| Ausverkauf der Management-Konzepte |
Die große Zeit der Management-Konzepte scheint vorbei zu sein. In den Hochzeiten der Managementmoden konnte man sich mit Konzepten wie Business Reengineering, Shareholder Value, Customer Relationship Management,
Lean Management, Total Quality Management u.a. einen Namen machen. Doch irgendwie gehen den Gurus die Ideen aus. Nun findet man Titel wie "Die Moses Methode", "Der Pipi Langstrumpf Faktor", "Story Telling", "Performance Shaping" oder "Die Bärenstrategie". Offensichtlich ist der Markt aber misstrauisch geworden, da muss man wohl subtiler vorgehen. Ob
"Innovationspartnerschaften" der neue Trend sind? Dahinter verbirgt sich eine Mischung aus Reengineering und Outsourcing, das Angebot stammt von Accenture. Auch das könnte zu spät kommen, die ersten Unternehmen holen die verstoßenen Söhne und Töchter wieder zurück.
Da kommt uns doch die Idee zu einer ganz besonderen Management-Methode: Eben nicht der erste sein. Einfach mal abwarten. Statt auf die Verheißungen zu reagieren, dass man den "First Mover-Vorteil" nutzen muss, um ganz vorne mit dabei zu sein, sich in aller Ruhe anschauen, was denn so die unangenehmen Nebenwirkungen der "Gesundungsrezepte" sind. Das könnte sich als großer Vorteil z.B. für die öffentliche Verwaltung herausstellen. Nach einem sehr interessanten Besuch auf der Führungsakademie der Polizei in Münster vergangene Woche, wo ein hochrangiges Publikum mit uns die Vor- und Nachteile bekannter Management-Konzepte diskutierte, war das einer der wichtigsten Ratschläge, den wir geben konnten.
Und wie erfährt man von den Nebenwirkungen? Sicher nicht, wenn man diejenigen befragt, die die Konzepte einführen. Auch nicht unbedingt die Auftraggeber selbst, sondern am ehesten diejenigen, die die Konsequenzen zu tragen haben. Das wird sicher nicht so leicht, aber warum sollte es nicht klappen? Fragen Sie bei Unternehmen, die die Balanced Scorecard oder Zielvereinbarungen eingeführt haben, einfach mal freundlich nach, ob Sie durch das Unternehmen spazieren dürfen und mit dem einen oder anderen Mitarbeiter sprechen dürfen. Dann könnten Sie sich wirklich ein Bild von den Wirkungen und Nebenwirkungen der Methode machen. Ein Versuch wäre es wert.
Von
Johannes Thönneßen