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  Den eigenen Chef ertragen

 Die MWonline-Kolumne  ::   Den eigenen Chef ertragen


Das dürfte so ziemlich jeder kennen, der jemanden anderen seinen Vorgesetzten nennt. Dieser mischt sich ein, hat andere Vorstellungen, schmeißt Entscheidungen über den Haufen oder trifft Entscheidungen, die man einfach nicht nachvollziehen kann. Was tun?

Wenn man nicht längst resigniert hat, dürfte dieser Weg der normale sein: Man widerspricht, setzt sich intensiv mit der Sache und dem Chef auseinander und versucht, ihn umzustimmen. Gelingt es, ist es gut. Gelingt es nicht, wird es schwierig, denn was erzählt man den eigenen Mitarbeitern?
Möglichkeit A: Man stellt sich vor sie, beschwert sich heftig und jammert, wie unmöglich doch mal wieder das Verhalten des Vorgesetzten ist. Bloß nicht, sagt Jack Welch, der sich ja bestens auskennt mit den Gesetzen der Hierarchie. Dann nämlich werden Ihre Mitarbeiter Sie für eine Marionette halten, die sich nicht durchsetzen kann und deren Meinung offensichtlich da oben nicht gefragt ist. Ihre Autorität leidet und Ihre Mitarbeiter werden sich in Zukunft an denjenigen wenden, der wirklich das Sagen hat.
Möglichkeit B: Man ringt mit dem Chef hinter verschlossenen Türen, und wenn man sich nicht durchsetzt, dann kommt man heraus und vertritt die Entscheidung (die man für falsch hält) so, als sei es die eigene. So der Rat des ehemals mächtigsten Managers der Welt. Denn, so seine Argumentation, Ihr Chef muss die Gesamtsituation im Blick haben und auch andere Bereiche berücksichtigen. Er hat meist Informationen, die Sie nicht haben. Also akzeptieren Sie seine Entscheidung und ertragen ihn.

Na wunderbar, und dann treten Sie vor Ihre Mitarbeiter und verkünden eine nicht nachvollziehbare Entscheidung als Ihre eigene, und Ihre Mitarbeiter werden denken: "Da ist er mal wieder mit seiner Meinung zum Chef gegangen und mit dessen Meinung wieder rausgekommen. Weichei...." Solches Verhalten könnte auch so manchen Missstand in großen Unternehmen erklären.

Vielleicht gibt es ja eine dritte Möglichkeit: Sie widersprechen Ihrem Chef nicht hinter verschlossenen Türen, sondern führen eine gemeinsame Diskussion mit den Betroffenen. Und wenn Sie sich hier nicht durchsetzen können, dann erklären Sie ihm klar und deutlich, dass Sie die Entscheidung für falsch halten, aber diese mit Ihren Mitarbeitern umsetzen werden, wenn er darauf besteht. Da sollen Sie mal sehen, wie er ins Grübeln kommt. Und Ihre Mitarbeiter werden hinter Ihnen stehen.

Das erfordert Mut, gewiss. Und Sie werden als unbequem gelten. Vielleicht sogar als so unbequem, dass sich ein weniger starker Vorgesetzter vor Ihnen fürchtet und versuchen wird, Sie loszuwerden. Mit anderen Worten: Die Methode Welch dürfte karriereförderlicher sein - auf Kosten der Selbstachtung. Und die Achtung Ihrer Mitarbeiter geht auf jeden Fall flöten. Ihre Entscheidung...

von Johannes Thönneßen
 
Publikationen zu diesem Thema:
Autor / Titel  Kurzbeschreibung  
Jack Welch / Suzy Welch
Ertragen Sie den Schmerz
Wirtschaftswoche (Heft 10, 2007)
Was tun, wenn der eigene Boss sich ständig einmischt, Sie mit Zielvereinbarungen bombardiert und Ihnen das Leben schwer macht?


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