| Aberglaube oder Wissenschaft? |
Fußballer stehen vor dem großen Spiel im Kreis zusammen und brüllen ihren Kampfruf, Steve Ballmer hopst vor der Microsoft Belegschaft auf und ab und schreit ins Mikrofon, Belegschaften singen vor Ladeneröffnung die Firmenhymne - Mummenschanz und Aberglaube? Ob es wirkt, weiß man nicht, aber es sei der Führung reifer Menschen unwürdig. Jedoch jede Form der Motivation zu verdammen, wie dies die Kritiker um Reinhard Sprenger seit Jahren tun, sei zwar beliebt, aber ebenso falsch. Anreize funktionieren, weil sie die Leistung steigern, und das sei wissenschaftlich vielfach belegt. Soweit Professor Rosenkranz in der Zeitschrift Führung + Organisation 2/2006.
Es ist und bleibt ein Dilemma mit den Motivationstheorien. Der Professor bringt selbst das Beispiel eines Vaters, der die intrinsische Motivation seiner Kinder durch die Auslobung einer "Prämie" zerstört. Aber, so argumentiert er, Anreize sind viel mehr als leistungsbezogene finanzielle Vergütungen, nämlich auch Dinge wie Verantwortung im Job, Ruhm, Anerkennung, anspruchsvolle und akzeptierte Ziele. Und nun?
Die Aussage ist mal wieder wie so oft: Es kommt drauf an... nämlich auf das Zusammenspiel von Person und Situation: Nicht jede Situation ist gleich, nicht jeder Mensch ist gleich, also besteht die Kunst des Führens darin, zu unterscheiden und den jeweils richtigen Weg zur Motivation des Mitarbeiters zu finden. Das hilft nicht wirklich weiter, oder?
Meines Wissens hat R.Sprenger nie bestritten, dass man Leistung durch Anreize beeinflussen kann, nur wird es teuer. Sie funktionieren wie Doping und zerstören irgendwann die Gesundheit. Oder aber sie führen dazu, dass die Leistung reduziert wird, wenn die Anreize entfallen, so dass man diese immer weiter steigern muss. Kann man ja machen, wenn man diese Nebenwirkungen in Kauf nimmt. Schlauer aber ist es, sich die Arbeitsbedingungen anzuschauen und zu überlegen, wie diese beschaffen sein müssten, damit Menschen es als lohnenswert ansehen, sich zu engagieren.
Und genau hier hapert es nun mal an vielen Ecken und Enden, was nichts anderes bedeutet als: Es gibt Jobs, die würde wohl niemand länger ausfüllen, wenn nicht entsprechende Prämien winkten - ein Problem der modernen Arbeitswelt. Wenn der Aufwand, diese Aufgaben zu verändern, größer ist als jedes Jahr ein neues Prämiensystem zu entwickeln, dann wird man diese Diskussionen noch lange führen müssen.
von
Johannes Thönneßen
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Publikationen zu diesem Thema: |
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Autor / Titel |
Kurzbeschreibung |
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Lutz von Rosenstiel Motivation - nur Aberglaube und Scharlatanerie? Zeitschrift Führung + Organisation (Heft 02, 2006) |
Kommentar zur "Gegenbewegung" in der Motivationslehre. Motivation ist nicht nur Aberglaube und Scharlatanerie, sondern wissenschaftlich erforscht und belegt. |