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  Echt oder unecht?

 Die MWonline-Kolumne  ::   Echt oder unecht?


Das ist mal wieder eine lustige Frage: Wann ist das soziale Engagement einer Firma ernst gemeint und wann ist es nur ein Deckmäntelchen, um das Firmenimage aufzupolieren? Die Antwort kommt nicht von Philosophen, Theologen oder Vertretern von Non-Profit-Organisationen, sondern von Beratern. Diese sehen die Ernsthaftigkeit dann gegeben, wenn das soziale Engagement in der Firmenstrategie verankert ist. Dazu wiederum genüge es allerdings nicht, es in schönen Worten ins Internet zu stellen, in Broschüren und Geschäftsberichten zu publizieren. Man müsse schon klare Maßnahmen ableiten und diese auch "monitoren", sprich: Ihren Erfolg überprüfen.

Wie muss man sich das vorstellen? Wenn ein Spielzeughersteller umweltverträgliche Materialien verwendet, bei der Produktion auf Kinderarbeit in Asien verzichtet und Spielzeug an Waisenhäuser in Rumänien verteilt, dann ist der Bezug zur Strategie klar erkennbar. Wenn ein Logistikunternehmen Opfer der Tsunami-Katastrophe unterstützt, fehlt der Bezug zur Wertschöpfungskette. Ist das Engagement dann ein Trick, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen? Fehlt es hier am "echten" Willen?

Ein weiser Satz: "Ein Indiz für die Ernsthaftigkeit ist vor allem, wie die Partner eines Unternehmens über dieses sprechen." Gemeint ist hier die Glaubwürdigkeit. Soziales Engagement ist zunächst immer willkommen, ganz gleich, welches Motiv dahinter steckt. Aber wir tun uns schwer, uns darüber zu freuen, wenn wir das Gefühl haben, dass damit von anderen Dingen abgelenkt werden soll. Warum soll ein Unternehmen nicht für Katastrophenopfer spenden, wenn die Not groß ist, auch wenn das mit dem Kerngeschäft überhaupt nichts zu tun hat? Wenn es gleichzeitig in seinem Kerngeschäft "ethisch sauber" ist, fühlen wir uns natürlich besser, als wenn das gleiche Unternehmen Giftmüll um die Welt schippern lässt.
Statt den Unternehmen eine CSR (Corporate Social Responsibility)-Strategie zu verkaufen, sollten sich Berater und Unternehmenslenker lieber Gedanken darüber machen, was sie als den Sinn ihres Tuns ansehen. Und wenn dabei immer noch herauskommt, dass es die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens ist, das Vermögen ihrer Eigentümer zu mehren, dann wird jede Form des sozialen Engagements einen schalen Beigeschmack behalten.

von Johannes Thönneßen
 
Publikationen zu diesem Thema:
Autor / Titel  Kurzbeschreibung  
Kirsten Wenzel
Wie Masche sich von Ernst unterscheidet
Financial Times Deutschland (05-24, 2007)
Wann ist soziales Engagement ernst gemeint und wann dient es lediglich dazu, das Image aufzupolieren?
Anja Krüger
Vom Straßenkind bis zum Spritsparen
Financial Times Deutschland (05-24, 2007)
Was tut ein Unternehmen wie VW in Sachen Corporate Responsibility? Und worin besteht der Unterschied zwischen karitativem Engagement und "wahrem" sozialen Engagement?
Bernhard Stelzl
Verantwortung übernehmen
Personalmagazin (Heft 04, 2007)
Wofür steht der Begriff "Corporate Social Responsibility" eigentlich? Und wie sollten Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen? Beitrag mit konkreten Beispielen...


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