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  Mit Gott zum Erfolg?

 Die MWonline-Kolumne  ::   Mit Gott zum Erfolg?


Pünktlich zu Weihnachten überkommt auch eine Zeitschrift wie die Wirtschaftswoche die tiefere Einsicht. Nein, das ist nicht ganz richtig, schon länger beschäftigt sie sich mit dem Thema Religion. Spätestens seit der Wiederwahl von George W.Bush hat sie erkannt, dass die Welt zu festen Werten und dem Glauben an Gott zurückkehrt. Und das, so erfahren wir nun, ist vielleicht sogar eine Frage der Vernunft. Der Blick in die USA zeigt, dass der Glaube viele Probleme löst. Gläubige Menschen bekommen mehr Kinder, zeigen mehr Zusammengehörigkeitsgefühl und arbeiten mehr. Sie sind motiviert, weil Arbeit ein Teil des Lebens ist, man braucht sie nicht durch teure Prämien zu locken. Mit anderen Worten: Wo Gott zu Hause ist, funktioniert der Markt. Keine demografischen Probleme, keine Auseinandersetzungen um Arbeitszeitverkürzung und eine wachsende Wirtschaft. Gläubige Menschen sind strebsam und sparsam.

Da stellt sich die Frage: Macht Religion erfolgreicher? Dann sehen wir in Europa wirklich schweren Zeiten entgegen. Wir haben den Glauben verloren. Die Gesellschaft veraltet, jeder denkt nur an sich, an Stelle des Gotteskultes tritt zunehmend ein Menschenkult. Nicht nur, dass wir einfach aussterben, wir werden auch noch vom Islam überrannt. Es sei denn, aus Amerika kommt wieder einmal die Rettung. Ob die Gebete der Wirtschaftswoche erhört werden?

Oder sollen wir die Sache lieber etwas kritischer sehen? Vielleicht sollte man sich die Statistiken, die hier zitiert werden, ein wenig genauer ansehen. Kann es sein, dass die religiösen George Bush-Wähler doch eher auf dem Land leben? Dass es dort ohnehin mehr Kinder gibt? Dass es nicht nur etwas mit Religion zu tun hat, sondern zumindest auch mit Bildung? Oder gar mit - fehlendem - Wohlstand, wenn man Zuflucht zu Gott sucht und den Lohn für die harte Arbeit im nächsten Leben? Laut Wirtschaftswoche trifft all das nicht zu.

Oder es ist noch ganz anders. Im gleichen Heft lesen wir zu unserer Beruhigung, dass religiöse Manager und die von ihnen geführten Unternehmen nicht automatisch erfolgreicher sind als andere. Hier kommt es zu allerst auf Professionalität an. Könnte es also sein, dass die vielen Kirchen in den USA deshalb so viele Anhänger haben, weil sie einfach die besseren Unternehmen sind? Weil sie im Wettbewerb zueinander stehen und um ihre Kunden kämpfen müssen? Eine Kirche, die ihre Mitglieder nicht erreicht, erhält keine Spenden und verschwindet in der Pleite. Mit anderen Worten: Geht es auch hier letztlich um Marktwirtschaft?

Die Wirtschaftswoche bietet uns aber noch eine Erklärung an: Glauben ist genetisch festgelegt. Da hat doch ein Wissenschaftlicher ein Gen namens VMAT2 entdeckt, das bei religiösen Menschen häufiger anzutreffen ist. Darin soll ein evolutionärer Vorteil liegen. Wobei sich die Frage stellt, welche Erbanlage sich letztlich durchsetzen wird. Etwas verblüffend die hier gewählte Erklärung: Die religiöse Variante setzt sich durch, weil solchermaßen ausgestattete Menschen sich selbst weniger in Frage stellen und damit weniger anfällig sind. Aber haben nicht schon die Menschen in grauer Vorzeit an alle möglichen Götter geglaubt? Das Gen hat sich offensichtlich nicht durchgesetzt. Kein Wunder, werden die Verfechter des wahren Glaubens sagen, war ja auch der falsche Gott. Bis sich aber die richtigen Gene durchgesetzt haben, dürfte das Abendland verloren sein.

Aber die Frage stellt sich bei all dem: Welche Werte haben wir denn tatsächlich im alten Europa? Egal, ob sie uns vor dem Untergang retten oder nicht...

von Johannes Thönneßen

Das Thema ist höchst spannend - und es fasziniert mich. Schön wäre es, wenn an dieser Stelle eine etwas intensivere Diskussion einsetzen könnte - wir freuen uns über Meinungen und Kommentare!
 
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Leserkommentare zur Kolumne Mit Gott zum Erfolg?  

Publikationen zu diesem Thema:
Autor / Titel  Kurzbeschreibung  
Olaf Gersemann / Stephan Schmidt
Comeback der Religion
Wirtschaftswoche (Heft 52, 2004)
Europa und die USA haben sich auseinander gelebt. Während hierzulande die Kirchen leer bleiben, gewinnt der Glaube in den Staaten immer mehr Anhänger. Und rettet sowohl uns vor dem Islam als auch unsere Wirtschaft...
Susanne Kutter
Gott im Gen
Wirtschaftswoche (Heft 52, 2004)
Da haben Hirnforscher nachgewiesen, dass in Phasen tiefer innerer Versenkung bestimmte Areale des Gehirns ihre Aktivität nahezu einstellen. Und dass ein bestimmtes Gen für Religion empfänglich macht...
Ulrich Hemel (im Interview mit Christopher Schwarz und Julia Leendertse)
Ich hab ja sonst nichts
Wirtschaftswoche (Heft 52, 2004)
Ein Theologe und Manager äußert sich zu Fragen des Glaubens und seinen Einfluss auf wirtschaftliches Handeln. Erfreulich pragmatisch macht er schnell klar, dass gläubige Menschen nicht automatisch wirtschaftlicher erfolgreich sind, sondern dass es dabei vor allem auf Professionalität ankommt.
Andreas Grosse Halbuer / Jochen Mai / Cornelius Welp
Himmlische Hilfe
Wirtschaftswoche (Heft 52, 2004)
Es geht um Manager, die an Gott glauben und was sie besonders auszeichnet. Die Wirtschaftswoche hat einige aufgespürt und ganz Erstaunliches zu hören bekommen.


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