| Es gibt keine Erfolgsrezepte |
Schon die Titel lassen den Leser schmunzeln. Da verkündet Thomas Sattelberger: "Leadership lässt sich nicht trainieren", ein paar Seiten weiter erklärt Rainer Schulze: "Leadership ist vor allem Übungssache". Zwei Beiträge aus der Ausgabe 1/2007 der
Wirtschaftspsychologie-aktuell, die wir nicht besprochen haben, dafür aber die Aufsätze zur transaktionalen und transformationalen Führung. Der eine (von Stefan Dörr) erklärt uns, dass wissenschaftlich erwiesen sei, wie überlegen transformationale Führung ist und empfiehlt, hieraus ein strategisches Leadership-Modell abzuleiten und im Unternehmen einzuführen. Lauter kleine und große Charismatiker, was für eine Vorstellung.
Der andere (von Christian Scholz) will am Verhalten des Handball-Bundestrainers Heiner Brand in den Spielpausen der WM-Spiele erkannt haben, dass es vielleicht doch mehr auf das Führungshandwerk, also die transaktionale Führung ankommt und legt nahe, sich eventuell doch wieder mehr mit dem handwerklichen Anteil der Führungstätigkeit zu beschäftigen.
Das Lesen all dieser Versuche, dem Geheimnis erfolgreicher Führung auf die Schliche zu kommen, ermüdet und langweilt ungemein. Und es führt nicht weiter. Rezepte helfen beim Kochen, aber nicht bei der Mitarbeiterführung. Ebenso wenig wie bei Ehen. Hinkt der Vergleich? Es gibt "erfolgreiche" Ehen, die ein Leben lang halten und in denen sich die Partner auch ein Leben lang vertragen. Nehmen wir einmal an, die Partner trennen sich doch und finden neue Partner. Sie würden die gleichen Verhaltensweisen wie in der ersten Beziehung zeigen - und vermutlich lange nicht so "erfolgreich" sein. Vergleichsstudien dazu sind vermutlich selten, weil gute Ehen eben lange halten.
Vielleicht könnte man ja mal untersuchen, wie ein erfolgreicher Manager, der trotz des Erfolges sein Unternehmen verlässt, an anderer Stelle abschneidet. Und dann mal nachschauen, ob die Rahmenbedingungen ähnlich oder unterschiedlich sind. Was würde man herausfinden? Dass bestimmte Fähigkeiten in bestimmten Situationen und Umgebungen zum Erfolg führen, in anderen Konstellationen aber zum Gegenteil? Und dass jeder Versuch, solch "passende" Konstellationen zu beschreiben und in Empfehlungen münden zu lassen, scheitern wird.
Oder, was wahrscheinlicher ist und angesichts der ganzen Veröffentlichungen auch zu beoachten: Entweder entstehen Empfehlungen, die sämtliche Tugenden der Menschheit enthalten und den absoluten "Superhelden" beschreiben, oder sie sind banal und hundertfach veröffentlicht, wie diejenigen in dem Beitrag von Sonja Sackmann: Erfolgreiche Vorgesetzte vereinbaren mit ihren Mitarbeitern Ziele und Meilensteine.
Ob hier noch jemals etwas Neues zu erwarten ist?
von
Johannes Thönneßen