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  Fehler des Monats

 Die MWonline-Kolumne  ::   Fehler des Monats


Genial daneben - das klingt interessant. Statt Fehler zu geißeln und die "Null-Fehler-Kultur" auszurufen, die aus Mitarbeitern ängstliche Fehlervermeider und risikoscheue "Nicht-Unternehmer" macht, sollte man mutige Schritte gehen. Im BWM-Werk in Regensburg hat man Anfang der 90er Jahre den "kreativen Fehler des Monats" gekürt. Löblich, die Personaler den Versuch im eigenen Bereich gestartet haben, ehe sie es anderen auf´s Auge drückten.

Was der "kreative Fehler des Monats" ist? Gemeint ist nicht der "normale Fehler", der aus Unachtsamkeit oder gar absichtlich geschieht. Und schon gar nicht der, einen Fehler zu "vertuschen". Diese sollen weiterhin geahndet werden. Gemeint ist ein Verhalten, das innovativ und initiativ ist, das eine angemessene Risikoabwägung beinhaltet und dann leider doch zum Misserfolg führt. Solche "Fehler" sollten also besonders hervorgehoben, ihr "Verursacher" mit einem Preis (keiner Prämie) ausgezeichnet werden. Selten sollen sie sein, diese "kreativen Fehler", quasi die Ausnahme. Deshalb wurde in drei Jahren auch nur ein Dutzend ausgezeichnet. Gab es so wenig Initiative im Personalbereicht? Oder waren im Gegenteil alle anderen Initiativen erfolgreich?

Eine gute Idee? Skepsis ist angebracht. Zum einen ist es schon eine merkwürdige Idee, ein gescheitertes Engagement als "Fehler" zu bezeichnen. Impliziert "Fehler" nicht, dass etwas falsch gemacht wurde? Zum anderen: Sollte nicht jede Initiative, die innovativ ist und deren Risiko sorgfältig abgewägt wurde, honoriert werden - ob mit oder ohne erfolgreichen Abschluss? Wer mit einem Projekt nicht gescheitert ist, wird sich schon wundern, dass der "misslungene" Versuch gesondert ausgezeichnet wird. Was das wohl für Nebenwirkungen hat?

Dass dieses Projekt über drei Jahre von 1990 bis 1993 lief, aber erst 2005 veröffentlicht wird, ist kaum verständlich. Wäre das Ganze ein Erfolg, hätte man wohl hierüber etwas erfahren, oder? So dürfte es zu den "kreativen Fehlern" bei BMW zählen. Genial daneben....

Da werden wir wohl weiter auf ein tolles System zur Förderung einer fehlertoleranten Unternehmenskultur warten. Es muss ja niemand ausgezeichnet werden, der einen Fehler zugibt. Aber einem Mitarbeiter zu danken, wenn er über ein Missgeschick berichtet, um andere vor der gleichen Panne zu bewahren, wäre ja ein Anfang. Vielleicht sehen eines Tages auch die "innovativen" Personaler ein, dass die "Fehlerkultur" wohl weniger eine Frage der Methode, sondern des täglichen Umgangs mit Fehlern ist. Und den muss man einfach leben...

von Johannes Thönneßen
 
Publikationen zu diesem Thema:
Autor / Titel  Kurzbeschreibung  
Bernd Kriegesmann / Gerhard Bihl / Thomas Kley / Markus Schwering
Genial daneben - vom Wert des kreativen Fehlers für die Unternehmensentwicklung
Zeitschrift Führung + Organisation (Heft 02, 2005)
Auf der einen Seite propagieren die Unternehmen die "Null-Fehler-Kultur", auf der anderen Seite wird von einer "offenen Fehlerkultur", von Fehlertoleranz gesprochen. Wie passt das zusammen?


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