Das wäre doch etwas: Statt vier Fachbücher lesen zu müssen, greifen wir zu diesem Workbook, das für uns das Beste aus diesen Büchern zusammenfasst. So finden wir einen schnellen und kompakten Einstieg ins Thema Arbeits- und Organisationspsychologie von der organisationalen über die interindividuelle bis hin zur individuellen Ebene.
Das hat Charme, denn gar mancher stöhnt, die Arbeits- und Organisationspsychologie sei doch arg im Detail ausgefranst, da könne es nicht schaden, eine Zusammenfassung an die Hand zu bekommen, die einen schnell über das Wichtigste orientiert. Und wenn diese Zusammenfassung nun auch nicht mit Blick auf die in der Wissenschaft diskutierten Theorien geschehen würde, sondern aufzeigen würde, welche Essentiales für das Anwendungsfeld abzuleiten wären, dann würde das sicher viele Leser finden.
Ein Buch für den Überblick. Gut didaktisch aufbereitet - mit Kernpunkten und Übungsaufgaben. - Da wollen wir nicht widersprechen. Der Verlag hatte hier einen guten Riecher für eine Marktlücke - auch mit Blick auf die neuen Bachelorstudiengänge - und hat ein gut strukturiertes Buch vorgelegt.
Klar, warum gibt es so viele Lehrbücher? Weil jeder Professor eitel sein eigenes Werk in die Welt setzen muss, auch wenn alle über ein und dieselbe Forschung berichten. Doch jenseits dieser wohlfeilen Schelte, fallen dem differenzierenden Beobachter natürlich auch Unterschiede in der Forschung auf, verschiedene Schwerpunkte oder methodische Zugänge - und vor allem die Tiefe. Doch Hinweise hierauf vermissen wir im Buch von Elisabeth Kals.
Natürlich muss man hier die Autorin wiederum in Schutz nehmen: Wer solche Stofffülle komprimieren will, der muss auswählen und zuspitzen, der kann gar nicht alle feinen Diskussionsstränge im Blick behalten. Wichtige Modelle und Theorien werden diskutiert, keine Frage. Das wird auch etliche Leser zufrieden stellen. Doch die Experten werden hier zwiegespalten sein: Die Wissenschaftler werden Tiefe und Differenzierungsgrad vermissen, den Praktikern mag das Büchlein noch zu akademisch und stichwortartig daher kommen - wie eine Karteikartensammlung oder die Foliensammlung einer Vorlesung, der die "Tonspur" fehlt.
Beispielsweise wird Personalentwicklung auf 15 Seiten vorgestellt. Es gibt zum Thema einschlägige Handbücher im Umfang von knapp 400 Seiten, die fachlich hervorragend sind, in denen aber der Aspekt der praktischen Umsetzung immer noch zu wenig Berücksichtigung findet. Was können dem Leser also die 15 Seiten aus dem Workbook bringen? Die Ausführungen zu Zielvereinbarungen finden sich auf mal gerade einer halben Seite. Das reicht natürlich nicht für die "freie Wildbahn". Und wenn im Buch Praxisbeispiele referiert werden, was selbstverständlich sehr löblich ist, muss man von Praktikerseite einwenden, ein doch recht unverfänglich dargelegtes wie das Beispiel „Mitarbeitergespräch“ ist nett und anregend, doch von A&O-Psychologen wird in der Praxis doch ein deutlich höherer "Gürtel" gefordert.
Die Lektüre der einschlägigen Fachbücher und die der vertiefenden Handbücher kann man sich nun doch nicht ersparen. "Workbook" führt da als Titel vielleicht auch einfach in die Irre, wenn man unter "work" mehr als das studentische Pauken verstehen möchte. Aber, da will der Rezensent nicht missverstanden werden, wer nur die Fachbücher gelesen hat, der ist für die Praxis eben noch viel schlechter vorbereitet. Dieses Buch bildet einen guten ersten Transfer-Schritt in Richtung Anwendungsbezug. Insofern seien ihm viele Leser gewünscht.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Thomas Webers, Redaktion Coaching-Report, Bonn) |
(thw 08.03.2007) |
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