschaft weniger um eine Theorie an sich gehen sollte, als um ihre Fähigkeit, die aktuellen vordringlichen Probleme zu erklären." (S. 123).
Dazwischen spannt der Autor einen Bogen, der sowohl die historischen Entwicklungen in den USA und zeitverzögert die ähnlichen Entwicklung in Deutschland zum Thema Geldmengenpolitik und Monetarismus aufzeigt. Hier berührt er unterschiedliche Tiefen. Bereits Auszüge aus der persönlichen Geschichte von Friedman setzen dessen Erkenntnisse und Thesen in ein erhellendes Licht.
Eine weitläufig gefasste Darstellung der Ereignisse wechselt mit komplexen Bemerkungen zu den internen Diskursen der beteiligten Ökonomen im In- und Ausland ab. Wer glaubt, dabei alles verstehen zu wollen, sollte sich einen volkswirtschaftlich versierten Mitleser besorgen, denn die Begriffe werden kundig und fundiert verwendet. Wer – so wie die Rezensentin – sich damit zufrieden gibt, einmal in diese Welt hineinschnuppern zu wollen, erfährt viel Interessantes über die Kämpfe und Entwicklungsverläufe wissenschaftlicher Theorien zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
Hier einige Punkte, die man zu dem monetaristischen Programm zählt:
- Klage über wachsende Eingriffe des Staates auf Unternehmen,
- Annahme der grundsätzlichen Stabilität des privaten Sektors,
- Bevorzugung der längerfristigen statt der kurzfristigen Perspektive,
- Primat der Preisstabilität,
- Votum für eine feste Regel der Geldpolitik und
- Plädoyer für stabile, nicht antizyklisch schwankende staatliche Ausgaben (S. 29).
Warum kam es eigentlich so spät erst in Deutschland zur aktiven Aufnahme der Thesen von Friedman in die wissenschaftliche Diskussion?
Zum einen war natürlich durch den Nationalsozialismus für die parallel in den USA beginnenden liberalen Gedanken eine Integration unmöglich. Interessant ist jedoch, dass es danach in Deutschland eine Bewegung der keynesianischen Revolution gab. Erst in den Siebzigern wurde Friedmann hier populär. Man warf ihm zwar immer wieder "oversimplification" vor, was man ja allgemein in Deutschland gegenüber amerikanischen Modellen macht, doch kurz vor dem Friedensnobelpreis wurde er hierzulande bekannt und eben auch beliebt.
"Damit sind zwei theoriegeschichtliche Gründe genannt, die der schnellen Aufnahme von Friedman in Deutschland entgegenstanden: Die aufgrund des Nationalsozialismus und des Krieges verspätete Rezeption des Keynesianismus sowie eine starke deutsche neoliberale Alternative, die der im Lande weithin akzeptierten Sozialen Marktwirtschaft näher stand als der extreme amerikanische, individualistisch geprägte Liberalismus Friedmans." (S. 62)
Das Buch selbst besteht zu über 50% aus Anmerkungen, Querverweisen und detaillierten Erläuterungen, die für den ökonomisch Bewanderten sicherlich von besonderer Bedeutung sind. Auch wenn man vieles in der Tiefe nicht versteht, erhält man jedoch Einblicke in das Werk von Friedman und welche Bedeutung er für uns hier in Deutschland hatte und hat.
Es ist interessant besser zu begreifen, wie und woher unsere Haltungen zu Staat, Politik und Wirtschaft kommen. Daher ist als Zielgruppe niemand auszuschließen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dagmar Wiegel ) |
(dwiegel 01.03.2007) |
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