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  Nebenwirkungen von Zielvereinbarungen

 Die MWonline-Kolumne  ::   Nebenwirkungen von Zielvereinbarungen


Es ist noch nicht lange her, da stolperte ich über einen Artikel zum Thema "Wirtschaftskriminalität". Darin wurde die Behauptung aufgestellt, dass zu hohe Zielvorgaben kriminelles Verhalten fördern. Nun tauchte eine ähnliche Feststellung im Zusammenhang mit unerlaubten Kartellabsprachen auf. Sind Zielvereinbarungen die Ursache für unlauteres Manager-Verhalten?

Blödsinn. Das ist genauso, als würde man behaupten, Werbung für Luxusartikel sei die Ursache für Diebstähle oder die Existenz von Waffen die Ursache für Körperverletzungen (Oder Angebote zum Koma-Saufen die Ursache dafür, dass sich Jugendliche betrinken?). Keine Zielvereinbarung verursacht kriminielles Verhalten. Andererseits - und das ist der Knackpunkt: Drückt man einer Reihe von Menschen eine Waffe in die Hand, darf man sich nachher nicht wundern, wenn der eine oder andere sie benutzt. Drückt man den Führungskräften überzogene Ziele auf und stellt ihnen den nächsten Karriereschritt oder eine satte Prämie in Aussicht, darf man sich auch nicht wundern, wenn der eine oder andere illegale Wege geht, um ans Ziel zu kommen. Zumindest wundert es mich nicht.

Und die Konsequenz? Waffen gehören nicht in die Hände vieler Menschen, und Zielvereinbarungen, verknüpft mit Prämien und Aufstiegsversprechen, nicht ins Unternehmen.

Halt, nicht so schnell. Bloß weil der eine oder andere ein Verfahren missbraucht, gehört es noch nicht abgeschafft, oder? Schließlich gibt es ja Möglichkeiten der Kontrolle. Man muss seine Führungskräfte im Blick behalten und vor allem vernüntigte Ziele vereinbaren, solche, die auch erreichbar sind. Zu dumm nur, dass in vielen Unternehmen die Ziele bzw. Visionen von dieser Art sind: "Wir sind Marktführer..."

Wenn Unternehmen es wirklich ernst meinen mit anspruchsvollen, aber realistischen Zielen, dann sollte es andere Wege geben, als ihren Führungskräften die Prämie vor die Nase zu hängen und dann zu schauen, wie diese sich abstrampeln. Oder illegale Abkürzungen nehmen...

von Johannes Thönneßen
 
Publikationen zu diesem Thema:
Autor / Titel  Kurzbeschreibung  
Jan-Ulrich Lange
Fraud durch eigene Mitarbeiter
Zeitschrift Führung + Organisation (Heft 01, 2007)
Wie kommt es zu Fraud (Wirtschaftsdelikte) durch die eigenen Mitarbeiter? Wie verhindert man dies bzw. wie deckt man Fraud-Fälle auf?
Claudia Tödtmann
Manager außer Kontrolle
Handelsblatt (06-08, 2007)
Warum kommt es immer wieder zu unrechtmäßigen Kartellabsprachen? Und wer kann haftbar gemacht werden, wenn die Sache auffliegt?


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