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  Der Wert des Mitarbeiters

 Die MWonline-Kolumne  ::   Der Wert des Mitarbeiters


Klaus Kobjoll ist ein schlauer Mann. Der Manager des bekannten Seminarhotels "Schindlerhof" etabliert sich als Motivationstrainer. Sein Vorteil: Was er lehrt, hat er zuvor im eigenen Unternehmen ausprobiert, das schafft Glaubwürdigkeit. Offensichtlich hat er seine Mannschaft im Griff, denn das Unternehmen floriert. Nun erklärt er, wie die Mitarbeiter im Schindlerhof motiviert werden, ihren "Wert" zu steigern.

Wer dort anfängt, beginnt mit einem Punktestand, sozusagen der Wert der eigenen Aktie. Sie steht bei 1000 Punkten, verliert aber monatlich 10%. Also muss er investieren. In die eigene Weiterbildung, in die Gesundheit (Übergewicht und Rauchen wird mit Punktabzug geahndet), in die eigene Zeitplanung, in das Unternehmen mit neuen Ideen. Für alles gibt es Punkte, und die helfen dabei, auch Teams miteinander zu vergleichen, das schafft gesunde Konkurrenz. Der Gesamtwert zeigt an, wie sich das Unternehmen entwickelt. Klingt interessant, kein Wunder, dass das Verfahren Interesse bei anderen Unternehmen erzeugt und erste Nachahmer findet. Da scheint jemand ein System gefunden zu haben, mit dem man Menschen steuern und auf ein gemeinsames Ziel ausrichten kann. Und wird hier schon als der neue "Anti-Sprenger" bezeichnet. Wunderbar, ein einfaches Punktesystem lautet also die Antwort auf die Frage, wie man Mitarbeiter motiviert. Im Grunde ist das nichts anderes, als die Vertreter der Steuerungssysteme wie Balanced Scorecard uns schon länger klarzumachen versuchen.

Eins lässt den Leser nachdenklich werden. Bei einer anonymen Mitarbeiterbefragung plädierte eine Mehrheit dafür, auch die Prämien an das System zu koppeln, was bisher nicht der Fall ist. Auch das kennen wir von der Balanced Scorecard-Diskussion. Da hören wir schon die Stimmen, die da sagen: "Na bitte, am Ende geht es den Menschen doch nur ums Geld!"

Ein böser Denkfehler. Sieht es nicht vielmehr so aus: Hier wird an Stelle eines monetären Prämiensystems ein Ersatzsystem eingeführt. Die Mitarbeiter sollen etwas so und nicht anders tun, um ihren Punktestand zu erhöhen. Und dann wundern wir uns, wenn sie sich irgendwann fragen: "Ja und? Was ist der Gegenwert, den uns das Unternehmen bietet, wenn wir uns auf diese Weise "motivieren" lassen? Wann kommt die Umrechnung in Euro?" Wer Sinn durch Punkte oder Geld ersetzt, wird genau diese Begehrlichkeiten wecken. Eine Erkenntnis, um die Nachahmer nicht herumkommen werden.

(von Johannes Thönneßen)
 
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Publikationen zu diesem Thema:
Autor / Titel  Kurzbeschreibung  
Martin Pichler
Hurra, wir sind die Ich-Aktien!
wirtschaft + weiterbildung (Heft 04, 2005)
Ein neues Motivationsprogramm? Interessant ist es schon, was der Inhaber des Schindlerhofes, Klaus Kobjoll, sich einfallen lässt, um das Engagement der Mitarbeiter zu steuern. Ein Punktesystem mit Namen MAX.


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