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  Coaching-Vertrieb

 Die MWonline-Kolumne  ::   Coaching-Vertrieb


Da sitzt der Personalentwickler in seinem Büro und möchte in seinem Unternehmen Coaching einführen. Wie macht man das? Profis erklären ihm, dass er dazu verschiedene Strategien verwenden kann: Die Trommler-Strategie (kräftig die Werbetrommel rühren), die Schuster-Strategie (im Stillen gute Coaching-Arbeit verrichten lassen und hoffen, dass es sich herumspricht), die Guru-Strategie (einen prominenten Coach verpflichten, der die Top-Ebenen coacht, so dass alle anderen auch danach verlangen) usw. usw.

Mag sein, dass die eine oder andere Vorgehensweise irgendwann dazu führt, dass Coaching ein anerkanntes Verfahren im Unternehmen ist. Mag auch sein, dass Coaching das Image der "Problemfallanwendung" allmählich ablegt und zum "Standard" bei Veränderungsprozessen wird. Aber ein leichtes Unbehagen stellt sich ein, wenn man solche Ratschläge von Coaching-Anbietern hört. Es ist ein bisschen so, als wenn die Pharma-Industrie Ärzten Strategien empfiehlt, die ihnen helfen, ihre Patienten zur Impfung zu bewegen. Na und, mag man sagen, was ist denn gegen Impfung einzuwenden? Spielen wir das mal weiter durch: Dem Arzt wird also geraten, wichtige Menschen öffentlich zu impfen (Key-Player-Strategie), viele "freiwillige" Patienten zu impfen, in der Hoffnung, dass es sich herumspricht (Ameisen-Strategie). Oder Informationsveranstaltungen zu organisieren (Trommler-Strategie).

So ist es doch auch, werden Sie einwenden, und was spricht dagegen? Dagegen spricht, dass Ärzte wie Personalentwickler als Vertriebler genutzt werden, beide aber von ihren "Kunden" nach wie vor nicht als solche wahrgenommen werden, sondern als Vertrauenspersonen, die ihnen beratend zur Seite stehen, wenn sie ein Anliegen in Sachen Gesundheit bzw. Karriere haben. Ach ja, wie naiv gedacht von mir. Also lieber die Dinge akzeptieren wie sie sind und sowohl Personalentwickler als auch Ärzte in Zukunft als Vertriebsleute mit klarem Verkaufsinteresse betrachten. Muss man nur wissen...

Eine Alternative aber gäbe es schon: Anstatt Coaching zu implementieren, sollte der Personalentwickler sich lieber anschauen, was genau die Menschen in seinem Unternehmen benötigen, um zum Wohle aller ihre Aufgabe zu bewältigen. Wenn Coaching dazu ein Mittel ist - fein. Wenn nicht, dann wird es eben nicht "eingeführt". Dazu bedarf es allerdings einer "freien" und neutralen Sicht auf die Dinge. Ob das auf den Arzt übertragbar ist? Vielleicht sollte man Analogien nicht zu weit treiben...

von Johannes Thönneßen
 
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